Dortmund

„Die meisten Jungs haben wenig geschlafen“ - Julian Weigl und Nuri Sahin gewähren Einblicke in ihr Seelenleben

Bei BVB-Innenverteidiger Sokratis (2. v. l.) flossen nach dem Spiel die Tränen.
Bei BVB-Innenverteidiger Sokratis (2. v. l.) flossen nach dem Spiel die Tränen.
Foto: Bernd Thissen / dpa
  • Vielen BVB-Spieler fiel es schwer, sich auf Fußball zu konzentrieren
  • Der Verein bietet seinen Akteuren psychologische Hilfe an
  • Nächste Woche muss die Borussia gewinnen

Dortmund. Nach dem Schlusspfiff beim 2:3 gegen AS Monaco waren alle Dämme gebrochen, die eine Mannschaft zur Abschottung um sich baut. Endlich wollten die Spieler von Borussia Dortmund darüber reden, was ihnen am Tag zuvor widerfahren war.

Die Aufregung nach dem Bombenattentat auf den Mannschaftsbus. Die Notoperation ihres Kollegen Marc Bartra. Der Empfang beim Spiel im Signal Iduna Park, einen Tag später als geplant, das 2:3 gegen AS Monaco in der Champions League.

Die meisten haben wenig geschlafen

„Es war natürlich schwierig für uns“, sagte Mittelfeldspieler Julian Weigl hinterher, „Die meisten Jungs haben wie ich auch nur wenig geschlafen.“ Es gebe nicht den „goldenen Weg, wie man damit umgehen kann“, fügte er hinzu. Er ging so damit um: „Ich habe versucht, die Zeit mit meiner Familie zu verbringen und ein bisschen runterzubringen.“

Auch Nuri Sahin wusste, „dass es nicht einfach wird, sich auf Fußball zu konzentrieren“. „Wir sind alle Menschen. Was passiert ist, das wünsche ich niemandem. Erst als ich gestern nach Hause kam und meine Frau und mein Sohn vor der Türe standen, da habe ich erst realisiert, wie viel Glück wir hatten“, sagte der Mittelfeldspieler. „Das war nicht schön heute.“

Der BVB bietet den Spielern psychologische Hilfe an

Trainer Thomas Tuchel weiß um seine besondere Rolle für die Mannschaft. Er hatte seinen Spielern mit auf den Weg gegeben, dass es keine Schwäche ist, seine Schwäche nach dem Attentat zu zeigen. Der Verein habe jedem Spieler versprochen, für psychologische Hilfe zu sorgen, falls jemand diese Hilfe benötigt, so BVB-Kommunikationschef Sascha Fligge.

Tuchel sagte nach dem Auftritt beim 2:3: „Es hat viel Mut und Courage erfordert. Das haben wir gezeigt. Es ist nicht vergessen und nicht verarbeitet. Wir hätten uns gewünscht, mehr Zeit zu haben. Es geht hier einerseits um Verarbeitung, aber auch um unseren Champions-League-Traum. Wir werden uns nochmal schütteln.“

Dortmund muss nächste Woche in Monaco gewinnen

Um ins Halbfinale der Champions League einzuziehen, muss Borussia Dortmund nächste Woche beim AS Monaco gewinnen. Entweder mit zwei Toren Unterschied oder mit mindestens vier Auswärtstoren bei einem Sieg. Eine schwere Aufgabe beim Tabellenführer der französischen Liga. Trotzdem sagt Tuchel: „Mal schauen, wir werden auf jeden Fall dran glauben.“

Einen Einblick in die Seelenlage gab Tuchel in der Pressekonferenz. Dabei kam heraus: Seinen Spielern wurde es sogar freigestellt, ob sie überhaupt gegen AS Monaco auflaufen wollen.

(mit sid)

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