Kandziora vor Wiedersehen mit dem BVB

Marcel Kandziora war in der vorigen Saison noch für die zweite Mannschaft des BVB am Ball. Foto: Imago
Marcel Kandziora war in der vorigen Saison noch für die zweite Mannschaft des BVB am Ball. Foto: Imago
Für ihn ist es ein Traumlos - und ein Höhepunkt seiner jungen Fußballer-Karriere: Am Samstag spielt Marcel Kandziora mit dem SV Sandhausen in der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde gegen Borussia Dortmund - jenen Verein, den er erst im Sommer verlassen hatte.

Sandhausen. Sechs Wochen ist es her, dass der 21-jährige Linksverteidiger mit dem Wechsel zu Drittligist Sandhausen seinen Lebensmittelpunkt in die knapp 15.000 Einwohner zählende Gemeinde in der Kurpfalz verlegt hat. Und: „Bislang klappt alles genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte.“ Schnell fasste er Fuß in seiner neuen Umgebung, fand nach kurzer Zeit eine Wohnung in Heidelberg, nur acht Kilometer vom Hardtwaldstadion entfernt, das beim Gastspiel des Deutschen Meisters mit Sicherheit ausverkauft sein dürfte - auch wenn, wie Kandziora zu berichten weiß, momentan noch ein paar hundert Tickets zu haben seien: „Die Euphorie im Umfeld ist deutlich spürbar. Aber wir als Mannschaft lassen uns davon nicht anstecken.“

Auch auf dem Platz lief es rund, der Linksfuß war in allen Testspielen dabei und eroberte sich während der Vorbereitung den erhofften Stammplatz. Gelungen auch die Premiere in der Meisterschaft, das 2:0 letzten Samstag daheim gegen den VfR Aalen. „Wir haben verdient gewonnen und das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, berichtet Kandziora. Was heißt: „Aus einer starken Defensive heraus das Spiel gestaltet und vor allem die Qualitäten bei Standards ausgespielt.“ So fielen beide Tore nach ruhenden Bällen. Und er selbst? „Ich bin zufrieden für das erste Punktspiel beim neuen Verein. Ich habe viele Zweikämpfe gewonnen und solide gespielt.“

Beim Drittliga-Start war es allen gelungen, das bevorstehende Topspiel aus den Köpfen zu verdrängen und den Fokus allein auf diese erste Partie zu richten. Denn Kandziora weiß: „So ein Pokalduell gegen den BVB ist natürlich ein Highlight, aber Priorität besitzt bei uns ganz eindeutig die Meisterschaft. Da wollen wir eine gute Rolle spielen.“

Offenbach ist Tabu-Thema

Dennoch träumen sie von der Sensation - auch wenn sie sich mit dieser Möglichkeit bislang noch nicht wirklich beschäftigt haben. „Klar wissen wir, was damals in Offenbach passiert ist“, erinnert Marcel Kandziora an das Pokal-Aus des späteren Deutschen Meisters bei Sandhausens Drittliga-Konkurrenten Kickers Offenbach Ende Oktober vergangenen Jahres. „Aber“, so ergänzt er, „richtig drüber reden tun wir nicht. Wir können unsere Situation durchaus realistisch einschätzen.“ Natürlich sehen sie sich in der Rolle des krassen Außenseiters. Doch sie wollen alles tun, zumindest für ein achtbares Ergebnis. Kandziora: „Wir gehen nicht mit der Meinung ins Spiel, wir verlieren sowieso.“

Für ihn, der bis zum Sommer mit Tim Treude eine WG in der Dortmunder City bildete und weiterhin regen Kontakt mit den alten Kollegen pflegt, ist es mehr als für jeden anderen ein besonderes Spiel. „Ich werde aber versuchen, die Vorgeschichte auszublenden und mich ganz auf meine Leistung zu konzentrieren.“

Er will zeigen, was er in sieben Jahren beim BVB gelernt hat, beweisen, dass er sich auch zumindest in der 3. Liga durchzusetzen vermag. Unabhängig davon, was am Ende herauskommt, am Samstag bei Sandhausens Pokalspiel des Jahres.

 
 

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