Frust nach der Niederlage von Hannover

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Dortmund. Nur sieben Punkte aus den ersten sechs Ligaspielen, beängstigende sieben Monate ohne einen einzigen Auswärtssieg – es bedarf wahrlich keiner allzugroßen Begabung im analytischen Bereich, um Borussia Dortmund derzeit eine kleine Krise einzureden.

Spätestens nach dem 1:2 bei Hannover 96 am vergangenen Wochenende und dem damit vierten Pflichtspiel in Folge ohne Sieg bringt es nichts mehr, die Augen vor der Wahrheit zu verschließen: Der goldene Glanz der beeindruckenden Meisterschaftssaison 2010/2011 bröckelt. Borussia durchschreitet zumindest vom Resultat her eine tiefe Talsohle und es überrascht wohl ernsthaft niemanden, dass die regionale und nationale Presse unserem BVB das graue Mittelmaß und einen fast schon absehbaren Absturz andichten.

Hoeneß genießt

Als Westfale möchte man sich gar nicht erst vorstellen, wie sehr Uli Hoeneß die Maß auf dem Oktoberfest in diesem Moment wohl schmecken muss. Die 49. Bundesliga-Saison: Sie fühlt sich für viele Dortmunder derzeit nach einem verspäteten Volksfest-Kater an.

Immerhin darf dadurch endlich mal die Frage erlaubt sein, ob nicht genau darin auch eine Chance liegt, die Dinge mal wieder unverblümt und realistisch zu betrachten? Nicht für Uli Hoeneß, das ist naturgemäß klar, aber für uns. Denn fast ein wenig unglaubwürdig hat sich bei mir das Gefühl gefestigt, dass alle Welt (außer Uli Hoeneß) denkt, Borussia Dortmund hätte in der vergangenen Saison ununterbrochen das Blaue vom Himmel gespielt.

Spiele, wie einst in Köln (8. Spieltag, 2:1 in letzter Minute) oder gegen Hoffenheim (9. Spieltag, 1:1 in der Nachspielzeit) finden in vielen Erinnerungen auf Grund des weltweiten Schulterklopfens für unsere junge Mannschaft gar nicht mehr statt. Dass man selbst in Hannover (11.Spieltag, 4:0) stolze 72 Spielminuten auf das Tor der Niedersachsen zurannte, um eine Entscheidung zu erzwingen, wird in der Nachbetrachtung dieser großartigen letzten Saison leider viel zu oft vergessen. Ohne diesen Erfolg der Mannschaft und des Kollektivs schmälern oder gar in Frage stellen zu wollen – aber viele Spiele wurden in der vergangenen Saison durch überwältigende Einzelaktionen gelöst. Genau diese fehlen zur Zeit an allen Ecken und Enden, denn spielerisch, das haben die Partien in Leverkusen und in Hannover und allen voran in der Champions-League gegen Arsenal London gezeigt, verkauft sich der BVB wahrlich nicht unter Wert. Es fehlte oftmals nur eine Initialzündung, ein frühes Tor, ein wenig Glück und – so viel Kritik muss erlaubt sein – auch ein Stück weit Dominanz und Selbstvertrauen, um das nötige Tor zu erzwingen oder das entscheidende Gegentor zu verhindern.

Schulterklopfen bleibt aus

In unserer aktuellen Situation, in der das Schulterklopfen einfach mal ausbleibt, sehe ich einen gewissen Charme darin, sich den Erfolg wieder neu zu erarbeiten. Denn welch großartiger Luxus ist es, um die Qualitäten dieser Mannschaft Bescheid zu wissen?

Wenn wir von den Bayern und Uli Hoeneß eins lernen können, dann das Wissen, wie man traditionelle Bräuche kunstvoll inszeniert und lebt. Das gilt für das Oktoberfest auf der Theresienwiese und das gilt genau so für Ihren Fußballverein, der selbst in jeder Ergebnis-Krise keinen Zweifel daran lässt, die unangefochtene Nummer 1 zu sein.

Ich würde mir wünschen, dass man in Dortmund nicht den Weg geht, die eigene Qualität und die der Spieler in Frage zu stellen, sondern daran glaubt, gemeinsam wieder in die Erfolgsspur zurückkehren zu können. Denn der Glanz ist nicht ab. Er leuchtet grad nur nicht so hell.

(19.09.11 – Christoff Strukamp – die-kirsche.com)