Holt der BVB Rudy und Gündogan?

Thorsten Schabelon
Ilkay Gündogan
Ilkay Gündogan
Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund will in der kommenden Saison den Etat nur moderat erhöhen. Der Hoffenheimer Sebastian Rudy und Ilkay Gündogan vom 1. FC Nürnberg sind als Verstärkungen im Gespräch.

Dortmund. Die Namens-Fantasie in der Transfer-Lotterie kennt keine Grenzen – zumindest, wenn es um Titel-Favorit Borussia Dortmund geht. Der BVB soll Interesse an Nicklas Bendtner (Arsenal), Marcell Jansen (HSV), Gökhan Inler (Udinese) und Ivan Perisic (Brügge) haben. Alle sind Nationalspieler, alle würden eine hohe einstellige oder niedrige zweistellige Millionen-Summe kosten.

Und alle entlocken Michael Zorc einen Einheits-Kommentar: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“ Der Sportdirektor schmunzelt, wenn er hört und liest, wen sein BVB gerade wo beobachten soll. Auf dem Markt ist bekannt: Der BVB würde durch die Qualifikation für die Champions League einen zweistelligen Millionenbetrag einnehmen. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke rechnet im Idealfall mit „Mehreinnahmen von 25 Millionen Euro“. Geld, das in Transfers fließen könnte. Finanzielle Möglichkeiten, die aus Spielern mit Potenzial schnell Superstars mit Millionen-Ablösen macht.

Etat über 40 Millionen

Aber gilt beim BVB überhaupt „DSDS“ – Dortmund sucht den Superstar? Michael Zorc sondiert unaufgeregt den Markt und verlängerte dabei nach und nach die Verträge mit den Leistungsträgern. „Wir werden, wie bisher, nur kalkulierbare Risiken eingehen und alle Entscheidungen in Ruhe abwägen“, bremst der Sportdirektor. Er hat aus den Jahren zu Beginn des Jahrtausends, als der schmale Pfad der kaufmännischen Tugend kilometerweit verlassen wurde, Erfahrungen mit Megatransfers – siehe Jan Koller, Tomas Rosicky und Marcio Amoroso.

Ein nur annähernd vergleichbarer Investitions-Wahn liegt dem BVB aber noch ferner als das Tabellenende. Dortmund sucht zwar, wie jeder Klub, den Superstar. Der muss aber weniger als ein Star kosten. Übertrieben geizig sind die Borussen dabei keineswegs, wie sie bei den Fünf-Millionen-Transfers von Mats Hummels oder Lucas Barrios bewiesen haben. „Wir werden wirtschaftlich nicht in die Vollen gehen. Wir haben im Kader eine sehr hohe individuelle Qualität, ohne am Limit zu sein“, sagt Hans-Joachim Watzke.

Die Dortmunder planen nach Informationen dieser Zeitung, die greifbaren Mehreinnahmen vergleichsweise konservativ zu investieren. Eine Umsatzsteigerung um etwa 35 Prozent auf 135 Millionen Euro steht im Raum. Geld fließt in die Infrastruktur: Stadionumbau, neue Anzeigetafeln und den Ausbau des Trainingszentrums. Dazu sollen weiter Schulden abgebaut werden, damit sich der BVB künftig nur noch um die Stadionfinanzierung kümmern muss. Eine Rücklage soll als Versicherung dienen, falls die Borussia in der Winterpause 2011/2012 auf dem Transfermarkt tätig werden muss.

Für die neue Saison wird der Etat moderat erhöht und erstmals wieder über die Grenze von 40-Millionen-Euro klettern. Der Profikader soll die dann gestiegene Erwartungshaltung in Meisterschaft, Pokal und Königsklasse erfüllen können. „Eine Feinjustierung ist möglich, aber nicht nötig“, erklärt Watzke. Der BVB sucht einen jungen, günstigen Linksverteidiger. Und einen flexiblen Mittelfeldspieler, der ein paar Millionen Euro kosten darf. Sebastian Rudy (Hoffenheim) und Ilkay Gündogan (Nürnberg) sollen die Kandidaten sein – beides übrigens keine Nationalspieler. Noch nicht.