Ein Ende mit Fortuna für Borussia Dortmund

Frank Lamers
Borussia Dortmund machte in Düsseldorf den Einzug ins Viertelfinale des Pokals perfekt und feiert „ein großartiges Jahr“. Der Cup-Kampf gegen Fortuna wird in Erinnerung bleiben. Wegen seiner erregenden Dramaturgie, vor allem aber wegen seiner kleinen und größeren Geschichten.

Düsseldorf. Der glücklichste Dortmunder war im Stadion von Fortuna Düsseldorf leicht auszumachen. Es war der einzige, der so aussah, als hätte er gerade einen Zusammenprall mit einem Trekker mit minderschweren Verletzungen überstanden. Irgendwie noch immer durchgerüttelt, irgendwie aber auch erfüllt von der Gnade des Schicksals erklärte Patrick Owomoyela zu schon nächtlicher Stunde mit gesenktem Kopf: „Ich bin tierisch stolz auf diese Mannschaft.“ Diese Mannschaft, dieses Häuflein noch aufrechter Borussen, hatte nämlich nicht nur mit einem 5:4 im Elfmeterschießen beim Zweitliga-Herbstmeister den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals vollbracht. Sie hatte auch die Wiederbelebungsmaßnahmen nach dem Trekkerunglück erfolgreich gestaltet.

BVB ging „auf dem Zahnfleisch“

Der Cup-Kampf von Düsseldorf wird in Erinnerung bleiben. Wegen seiner erregenden Dramaturgie. Vor allem aber wegen seiner kleinen und größeren Geschichten. Ohne die verletzten Stammkräfte Felipe Santana, Neven Subotic, Marcel Schmelzer, Moritz Leitner, Sven Bender und Mario Götze musste der BVB in Düsseldorf antreten. Auf dem Aufstellungsbogen hatte Trainer Jürgen Klopp noch den Namen Shinji Kagawa notiert. Doch der Japaner meldete sich kurzfristig krank. Magen-Probleme. Der amtierende Deutsche Meister und aktuelle Tabellenzweite der Bundesliga ging also „auf dem Zahnfleisch“ (Klopp) in die Partie. Und als Owomoyela dem ersten dummen Foulspiel ein zweites dummes Foulspiel folgen ließ und von Schiedsrichter Manuel Gräfe korrekt mit Gelb-Rot bestraft wurde, hieß es auch noch: 10 gegen 11.

Was zu diesem Zeitpunkt, in der 35. Minute, niemand wissen konnte: Die Begegnung wird nach einem 0:0 nach 90 Minuten eine Verlängerung einfordern. Sie wird für Borussen-Kapitän Sebastian Kehl ein „geiler Fight“ sein. Sie wird Torhüter Roman Weidenfeller das Gefühl vermitteln, „eine Woche lang mit zehn Mann“ im rasanten Rhythmus verteidigt und attackiert zu haben. Dass Düsseldorf den auch mit Akteuren aus der zweiten Reihe individuell überlegenen Dortmundern neben Leidenschaft vor allem taktische Disziplin, konzentrierte Verteidigungsarbeit entgegen setzte, erklärte Fortuna-Trainer Norbert Meier nach Abpfiff zur Notwendigkeit: „Wir konnten und durften unsere Ordnung nicht aufgeben.“

Fortuna wirkte kühler

So wirkte der Zweitligist trotz all seiner Torchancen, deren Vollendung der überragende Weidenfeller verhinderte, kühler als die personell ausgezehrte, durcheinander gewürfelte Borussia. Als Owomoyela davonschleichen musste, beorderte Klopp Linksaußen Kevin Großkreutz erst auf die Position des rechten Verteidigers. In Halbzeit zwei rückte Großkreutz dann in die Defensivzentrale neben Mats Hummels. Der seriöse Anführer, erstaunliche Stilist und sachliche Abräumer adelte den flexiblen Kollegen später: „Ich wusste gar nicht, dass der Kevin einen so guten Innenverteidiger spielen kann.“

Hummels war es auch, der Augen hatte für einen weiteren Kollegen, der mit seiner inspirierenden Geschichte die pralle Geschichtensammlung in Düsseldorf bereichert hatte. Elfmeterschießen. Zweimal lässt Gräfe wiederholen. Die Stimmung in der Arena bewegt sich auf erstklassigem Niveau. Beim Stand von 3:3 pariert Weidenfeller einen Ball von Thomas Bröker. Als Ivan Perisic für den BVB zum finalen 5:4 trifft, bildet sich am Spielfeldrand eine Jubeltraube, die auch weltmeisterlichen Festivitäten als Vorbild dienen könnte. Florian Kringe aber war außen vor. Er trabte langsam heran. Und Hummels sah ihn, den früher unentbehrlichen Borussen, der in der 80. Minute zum Einsatz kam, der zuletzt am 16. Mai 2009 eine Pflichtpartie absolviert hatte. Herzlichste Umarmung.

Owomoyela „tierisch dankbar“

Hummels verkündete später: „Diese Begegnung war das beste Beispiel dafür, dass es richtig wichtig ist, viele Spieler zu haben.“ Und auch einen Auszug aus einer möglichen Neujahrsansprache veröffentlichte er: „Trotz des Champions-League-Aus war es für uns ein fast perfektes, ein großartiges Jahr.“ Dafür, dass der Start ins neue Jahr, ins Jahr 2012, gelingt, will Patrick Owomoyela sorgen. „Tierisch dankbar“, sagte er, sei er der Mannschaft dafür, dass sie die Partie trotz seiner „Dummheit“ gewonnen hätte. Und diese Dankbarkeit, die wolle er allen zeigen. Vorher allerdings beschert erst noch der Weihnachtsmann.