Dem BVB fehlt in Liverpool ein Siegertyp im Mittelfeld

Bei Borussia Dortmund fehlte in Liverpool ein Mittelfeldspieler, der das Zepter in die Hand nimmt.
Bei Borussia Dortmund fehlte in Liverpool ein Mittelfeldspieler, der das Zepter in die Hand nimmt.
Foto: firo
  • In Liverpool scheiterte der BVB an dem Druck, den Publikum und Gegner entfachten.
  • Das entfacht die Debatte um eine Lücke im Kader neu.
  • Im BVB-Mittelfeld fehlt ein Typ.

Liverpool.. Text und Bild stimmten perfekt überein. „Ziemlich beschissen“, fühle er sich, sagte Hans-Joachim Watzke am Freitagnachmittag. Und tatsächlich machte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund einen ebenso bemitleidenswerten Eindruck wie die übrige Delegation, die gerade mit dem Sonderflug TK 3344 aus Liverpool zurückgekehrt war. Gesenkte Köpfe, hängende Schultern, leere Blicke – die 3:4-Niederlage gegen den FC Liverpool vom Vorabend wirkte erkennbar nach.

Dabei schmerzte nicht nur das Ergebnis und das damit verbundene Ausscheiden aus der Europa League, sondern vor allem der Spielverlauf. 2:0 und 3:1 hatte der BVB geführt, um dann in der Nachspielzeit das entscheidende Gegentor hinzunehmen. „Es fällt auch jetzt noch sehr schwer, das zu erklären“, sagte Sportdirektor Michael Zorc am Gepäckband des Dortmunder Flughafens. Sicher war, dass der BVB nach einer starken Anfangsviertelstunde und zwei Toren durch Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang komplett die Linie verlor – und sie auch mit Marco Reus’ Treffer zum 3:1 nach knapp einer Stunde nicht wiederfand. „Sowas gibt einem normalerweise Sicherheit“, sagte Julian Weigl. Aber an diesem Abend war nichts normal. Liverpool brauchte nun drei Treffer in einer knappen halben Stunde – und spielte einfach weiter, als sei nichts gewesen. „Da muss man ihre Mentalität auch mal loben“, sagte Watzke und sprach nicht aus, was viele dachten: die der BVB-Spieler eher nicht. Von dem hochgelobten Dortmunder Ballbesitzspiel war unter dem Druck des lautstarken Publikums und des davon geradezu aufgeputschten Gegners immer weniger zu sehen.

Unangenehme Analyse

„In so einem Spiel muss man dagegenhalten, da muss man körperlich präsent sein, da muss man jeden Ball haben wollen“, haderte Kapitän Mats Hummels. „Das war bei uns leider nicht mehr der Fall.“ Und Roman Weidenfeller stellte fest: „Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen.“ Michael Zorc deutete an, dass seine Analyse für einige Dortmunder Akteure unangenehm werden könnte: „Manchmal gibt es keinen Erklärungsansatz – außer bei den elf oder vierzehn, die auf dem Feld standen.“

Die präsentierten sich nach starkem Beginn zu weiten Teilen naiv und hilflos gegen die immer wieder anrollenden Angriffe Liverpools. Ganz so, als würde man sich nur mit Wischtuch und Eimer bewaffnet einer Sturmflut in den Weg stellen. Es fehlte ein Wellenbrecher, einer, der sich im Mittelfeld dem Gegner mit aller Macht und Physis entgegenwirft, der Kraft seiner Aura die eigene Mannschaft beruhigt und dem Gegner Respekt einflößt.

Beim BVB ist diese Rolle vakant, seit Sebastian Kehl im Sommer verabschiedet wurde. Trainer Tuchel wusste um diese Lücke, als er im Sommer seinen Dienst in Dortmund antrat. Gerne hätte er zum Amtsantritt den Weltmeister Sami Khedira nach Dortmund geholt. Stattdessen bekam er Julian Weigl. Der ist ohne Frage ein hochbegabter Spieler – und hätten alle elf Dortmunder in Liverpool ähnlich ruhig und abgeklärt agiert, wäre der Ausflug nie so schrecklich schiefgegangen. Aber ein Spieler, an dem sich die Mannschaft inmitten des Sturms festhalten und aufrichten kann, ist er (noch) nicht. Die Debatte dürfte nun intern erneut geführt werden.

Letzte realistische Titelchance

Erst einmal stehen aber das Bundesliga-Heimspiel am Sonntag gegen den Hamburger SV (15.30 Uhr) und das DFB-Pokal-Halbfinale bei der Berliner Hertha am Mittwochabend (20.30 Uhr) an. Dann geht es um die letzte realistische Titelchance. „Wir wollen im Pokal trotz allem weiter für Furore sorgen“, kündigt Weidenfeller an. „Aber wir müssen jetzt den Kopf erst einmal freibekommen.“

Und im zweiten Anlauf beweisen, dass man auch unter Druck sein bestes Spiel zeigen kann.

 
 

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