BVB-Boss Watzke stichelt gegen Premier League - und RB Leipzig

Elmar Redemann
BVB-Geschäftsführer Watzke am Montagabend in Brilon.
BVB-Geschäftsführer Watzke am Montagabend in Brilon.
Foto: Ralf Rottmann
  • Bei einer Podiumsdiskussion in Brilon diskutierten Watzke und Peters
  • Die Verantwortlichen schauen in eine gute Zukunft für die Bundesliga
  • Watzke stichelt gegen Premier-League-Klubs und RB Leibzig

Brilon.  Für Peter Peters klang es wie eine Drohung.

„Jetzt wird’s gefährlich“, scherzte der Vorstand des Gelsenkirchener Fußball-Bundesligisten, als Hans-Joachim Watzke am Montagabend ankündigte, „etwas ganz Nettes“ über Schalke 04 zu sagen.

BVB-Boss lobt Erzrivalen

Das tat der Geschäftsführer von Borussia Dortmund im Rahmen des Hochsauerlandgespräches der Friedrich-Ebert-Stiftung dann auch.

„Wenn du auf Schalke bist“, hob Watzke an, „dann merkst du, dass die Menschen unheimlich stolz sind, weil sie ein Teil des Ganzen sind. Das ist dort besonders spürbar.“

Watzke hält 50+1-Regelung weiterhin für richtig

Zwei Tage nach dem vieldiskutierten Revierderby reichten sich die Rivalen in Brilon die Hand.

Tatsächlich, aber auch bildlich, denn mit dieser Bemerkung bei einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Mehr als ein 1:0 – die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs“, unterstrich Watzke, dass er die 50+1-Regelung im deutschen Profifußball weiterhin für richtig hält.

Keine Angst vor England

Diese verhindert, dass Investoren die Entscheidungsmehrheit bei den Klubs übernehmen. „Ich wehre mich dagegen, dass Leute die mit dem Fußball Geld verdienen wollen, so tun, als wenn mit 50+1 kein Erfolg möglich wäre“, sagte Watzke.

„Real Madrid, der FC Barcelona und Bayern München erfüllen die 50+1-Regelung zu 100 Prozent. Und das sind die erfolgreichsten Vereine der Welt.“

Peters macht sich für Vereinswesen stark

Von einer bevorstehenden Abschaffung des oft in Frage gestellten Grundsatzes will Peters, Vizepräsident der Deutschen Fußballliga, nichts wissen.

„Bisher hat keiner der 36 Vereine bei der DFL einen Antrag gestellt, die 50+1-Regelung zu kippen“, berichtete der Funktionär und machte sich stattdessen für das Vereinswesen stark.

„Mir graut vor dem Tag, wenn in Gremien nicht mehr Vertreter des Fußballs zusammensitzen, sondern Anwälte.“

Watzke stichelt gegen Premier League

Dass der deutsche Fußball demnächst von der englischen Premier League abgehängt zu werden droht, können zumindest die beiden Ruhrgebietsklubs nicht erkennen.

Scharfzüngig meinte Watzke: „Trotz der unglaublichen Kohle haben die Engländer nur eine Mannschaft im Viertelfinale der Champions League – und das ist Leicester City. Keine Mannschaft, der man unbedingt zutraut, dass sie den Titel gewinnen kann.“

Schwelender Konflikt der Lager

Die enormen TV-Gelder, die auf der Insel fließen, sind aus Sicht des Sauerländers sogar eher Fluch als Segen.

„Seit 50 Jahren hat die englische Nationalmannschaft keinen Titel mehr gewonnen und ich bin mir sicher, dass wir auch noch den 75. Jahrestag feiern werden. Denn das ganze Geld geht auch zu Lasten der Kreativität“, ist Watzke überzeugt.

Einfallsreichtum ist aber auch auf anderen Feldern gefragt.

Parallelansetzungen schädlich für Amateurvereine

Ein großes Thema vor rund 200 Zuhörern in der Briloner Sparkasse war auch der schwelende Konflikt zwischen Profi- und Amateurfußball.

Während Vertreter der Basis anderswo auf die Barrikaden gehen, bemühte sich Jürgen Hillebrand jedoch um moderate Töne.

„Es ist grundsätzlich nicht förderlich, wenn die Klassiker in der Bundesliga parallel zu unseren Seniorenspielen stattfinden“, sagte das Vorstandsmitglied des Bezirksligisten SV 20 Brilon zwar, wollte aber „nicht jammern.“

Doch noch ein Seitenhieb

Die Amateurklubs müssten vielmehr selbst „Ideen entwickeln, wie die Zuschauer wieder zum Platz kommen.“ So wie der SSV Dillingen, der „einen ehemaligen Wrestler“ (Watzke) reaktiviert hat.

„Tim Wiese kann nicht überall in der Kreisliga aushelfen“, meinte Reinhard Grindel, doch der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes appellierte ausdrücklich an die Amateure, neue Wege zu gehen, ja sogar „Event-Charakter“ zu kreieren, um den Zuschauerschwund zu stoppen.

„Ich glaube nicht, dass es daran liegt, wann die Bundesliga spielt, sondern was die Vereine selbst aufbieten können.“

„Borussia Dortmund wird eher Meister als Leipzig“

Beim Besucherkrösus BVB stellt sich diese Frage nicht, sondern eher die nach der nationalen Konkurrenzfähigkeit.

Da ging Watzke plötzlich doch noch einmal zum Angriff über.

„Sie sind ja noch sehr rüstig“, entgegnete er einem Besucher im Saal, „Sie werden es noch erleben, dass Borussia Dortmund wieder Meister wird – und es wird eher sein, als dass Leipzig Deutscher Meister wird.“

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