Klopp kämpft auf Ehrenrunde beim BVB mit den Tränen

Eine Geste, die alles sagt: BVB-Coach Jürgen Klopp verneigt sich vor der Südtribüne.
Eine Geste, die alles sagt: BVB-Coach Jürgen Klopp verneigt sich vor der Südtribüne.
Foto: dpa
Gänsehautstimmung in Dortmund: Nach dem 3:2-Sieg über Bremen verabschiedete sich Jürgen Klopp mit einer emotionalen Ansprache von den BVB-Fans.

Dortmund. Der Abgang geriet Klopp-like. Spitzbübisch, neckisch, gutgelaunt. Seine Spieler, die Stammspieler, die Reservisten, die Verletzten, hatten an der Mittellinie ein Spalier gebildet, durch das Jürgen Klopp zu schreiten hatte, wenn er seine letzten Meter über den Dortmunder Rasen gehen würde. Der Trainer von Borussia Dortmund Schritt also hindurch, die Ovationen des Publikums begleiteten ihn. Und weil es ihm so gut gefiel, drehte er ab, hinterquerte seine Spieler und machte es einfach noch einmal.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon erinnerungswürdige Szenen abgespielt in diesem Dortmunder Stadion, das sieben Jahre lang Klopps Bühne war, das er an diesem Tag aber für unabsehbare Zeit nicht mehr als Verantwortlicher betreten wird. Das Pokalfinale in Berlin am Samstag noch, dann greift sein Rücktritt, den er im April angekündigt hatte.

BVB-Coach Klopp verbeugt sich vor der Südtribüne

Schon vor dem Anpfiff herrschte Gänsehautstimmung im Stadion. Für die Südtribüne hatten die Fans einen übergroßen Abschiedsgruß arrangiert: Ein Bild von Klopp, daneben die Wörter: "Danke Jürgen" und ein hübsches Sprüchlein: "Wir brauchen viele Jahre, um zu verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können." Es folgten weitere kostbare Augenblicke.

Klopp-SpezialWährend des Spiels giftete, hüpfte und ballte Klopp die Fäuste, wie er es immer getan hatte. Und nachdem der Sieg eingefahren und die Europa League erreicht war, durften die Gefühle endlich raus. Klopp schritt begleitet vom Getöse der Fans vor die Südtribüne, verbeugte sich, lupfte seine Kappe und machte sich auf die Ehrenrunde. Allein. Beklatscht von allen 80.000 Zuschauern. Beklatscht von den Spielern. Und mit den Tränen kämpfend.

Klopp: "Dieses Stadion ist ein außergewöhnlicher Ort"

Die Emotionen tobten in Klopp. Deshalb hatte er vorgesorgt. Natürlich wollte er noch sein Wort des Dankes an alle richten. "Aber aus Fehlern lernt man ja", sagte er in einem Videoeinspieler im Stadion. Er meinte seinen Aschied 2008 aus Mainz "als nicht zu verstehen war, was ich eigentlich sagen wollte". Zu sehr rang er damals mit den Tränen. Dieses Mal ist er gut zu verstehen. Er sagt: "Dieses Stadion ist ein außergewöhnlicher Ort und zwar weil ihr alle ihn dazu macht. Ich habe jede Sekunde genossen. Daher sage ich aus ganzem Herzen: Danke schön. Und als jemand, der schon einmal einen solchen Abschied durchgemacht hat, kann ich nur raten, in der Zukunft nicht zu vergleichen. Wer vergleicht, schmälert die großartige Erinnerung und erschwert eine positive Zukunft. Wenn es nach mir geht, sehen wir uns am Sonntag in der Innenstadt."

Da soll sein Wunsch wahr werden, ein letztes Mal mit einem Pokal um den Borsigplatz zu ziehen. Applaus. Dann ging er. Durch das Spalier der Spieler. Zweimal.

 
 

EURE FAVORITEN