Gipfel der Harmonie zwischen BVB und FC Bayern

Thorsten Schabelon und Nils Hotze
BVB-Trainer Jürgen Klopp und Bayern-Coach Jupp Heynckes.
BVB-Trainer Jürgen Klopp und Bayern-Coach Jupp Heynckes.
Borussia Dortmund und der FC Bayern München begegnen sich sportlich wieder auf Augenhöhe. Die frühere Feindschaft ist dem Respekt gewichen. Am Samstag ab 18.30 Uhr ist dann aber Schluss mit Händeschütteln und Schulterklopfen.

Dortmund. Am späten Abend des 26. Februar 2011, einem Samstag, marschierte eine Reisegruppe ziemlich ausgelassen durch die Sicherheitskontrolle des Münchener Flughafens. Die jungen Männer, Fußballer von Borussia Dortmund, hatten gerade den FC Bayern München mit 3:1 in dessen eigenem Stadion vorgeführt und nach dem 24. Spieltag unglaubliche 16 Punkte Vorsprung auf den Rekordmeister. „Eigentlich bringen unsere Bayern die Schale ja immer mit. Aber heute könnt ihr sie mitnehmen“, bot ein Sicherheitsbeamter an. Und nicht nur BVB-Präsident Reinhard Rauball schmunzelte.

Am Samstag, knapp neun Monate später, tritt der BVB wieder bei den Bayern an (18.30 Uhr, live im DerWesten-Ticker). Und nachdem in den ersten Saisonwochen, als die Dortmunder durch die Bundesliga stolperten, noch geunkt worden war, sie könnten am 19. November die Schale nach München bringen und gleich dort lassen, treffen sich die Klubs jetzt zum Liga-Gipfel: Der Spitzenreiter empfängt den Tabellenzweiten.

Neun von zehn Meistertiteln zwischen 1994 und 2003

Duelle auf Augenhöhe zwischen dem BVB und den Bayern gab es ab Mitte der 1990erJahre reihenweise, auch mal im Viertelfinale der Champions League. Zwischen 1994 und 2003 holten der BVB und die Bayern neun von zehn Meistertiteln. Dortmund wollte nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich zum Riesen aus dem Süden aufschließen. Das Ende des Wettrüstens ist bekannt. Dem BVB fiel die Rolle der Sowjetunion im Kalten Krieg zu: Der Klub übernahm sich hoffnungslos und lag 2005 am Boden.

Ein halbes Jahrzehnt später ist der BVB auferstanden aus Ruinen. Und im Moment auch sportlich wieder mit den Bayern auf Augenhöhe. „Es ist ein Spitzenspiel. Aber zwischen beiden Klubs liegen Welten“, sagt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und erklärt: „Die Bayern haben einen exorbitanten Standortvorteil. Im Umkreis von 100 Kilometern gibt es keine Konkurrenz. Wir streiten uns in Nordrhein-Westfalen mit fünf Erstligisten um den Sponsorenkuchen. Die Bayern, die 200 Millionen Euro mehr Umsatz als der BVB machen, essen ihn alleine auf.“ BVB-Präsident Reinhard Rauball, gleichzeitig führender Funktionär der Liga, zollt dem Gegner höchsten Respekt: „Sie sind das Aushängeschild des deutschen Fußballs. Der FC Bayern verleiht der Bundesliga besonderen Glanz und strahlt in die Welt.“

Das Verhältnis zwischen beiden Klubs ist von Respekt geprägt. „Für Feindschaft ist kein Platz. Die Bayern beobachten genau, was in Dortmund geleistet wird“, hat Hans-Joachim Watzke bemerkt. „Wir wissen, dass man in München viel von unserer Mannschaft hält. Und wir halten viel von der Mannschaft des FC Bayern“, ergänzt Reinhard Rauball. Die Dortmunder Klubspitze erhält massive Unterstützung aus dem Süden. „Wir müssen den BVB auf Dauer ernst nehmen“, sagt der in Dortmund geborene Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger. Sein Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kann da nur beipflichten: „Beim BVB wird auf allen Ebenen gute Arbeit geleistet.“ Wertschätzung allüberall. Passend zum Gipfel der Harmonie treffen sich am Samstag die Vereinsführungen des Meisters und des „gefühlten Meisters“ (Watzke) zum persönlichen Austausch.

„Können sie schlagen“

Ab 18.30 Uhr ist dann aber Schluss mit Händeschütteln und Schulterklopfen. Bayern will späte Genugtuung für das 1:3 aus dem Februar und sich mit einem Sieg acht Punkte vom amtierenden Meister absetzen. „Sie sind der Topfavorit auf alles in der Liga. Es gibt keine Mannschaft auf der Welt, die nach München fährt und sagt: Die drei Punkte haben wir sicher“, sagt Jürgen Klopp. Borussias Trainer sagt aber auch: „Wir haben die taktischen Möglichkeiten, sie auf unser Niveau runterzuholen. Und wenn wir auf Augenhöhe sind, können wir sie auch schlagen.“ Zumindest an diesem einen Samstag wieder.