DFB-Pokalfinale: Das sind die stärksten Waffen von BVB-Coach Klopp

Danke und auf Wiedersehen: Nach dem Pokalfinale ist für Jürgen Klopp Schluss in Dortmund.
Danke und auf Wiedersehen: Nach dem Pokalfinale ist für Jürgen Klopp Schluss in Dortmund.
Foto: Getty
Mit dem DFB-Pokalfinale zwischen dem BVB und Wolfsburg enden sieben Jahre unter Trainer Jürgen Klopp. Doch wer ist der Mann, der nun abtritt?

Dortmund.. Auch ein Mann wie Jürgen Klopp musste sich erst an diese Aufgabe gewöhnen. Im September 2008 trat Borussia Dortmund im Uefa-Cup bei Udinese Calcio an, spielte schlecht und verlor 0:2. Danach sagte der Experte Mehmet Scholl im übertragenden Sender ARD viel Kritisches, der einem breiten Publikum bis dato vor allem als ZDF-Fußballerklärer bekannte Klopp sagte noch mehr Kritisches und der Beobachter fragte sich, wann denn endlich der arme Trainer auftauchen würde, der sich für diesen Auftritt nun rechtfertigen müsse.

Klopp-Spezial Dabei war der längst anwesend – und offenbarte in seinen Aussagen eine ziemliche Distanz zu seinen Spielen. Kein Wunder, diese Mannschaft war noch nicht seine, war sie doch in großen Teilen ohne seinen Einfluss zusammengestellt. Nur Klopps Idee vom Vollgasfußball schimmerte schon durch – und nach und nach krempelte er, gemeinsam mit Sportdirektor Michael Zorc, die Mannschaft ebenso um, wie er sich den Verein untertan machte. In Dortmund erzählen sie noch heute davon, wie der Trainer in seiner Anfangszeit noch selbst zum Telefon griff, um wankelmütige Sponsoren zu überzeugen.

Klopps stärkste Waffe: die Fähigkeit, Menschen mitzureißen

Seine stärkste Waffe dabei: die Fähigkeit, kraft seiner Eloquenz und Rhetorik Menschen mitzureißen. Die hatte sich schon bei Mainz 05 gezeigt, als der damals verletzte Abwehrspieler nach der Entlassung Eckhard Krautzuns über Nacht zum Trainer des damaligen Zweitligisten befördert wurde. Nach der Ansprache vor seinem ersten Spiel, so sagt es der Mainzer Manager Christian Heidel mit einem Schmunzeln, hätte er selbst sich fast die Fußballschuhe angezogen, so heiß sei er gewesen.

Klopp, der große Motivator – ein Titel, der ihn früh begleitete und dem der Trainer immer wieder gerecht wurde. Als man 2002 den Aufstieg nur um einen Punkt verpasste, richtete Klopp Mannschaft und Verein wieder auf, unternahm einen neuen Anlauf – und scheiterte um ein einziges Tor. Doch auch dieses Mal gelang es Klopp, für neue Motivation zu sorgen und 2004 hatte es endlich geklappt mit dem Einzug in die Bundesliga. Als sich der Erfolgstrainer 2008 freiwillig verabschiedete, kamen 20.000 Fans zu Abschiedsfeier – und der emotionale Klopp hielt eine bewegende Rede, bei dem ihm mehrfach die tränenerstickte Stimme wegbrach.

Kult-Interview mit Arnd Zeigler

Was man in diesem Moment anderswo über ihn dachte, kümmerte ihn nicht groß – genau wie im Jahr 2010, als er im Gespräch mit dem Moderator Arnd Zeigler seine Mannschaft zerlegte. Roman Weidenfeller habe „ein schreckliches Bild abgegeben“, überhaupt müsse man sich den eigenen Torhüter „Schönsaufen“ und die übrigen Spieler hielten sich nicht an die taktischen Vorgaben – so trug es Klopp mit ernster Miene vor. Damals hatte die Mannschaft gerade 4:0 gegen Hannover 96 gewonnen, schwamm als Tabellenführer auf einer Welle des Erfolgs. Zeigler wollte sich über den Hype um den BVB lustig machen, Klopp sagte spontan zu und es entstand ein Gespräch, für das ihn alle feierten, die es gesehen hatten. Und Klopp? Der ärgerte sich: Mit mehr Vorbereitungszeit hätte das Gespräch noch viel besser sein können.

Es ist dieser Ehrgeiz, der den Trainer und Menschen Klopp auszeichnet und schon dem nach eigenen Aussagen nicht übermäßig begabten Fußballer Klopp eine sehr ordentliche Zweitligakarriere bescherte. In einer Fernseh-Dokumentation hat der heute 47-Jährige einmal angedeutet, woher dieser Ehrgeiz kommen könnte: von Vater Norbert, der zu Lebzeiten der größte Kritiker des Sohnes war – und dem Lob kaum über die Lippen kam. „Man musste zwischen den Zeilen lesen können, um das wirklich herauszufinden“, so Klopp. „Wenn ich vier Tore geschossen hatte, meinte er, dass ich aber noch sieben Chancen liegen gelassen habe.“ Diese Selbstkritik machte sich der Junior zu Eigen. Als er 2002 mit Mainz den Aufstieg in die Bundesliga verpasst hatte, erklärte er: „Ich habe falsche Entscheidungen getroffen.“

BVB-Trainer war immer authentisch

Jürgen Klopp, der Mann, der seine Spieler nach außen fast immer in Schutz nimmt, nach innen aber knallharte Autoritätsperson ist – und vor allem immer: er selbst. Der gebürtige Schwabe ist keiner, der sich verstellt. „Er ist einfach authentisch“, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der ihn vor sieben Jahren nach Dortmund holte.

Dafür lieben ihn die Fans – anderswo eckt der Coach mit seiner Art aber schonmal an: etwa bei Journalisten, denen gegenüber er manchmal allzu klar durchblicken lässt, dass er sie nicht für übermäßig kompetent oder ihre Fragen für blöd hält. Und mit seinen Ausrastern am Spielfeldrand hat sich der Gerechtigkeitsfanatiker Klopp auch nicht eben zum Liebling aller Schiedsrichter gemacht.

Klopp weint - auch bei Winnetou

Bei den Fans aber haben ihn diese Ecken und Kanten eher noch populärer gemacht – und so wird der Abschied aus Dortmund wohl noch eine Spur emotionaler als jener vor sieben Jahren in Mainz. Beim letzten Heimspiel gegen Werder Bremen hatte Klopp vorgesorgt und sprach per Video-Einspieler zu den Fans – nicht noch einmal sollten diese einen vollkommen aufgelösten Trainer erleben. „Ich heule auch bei Winnetou III, wenn er sich vor Old Shatterhand wirft und über die Wupper geht“, hatte Klopp einst erklärt. „Ich bin halt näher am Wasser gebaut als viele andere.“


Spätestens in Berlin, bei Klopps letzter Rede auf der Feier nach dem Pokalfinale, wird man das auch wieder merken.

 
 

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