Großkreutz lobt Ultras und schimpft über nölende BVB-Fans

Auf dem Weg zu den BVB-Fans: Kevin Großkreutz (v.l.), Sokratis, Trainer Jürgen Klopp, Milos Jojic und Lukasz Piszczek.
Auf dem Weg zu den BVB-Fans: Kevin Großkreutz (v.l.), Sokratis, Trainer Jürgen Klopp, Milos Jojic und Lukasz Piszczek.
Foto: Patrik Stollarz / afp
Obwohl Borussia Dortmund nach der 1:2-Niederlage gegen Zenit im Champions-League-Viertelfinale steht, war die Stimmung beim BVB alles andere als ausgelassen. Während des Spiels war es auf den Rängen unruhig, im Anschluss kritisierten die Spieler einen Teil der Zuschauer mit deutlichen Worten.

Dortmund. Kevin Großkreutz ist nicht eben als Meister der Diplomatie bekannt. Und so fand der Mittelfeldrenner von Borussia Dortmund auch nach der 1:2-Niederlage im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Zenit St. Petersburg deutliche Worte: "Wer mit dem Erfolg nicht umgehen kann, der ist falsch bei Borussia Dortmund."

Ein mehr als deutlicher Satz, gerichtet an die eigenen Fans - oder zumindest Teile davon. "Wenn ich das von den Sitzplätzen höre, immer dieses Gestöhne, wenn man einen Fehlpass spielt oder bei Ballverlusten, das geht gar nicht", schimpfte Großkreutz. "Das war gegen Gladbach schon so. Wir haben viele Verletzte und wir stehen im Viertelfinale der Champions League und manche stöhnen, das ist unglaublich."

Doch nicht nur der Ur-Dortmunder, der das Herz oft auf der Zunge trägt, ärgerte sich über die nervöse Stimmung im Stadion. "Ich fand es komisch, wenn man mal einen Pass zurück spielt oder quer spielt, dann immer wieder dieses Raunen zu hören", sagte etwa Kapitän Sebastian Kehl. "Ein Heimspiel sollte immer noch ein positives Erlebnis sein und man sollte nicht das Gefühl haben, dass man heute ein Verbrechen begangen hat."

Sahin redet sich in Rage

Es hatte fast den Anschein einer konzertierten Aktion, wie da ein BVB-Profi nach dem anderen erst vor den Fernsehkameras und danach vor den schreibenden Journalisten das Publikum kritisierten. Offenbar hatte sich da etwas angestaut, was sich nun Bahn brach.

Mittelfeldstratege Nuri Sahin redete sich richtiggehend in Rage: "Wir sind Gruppensieger in einer Todesgruppe geworden, spielen gegen Zenit St. Petersburg, die zwei Spieler haben, die allein schon 90 Millionen gekostet haben", schimpfte er. "Wir sind im DFB-Pokal-Halbfinale, wir sind Zweiter in der Liga, obwohl die Saison nicht perfekt läuft. Wir haben mehrere Langzeitverletzte, wir können nicht so rotieren wie andere Vereine." Von den Fans erwarte man da mehr Verständnis und Unterstützung. "Fehlpässe gehören dazu, aber dieses Murren, dieses Stöhnen ist komisch, das war nicht immer so", sagte Sahin. "Natürlich kann das junge Spieler beeindrucken. Mich kann es auch beeindrucken, wenn du dreimal ein Stöhnen hörst bei einem Fifty-Fifty-Ball. Von oben sieht es einfach aus, aber auf dem Platz ist es nicht so einfach."

Die klaren Worte der BVB-Spieler hinterließen durchaus überraschte Gesichter bei den Beobachtern. Denn es war keineswegs so, dass die Spieler gellende Pfiffe oder Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten. Die Stimmung auf den Rängen war vielmehr ein Spiegelbild der Darbietung auf dem Rasen, nervös und unruhig, ein hektisches Brodeln. Offensichtlich sind die Zuschauer mehr von ihrer Mannschaft gewohnt - offensichtlich aber ist die Mannschaft auch mehr von ihren Zuschauern gewohnt, die das Team zuletzt auch bei Niederlagen wie beispielsweise dem 0:3 gegen den FC Bayern München bedingungslos gefeiert hatte.

Nun scheint sich erstmals ein kleiner Riss im Verhältnis aufzutun, der sich auch schon vor Anpfiff zeigte: Die Ultra-Gruppe Jubos hielt ein Plakat in die Höhe, auf dem zu lesen war: "Hockenjos Watzke und Co, lasst euch doch in Watte packen, wenn wir wollen, kriegen wir alles rein. Gegen Zensur." Eine deutliche Kritik an den BVB-Verantwortlichen und eine Reaktion darauf, dass die Spruchbänder dieses Mal angemeldet werden mussten, nachdem es im Bundesligaspiel gegen den 1. FC Nürnberg (3:0) Irritationen um ein Plakat gegeben hatte.

Großkreutz nimmt Ultras in Schutz

Gerade diese Ultras nahm BVB-Profi Großkreutz aber explizit in Schutz: "Man kann über die Ultras sagen, was man will, man kann schimpfen, aber die stehen hinter ihrer Mannschaft", meinte er und äußerte noch einen letzten Wunsch: "Wir können mit Kritik umgehen, wir können auch nach dem Spiel darüber reden, man kann auch nach dem Spiel pfeifen von mir aus, aber während des Spiels sollte man die Mannschaft unterstützen."

 
 

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