Distanzierte Meisterparty zwischen BVB und Fans

David Nienhaus
Die Fans auf dem Rasen, die Mannschaft weit, weit weg. Das Bild der Meisterfeier am Samstag im Dortmunder Stadion.
Die Fans auf dem Rasen, die Mannschaft weit, weit weg. Das Bild der Meisterfeier am Samstag im Dortmunder Stadion.
Foto: imago
In Dortmund brachen alle Dämme. Zum einen der Damm der 81 Punkte, zum anderen der Damm bestehend aus über 20.000 Fans, die von der Südtribüne auf den Rasen stürmten. Die offizielle Bitte, auf den Rängen zu bleiben, wurde ignoriert, deshalb verzichteten die Meisterspieler auf ihre Ehrenrunde.

Dortmund. Die Fans feierten den Titel auf dem Platz, die Mannschaft mit allen Verantwortlichen des alten und neuen Deutschen Meisters jubelte mit der Schale auf der Westtribüne. Wie eine gemeinsame Party sah das nicht aus – vor allem wegen der räumlichen Trennung. „Das haben sich die Fans selbst zuzuschreiben“, fand Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach den Feierlichkeiten im Stadion deutliche Worte. Denn eigentlich hatte die Borussia das Fest anders geplant. „Wir wollten eigentlich mit den Fans gemeinsam vor der Südtribüne feiern, ein paar Fotos machen und ihnen die Schale präsentieren“, erzählt BVB-Kapitän Sebastian Kehl, der das Szenario nach dem Abpfiff „schade und ärgerlich“ fand.

Die BVB-Fans stürmen den Rasen

Ganze zwölf Minuten hielt lebende Absperrung aus grell gekleideten Ordnern vor der „gelben Wand“ stand. Dann kletterten Anhänger, die hauptsächlich komplett schwarze Monturen trugen, über die Zäune, bis der Druck zwischen Südtribüne und Ordnerkette zu groß wurde und die Menschenmasse den Rasen stürmte.

Ein Stück Rasen, gemeinsames Feiern mit den gut aufgelegten Freiburg-Fans, das Erinnerungsfoto auf dem Elfmeterpunkt oder gar die Querlatte des Tors waren die Ziele der Dortmunder Fans. Die Mannschaft, die den Titel mit der Rekordzahl von 81 Punkten verteidigte, guckte sich diese Party-Bilder von der VIP-Tribüne an.

„Schade, dass wir nicht mehr die Ehrenrunde laufen durften“, sagte Roman Weidenfeller, Torwart der Borussen, der im vergangenen Jahr die Schale gar nicht mehr aus der Hand geben wollte. „Das ist Emotion pur“, verteidigte Kevin Großkreutz die Fans. Und er muss es ja wissen. Der gebürtige Dortmunder stand lange genug selbst im Pulk der schwarzgelben Anhänger. „Das ist einfach Liebe“, erklärte Großkreutz.

Der BVB "hätte gerne mit den Fans gefeiert"

Liebend gerne hätte Patrick Owomoyela den Tag anders genossen – nicht nur, dass der ehemalige Nationalspieler auf Krücken den 34. und letzten Spieltag begehen musste, auch die Situation nach der Partie war für den Defensivmann nicht optimal. „Vor allem, die Spieler, die den Verein verlassen, hätten gerne noch mal mit den Fans und der Schale gefeiert“, sagte Owomoyela, dessen Zukunft in Dortmund noch nicht geklärt ist, „das fehlt. Sehr.“ Aber er könne die Anhänger, „die durchgeknallten Superjungs auf der Südtribüne irgendwo auch verstehen.“ Die Fans wollen nah dabei sein und sich vielleicht ein Stück Rasen oder Tornetz mitnehmen, das sei „verständlich“ – aber sie hätten „vielleicht noch einen Augenblick warten können.“

Das sieht auch Kapitän Kehl so: „Sie hätten sich einfach noch 15 Minuten gedulden müssen“, denn die BVB-Spieler wollten sich eigentlich noch „gebührend von den Fans verabschieden.“ Das sei leider nicht möglich gewesen, so Kehl, der die Pfiffe der Fans raushörte, die enttäuscht über diese Situation waren. „Das Thema hatte sich damit erledigt“, so Kehl, die Gefahr sei einfach zu groß gewesen.

So groß letztlich, wie die räumliche Distanz zwischen Mannschaft uns Fans an diesem Spieltag. „Am 13. Mai wollen wir die Meisterschaft noch toppen“, erklärt Weidenfeller, „und vielleicht bringen wir dann noch eine weitere Trophäe mit nach Hause“ - vielleicht gibt es dann die Ehrenrunde. Nah bei den Fans.