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Fan-Kolumne

Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften

19.03.2012 | 16:31 Uhr
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
Die Südtribüne und die Mannschaft jubeln über den Sieg gegen Bremen.

Dortmund.   Es gäbe viel Positives, das man nach diesem Fußball-Wochenende aus Fansicht über die Borussia berichten könnte. Man hat Werder Bremen dominiert und verdient gewonnen, ist damit sagenhafte 20 Spiele in Folge ungeschlagen. Doch leider ist Fremdschämen angesagt.

Es gäbe viel Positives, das man nach diesem Fußball-Wochenende aus Fansicht über die Borussia berichten könnte. Man hat Werder Bremen dominiert und verdient gewonnen, ist damit sagenhafte 20 Spiele in Folge ungeschlagen. Auch die mit jedem Gegner ohne Gegenwehr wachsende Hybris an der Isar hätte Stoff für eine Fankolumne geliefert. Doch leider gab es ein Vorkommnis, das den Fußballsport etwas überschattet hat. Und es gab Anlass, sich für einige Dortmunder Anhänger zu schämen .

Beschämende Spruchbänder

Zu Beginn und gegen Ende der zweiten Halbzeit „zierten“ zwei Spruchbänder die Südtribüne, die in dieser Form, von ihrer Intention unabhängig, absolut unzumutbar waren. Es ist zwar diskutabel, ob es sinnvoll ist, den auf diesem Wege transportierten Inhalten hier noch einmal eine Bühne zu bieten, aber man kann sie unter keinen Umständen unkommentiert lassen. Und wenn man darüber redet, muss man wissen, über was man redet.

Eine Gruppe Dortmunder Fans, die sich selbst als Ultra-Gruppierung versteht, hielt in dieser Reihenfolge folgende Botschaften für politisch linksliberal orientierte Bremer Ultras parat: „Gutmenschen, Schwuchteln und Alerta-Aktivisten, wir haben euch im 20 vs. 100 gezeigt, was Fußball ist“ und „Lieber eine Gruppe in der Kritik als Lutschertum & Homofick“.

Bitterer Beigeschmack

Nicht nur für alle anwesenden Gib mich DIE KIRSCHE-Redakteure, sondern für eine überragende Mehrheit der BVB-Fans hatte der Erfolg über Werder deshalb einen bitteren Beigeschmack. Der Fangruppe, aus der die Urheber dieser beiden menschenfeindlichen Entgleisungen stammen, wurde in der Vergangenheit, nicht zuletzt aus der in Teilen lobenswerter Weise gegen Rassismus und Homophobie engagierten Bremer Fanszene, immer wieder vorgeworfen, „nach Rechts offen“ oder bereits eine rechtsradikale Gruppe zu sein.

Obwohl man mit solchen Pauschalisierungen sehr vorsichtig sein sollte und obwohl sich die Gruppe erst Anfang dieser Spielzeit via Internet und Handzetteln von solchen Unterstellungen und entsprechenden Inhalten distanziert hat, muss man konstatieren, dass eine solche Art von Hassbannern schon beinahe einem Offenbarungseid gleich kommt und sich die Gruppe auf diese Weise mit ziemlicher Sicherheit selbst massiv geschadet hat.

Prahlerei mit Prügelei

Von der intolerablen Homophobie beider Spruchband-Äußerungen, mit der man eben nicht nur eine kleine Gruppe gegnerischer, sondern auch eine noch größere Gruppe heimischer Fans, sowie unzählige Mitglieder dieser Gesellschaft beleidigt, abgesehen, lassen die Äußerungen besagter Dortmunder Fangruppe weitere Rückschlüsse auf dort herrschende oder im schlimmsten Fall sogar vorherrschende Einstellungen zu.

So wird auf dem ersten Spruchband offen mit einer aktiv aufgesuchten bzw. selbst inszenierten körperlichen Auseinandersetzung auf einem Rastplatz geprahlt, die zwischen Anhängern besagter Gruppe und Bremer Anhängern stattfand, als es zu gar keinem Aufeinandertreffen zwischen beiden Vereinen kam. Und was dem Ganzen die Krone aufsetzt: Sinngemäß wird behauptet, das „ist Fußball“! Ein ungeheurer Fehlglaube, der da vorherrscht. Das hat mit Fußball nämlich gar nichts zu tun.

Allgemeine Vorwürfe gegen „die Ultras“ sind unangemessen!

Den vereinzelt auf dem Heimweg vom Stadion vernehmbaren Äußerungen à la „die Ultras wieder…“ möchten wir an dieser Stelle aber trotzdem entschieden entgegentreten. Die ohnehin eher fußballzentrierte Gruppe „The Unity“ hatte damit ebenso wenig zu tun , wie die „JuBos “, die – ganz im Gegenteil – auf ihrem Spruchband zuvor Timo Konietzka geehrt und damit gezeigt hatten, dass man sich auch im Konsens und dem Verein und seiner Historie würdig auf der Tribüne äußern kann.

Tu was, Borussia!

Mit Sicherheit ist dies auch mitnichten ein Aufruf zu einer wie auch immer gearteten Kollektivstrafe gegen die Gruppe, aus der die Verursacher stammen. Es ist nicht bekannt, ob wirklich alle Gruppenmitglieder oder vielleicht eben auch „Gruppen-Externe“ daran beteiligt waren. Wir möchten aber die Hoffnung ausdrücken, dass sowohl das offene Eingeständnis von Hooliganismus, als auch die in hohem Maße homophoben Schmähungen, nicht nur auf pädagogischem Wege bestraft werden.

Wir freuen uns, dass sich der Verein und allen voran die Fan-und Förderabteilung, bereits klar distanziert haben, hoffen aber trotzdem, dass es dabei nicht bleibt. Der Fanbetreuung sind alle ausschlaggebenden Personen bekannt. Tu was, Borussia! Denn wenn man an einen Punkt gelangt, wo man sich richtig gehend schämen muss, ein Borusse zu sein, ist das alarmierend.

Ebenso alarmierend, wie die Schlägerei auf der Süd, als es für Fans, die beim Stand von 1:0 in der 80. Spielminute lieber das Geschehen auf dem Feld verfolgen wollten, als von hinten auf das Hass-Banner zu schauen, Schläge mit Fahnenstangen setzte. Wenn das Image eines ganzen Vereins so negativ in Mitleidenschaft gezogen wird, muss es vielleicht irgendwann mal heißen „DES Maß ist voll!“

Der Fußball ist bei einigen in den Hintergrund getreten

Und zwar nicht nur wegen Gewalt, Homophobie und dem Verdacht des Rassismus, sondern auch wegen des in hohem Maße mangelnden Respekts vor der ganzen Fanszene. Die Südtribüne als Kulisse für solche Botschaften zu missbrauchen, legt den Verdacht nahe, dass die Täter schon so weit in eine nur bedingt existente Parallel-Welt abgerückt sind, dass sie die Tragweite ihrer Handlungen gar nicht mehr einschätzen können.

Die große Bühne Westfalenstadion zu nutzen, um auf so umfassend beleidigende Art und Weise einen „Privatkrieg“ auszufechten, an dem keiner außerhalb zweier kleiner Gruppen beteiligt ist, zeugt jedenfalls ganz sicher von einem: Der Fußball ist für einige längst in den Hintergrund getreten – ganz entgegen der eigenen Aussagen auf dem kritisierten Banner.

19.03.2012, Gib mich DIE KIRSCHE, Redaktion

Kommentare
21.03.2012
13:57
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von lightmyfire | #14

Unerträglich ist die richtige Bezeichnung und die Geschichte lehrt uns, dass fast alles mal "harmlos" anfing und im Chaos enden kann. Es geht nicht um den direkten Vergleich mit den schrecklichsten Auswirkungen des dritten Reiches sondern darum, wohin Intoleranz und verblendete Ideologien wie Rassismus führen können. Bezogen auf das angegebene Ereignis wollen wir nicht mehr, dass Schwule verfolgt, eingesperrt, mit einem rosa Winkel auf ihre Kleidung gekennzeichnet und bei Bedarf ermordet werden.

21.03.2012
13:30
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von lightmyfire | #13

Der größte Chor der Bundesliga wurde durch diese kleine Gruppe klein gemacht, weil es auf das Ansehen des BVB zurückfällt. In der Praxis reicht vergleichbar ein schiefer Ton, um ein Konzert in Misskredit zu bringen.

Die "Herzensangelegenheit" des DFB, Theo Zwanziger, dass sich schwule Fußballer outen sollten käme für diese Fußballer wie ein Berufsverbot gleich.

21.03.2012
10:22
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von marwang | #12

so ein artikel in der bvb zeitung alle achtung

20.03.2012
11:39
@braunmueller | #10
von vaikl2 | #11

Es kann überhaupt nicht öffentlich genug gemacht werden, welche "Meinungen" - z.B. auch Ihr Gebrauch des Unworts "gut-menschlich" - hier seit Jahrzehnten in die kleinbürgerliche Dorfkirche eingeschlossen wurden, um bloß kein Aufsehen zu erregen.

Aber Ihre Kommentare tragen gottseidank ja auch zur Verbreitung bei;-)

20.03.2012
11:22
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von braunmueller | #10

Ja ja ... "eine ganz kleine Gruppe gewissenloser und verantwortungsloser "Fans" haben hier mit "Hass Botschaften" die "Grenzen" der "politischen Korrektheit" überschritten und ungefragt sozial unerwünschte Antworten gegeben und dabei den BVB "verraten" - und die werden nun unbarmherzig verfolgt werden und ausgeschlossen werden ..." (abgewandeltes Zitat eines gewissen Adolf H. vom 20.Juli 1944)

Hallo - könnte man mal die Kirche im Dorf lassen? Der Kolateralschaden der gut-menschlichen Erregung (nicht sexuell gemeint !) ist doch mittlerweile um Dimensionen grösser als der diese Plakataktion. Aber - vielleicht haben das die "Plakateure" ja beabsichtigt ?

20.03.2012
06:15
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von dennisbartel | #9

Dieser Verein scheint eine gewisse Sorte Mensch anzuziehen. Und somit heisst es wieder wie 83:
SS, SA, Borussia (Originalzitat, Borussenfront)

20.03.2012
04:57
Tragt es mit rheinischem Humor
von nullacht | #8

Wieso regt Ihr Euch so auf?
Tragt es mit rheinischem Humor ... aber so etwas gibts im Ruhrgebiet wohl nicht.
Erst weil die Zeitung es so aufbauscht wird dies Thema bekannt.
Außerhalb Dortmunds interessiert die Sache gewiss niemanden.
Einen Erich Fried zitieren, lieber #6 narit, naja, was solls.
Hat der auch Fußball gespielt?
Oder wollen Sie damit eine tolle polit-eratische Bildung zeigen?

20.03.2012
01:29
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von vaikl2 | #7

Kann es sein, dass die seit den Achtzigern von der "Faninitiative" Jahr für Jahr gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, man hätte den Rechtsradikalismus und die Neonazis aus dem Stadion verbannt, nichts weiter als hohles Pfeifen im Walde zur Rechtfertigung der eigenen, von vornherein aussichtslosen "Arbeit" war?

19.03.2012
23:34
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von narit | #6

"Es ist zwar diskutabel, ob es sinnvoll ist, den auf diesem Wege transportierten Inhalten hier noch einmal eine Bühne zu bieten, aber man kann sie unter keinen Umständen unkommentiert lassen. Und wenn man darüber redet, muss man wissen, über was man redet."

Was keiner geglaubt haben wird
was keiner gewußt haben konnte
was keiner geahnt haben durfte
das wird dann wieder
das gewesen sein
was keiner gewollt haben wollte

Erich Fried

Niemals nie wieder darf es sein, dass hier eine vermeintliche Toleranz geübt wird, wo Ächtung der einzige Weg ist!

19.03.2012
19:51
Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von Hanno2 | #5

Was müssen diese armen Jungs für Alpträume haben...

Mit solchen Plakaten werden sie freilich auch für den BVB zum Alptraum. Man darf gespannt sein, was der gegen diesen Kindergarten unternimmt.

4 Antworten
Kindergarten?
von Eigenart | #5-1

Ich halte das für eine unzulässige Verharmlosung. Das sind menschenverachtende und faschistoide Äußerungen, um die es hier geht. Was passiert, wenn man so ein Pack nicht ernst nimmt, hat man hierzulande schon 1933 gesehen.

Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von Sulzmann | #5-2

Wenn Sie die Plakate mit der Vernichtung von 6 Millionen Juden und 80 Millionen Kriegstoten gleichsetzen, verharmlosen Sie u.a. den Holocaust. Ich finde so etwas unerträglich.

Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von Eigenart | #5-3

Da wollten Sie aber etwas missverstehen, oder? Diese Gleichsetzung habe ich nicht gemacht und nicht gewollt. Aber auch die Nazis haben nicht mit dem Holocaust angefangen, davor gab es viele menschenverachtende Äußerungen und Aktionen (ja, auch Plakate!!!) gegen Juden, Kommunisten, Schwule und andere. Ich wehre mich gegen von Verharmlosung von Diskriminierung.

Kleine Gruppe missbraucht die Südtribüne für Hass-Botschaften
von Hanno2 | #5-4

Ich seh das letztlich auch nicht als so harmlos an. Aber Rechtsradikalismus kann ich in diesen Homophobenäußerungen noch nicht sehen.
Das ist aber vielleicht auch ihr Hintersinn! Ich kenne diese Leute nicht, aber möglicherweise wollten Rechtsradikale erstmal ausloten, was passiert, wenn Sie so beginnen.
Genau deshalb müssen Verein und Fans handeln. Von der Dortmunder Südtribüne wurden Rechtsradikale ja schon mal weggebissen.

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