Klopp steht beim BVB vor einer neuen Herausforderung

Reinhard Schüssler
Zwölf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Bayern! Aber noch muss niemand für Schwarz-Gelb schwarz sehen. Jürgen Klopp aber steht vor einer neuen Herausforderung, bei der ihm die Champions League helfen könnte. Ein Kommentar.

Essen. Auch in der Stunde der bittersten Niederlage gibt es immer noch etwas zu gewinnen. Zum Beispiel Respekt dafür, bei der Ursachenforschung nicht drum herum zu reden. „Das war kein BVB-Fußball“, brachte Borussia Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl den schwachen Auftritt des deutschen Meisters im hochverdient verlorenen Derby gegen Schalke 04 auf den Punkt.

Womit Kehl noch einmal daran erinnerte, dass die Mannschaft seit einigen Jahren für einen bestimmten, von Leidenschaft und Inspiration geprägten Fußball steht. Ein Markenzeichen, das unlängst noch in Manchester untermauert wurde, als der deutsche den englischen Meister zeitweise an die Wand spielte. Zur Schwarzmalerei für die Schwarzgelben besteht also (noch) kein Grund.

Klopp nahm die Niederlage ohne Wenn und Aber auf seine Kappe

Auch in Dortmund waren sie sich darüber im Klaren, dass nach zwei Meisterschaften zwangsläufig die schleichende Gefahr einer Sättigung der Mannschaft besteht. Indem Jürgen Klopp, der nicht immer als guter Verlierer in Erscheinung getreten ist, diesmal – anders als etwa Joachim Löw nach dem EM-Aus gegen Italien – die Niederlage ohne Wenn und Aber auf seine Kappe nahm, wollte er womöglich auch von der auffallenden „Lethargie“ (BVB-Boss Watzke) seiner Spieler ablenken. Der Trainer mag eine falsche taktische Ausrichtung gewählt haben, bedingungslosen Einsatz wird er seinen Spielern nicht verboten haben.

Klopp steht nach einem schier unaufhaltsamen Höhenflug vor einer neuen Herausforderung, bei der die Champions League eine Schlüsselrolle spielt. Der Stachel, den gerade die Bayern mit ihrer Häme angesichts des kläglichen BVB-Abschneidens in der Vorsaison gesetzt hatten, sitzt immer noch tief. Solange deshalb die Borussia diesmal auch internationale Duftmarken setzt, dürfte die Stimmung im Verein selbst dann nicht nachhaltig kippen, wenn die dritte Meisterschaft in Folge schon frühzeitig abgeschrieben werden muss.

Denn obwohl die Erwartungen in Dortmund unstrittig stark gestiegen sind, ist der Klub nun mal mit dem FC Bayern noch lange nicht zu vergleichen. Was sich nicht nur auf die Erfolgsbilanz und die Wirtschaftskraft bezieht, sondern ausdrücklich auch auf das Anspruchsdenken und das Konfliktpotenzial.

Testfall für die Belastbarkeit der Bayern steht noch aus

Schon vergessen? Bereits der einzige, vermutlich folgenlose Ausrutscher in dieser Saison, das 1:3 beim weißrussischen Vertreter Bate Borissow, hat bei den Bayern für heftige Erschütterungen, u.a. im Verhältnis zwischen Trainer und Sportdirektor, gesorgt. Der erste echte Testfall für die Belastbarkeit der Münchner Psyche nach zwei enttäuschenden Spielzeiten steht in dieser Saison noch aus. Danach sehen wir weiter.