Julian Weigl ist der Gewinner der BVB-Vorbereitung

Gewinner der BVB-Vorbereitung: Julian Weigl.
Gewinner der BVB-Vorbereitung: Julian Weigl.
Foto: imago
Nicht Sven Bender, nicht Gonzalo Castro: Julian Weigl durfte sich gegen Wolfsberg erneut im BVB-Zentrum versuchen - und bekam Lob seines Trainers.

Dortmund.. Julian Weigl trug noch die Schuhe mit dem Emblem seines früheren Arbeitgebers 1860 München, als er nach dem 5:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen den Wolfsberger AC den Platz verließ. Mit Aberglaube habe das aber nichts zu tun, versicherte der BVB-Neuzugang: "Es ist ein neues Modell rausgekommen, das muss ich noch einspielen", sagte er. "Im Training trage ich es schon und es wird bald sein erstes Spiel bekommen."

Als der 19-jährige Mittelfeldspieler im Sommer für 2,5 Millionen Euro Ablöse nach Dortmund wechselte, rechneten wohl die meisten damit, dass er genug Zeit haben würde, die neuen Schuhe im Training in aller Ruhe einzuspielen - angesichts der großen Konkurrenz im Zentrum schien Weigl eher ein Mann für die mittelfristige Zukunft.

BVB-Einkauf Gonzalo Castro kommt derzeitig nicht zum Zug

Doch schon im BVB-Trainingslager in Bad Ragaz deutete sich an, dass es anders laufen könnte: Mit Nuri Sahin fehlte ein hochkarätiger Konkurrent verletzt und der ebenfalls neu gekommene Trainer Thomas Tuchel zeigte sich auffällig angetan von den Qualitäten Weigls. Dass er nun wie schon im Hinspiel gegen den Wolfsberger AC (1:0) von Beginn an auf dem Platz stand, kam so nicht mehr wirklich überraschend: Dank seiner größeren Fertigkeiten im Umgang mit dem Ball, seiner Passsicherheit und seiner Ruhe im Spielaufbau scheint er Sven Bender vorerst den Rang abgelaufen zu haben - auch 12-Millionen-Einkauf Gonzalo Castro kommt derzeit nicht zum Zug.

Es ist ein steiler Aufstieg für einen Spieler, der schnelle Auf- und Abstiege eigentlich gewohnt ist: Der damalige Trainer Ricardo Moniz machte ihn zu Beginn der vorherigen Saison mit 18 Jahren zum jüngsten Kapitän der Löwen-Geschichte. Nach zwei Spieltagen allerdings war er die Binde schon wieder los: Mit einigen Mannschaftskameraden gönnte er sich einen feucht-fröhlichen Abend, im Taxi fielen einige abfällige Bemerkungen über den eigenen Verein. Weigls Pech: Der Taxifahrer war glühender Löwen-Fan und verpetzte die Nachtschwärmer.

Doch der inzwischen 19-Jährige scheint seine Lektion gelernt zu haben, in Dortmund tritt er auf dem Feld zwar mit großem Selbstbewusstsein, nach Abpfiff aber sehr demütig auf: "Ich bin hierher gekommen und wollte einfach schauen, wie schnell ich mich an das Tempo gewöhnen kann, wollte lernen von den Spielern, die hier sind mit Riesenqualität", sagt er. "Ich genieße jede Minute, die ich auf dem Patz bekomme."

Zum Auftakt kommt Mönchengladbach nach Dortmund

Und wenn man seinen Trainer reden hört, dürften noch viele Minuten hinzukommen: "Man sieht jeden Tag, dass es vorwärts geht, dass er wahnsinnige Lust drauf hat", lobt Tuchel. "Man hat schon gemerkt, dass es für ihn etwas Besonderes war, vor so vielen Leuten zu spielen. Aber er hat sich frei gespielt und das gut gemacht." Derzeit vertraut der Coach seinem Talent - die Frage ist, ob dies auch der Fall ist, wenn der Gegner kein österreichischer Provinzklub ist, sondern, wie zum Saisonauftakt Borussia Mönchengladbach, allerhöchstes Bundesliga-Niveau verkörpert.

Immerhin: Die neuen Schuhe dürften bis dahin eingespielt sein.

 
 

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