Das wahre BVB-Problem: Dortmund hat keinen Plan B gegen aggressive Gegner

Enttäuschte Dortmunder nach der Niederlage in Leverkusen: Das BVB-Spiel verlief nicht nach Plan.
Enttäuschte Dortmunder nach der Niederlage in Leverkusen: Das BVB-Spiel verlief nicht nach Plan.
Foto: dpa
  • BVB-Trainer Thomas Tuchel unterstellte Bayer Leverkusen beim 0:2 eine zu harte Gangart
  • Doch die Dortmunder haben nicht nur deswegen verloren
  • Wir benennen das wahre BVB-Problem

Leverkusen. Die Streitlust, die seine Spieler hatten vermissen lassen, ergriff weit nach dem Spiel plötzlich den Trainer. Genau in dem Augenblick, als Thomas Tuchel seinen Berufskollegen Roger Schmidt von Bayer Leverkusen sagen hörte, dass dies ja eine sehr faire Partie gewesen sei. Ungefragt grätschte der Trainer von Borussia Dortmund verbal sehr entschieden dazwischen. „Ein faires Spiel sagt der Trainer der Mannschaft mit 21 Fouls zum Trainer mit den sieben Fouls“, ereiferte sich Tuchel, „sorry, da habe ich eine andere Vorstellung.“

Der 43-Jährige war nicht gerade bester Laune. Das lag an der 0:2-Niederlage des BVB im Rheinland, die auch die Hoffnungen erstickte, dass der wohl einzige ernsthafte Verfolger von Bayern München in der Tabelle würde näherrücken können, weil der Seriensieger mal nur unentschieden gespielt hatte. Vor allem aber lag es daran, dass Tuchel offenbar das Gefühl hatte, seine Spieler seien erneut eine Art Freiwild gewesen. Diese Behauptung untermauerte der Trainer mit dem Detailwissen, sie sei die dritte in Serie gewesen, in der Schwarz und Gelb mehr als 20 Mal gefoult worden sei. Grenzen würden da überschritten, meinte er.

Spätestens diese Einlassung wirkte befremdlich, da diese Partie nicht als eine einzige rote Rüpelei in die Historienbücher der Fußball-Bundesliga eingehen wird. Leverkusen spielte aggressiv und sah deswegen fünf Gelbe Karten. Keine zu viel, kaum eine zu wenig. Tuchels erster Angestellter, Kapitän Marcel Schmelzer, fand den Einsatz zwar „zwischenzeitlich extrem“, wies aber auch darauf hin, dass „ein Foul zu machen und Gelb zu bekommen“ in diesem Sport durchaus dazu gehörten. Problematisch sei, was der BVB aus den Gegebenheiten gemacht habe. Anstatt sie clever für sich zu nutzen und weitere Verwarnungen zu forcieren, begab sich der Vizemeister in Duldungsstarre. „Wenn Gegner uns aggressiv verteidigen, dürfen wir nicht unser Spiel einstellen.“ Doch genau danach hatte es phasenweise ausgesehen.

Was tun, wenn Weigl isoliert wird?

Zudem erwies sich die Dortmunder Abhängigkeit von Julian Weigl als Hypothek. Mit den Pässen, die er erhält, und den Pässen, die er spielt, wird aus dem schwarz-gelben Spiel oft ein funktionierendes Netzwerk. Bei Weigl laufen die Fäden für gewöhnlich zusammen. Ist er isoliert und prallen die Individualleistungen der offensiven Dribbelartisten wie Christian Pulisic, Ousmane Dembélé an der Abwehr ab, agiert der BVB mitunter ideen- und gefahrlos. Der Fehler liegt dann im System des Gegners und die Borussia reagiert nicht gut genug darauf. Mit dem Spielaufbau waren die Verteidiger Sokratis und Matthias Ginter überfordert. Bayer kontrollierte das Spiel, ohne dabei auf den Besitz des Balles angewiesen zu sein. Admir Mehmedi (10. Minute) und Chicharito (79.) besorgten die Treffer.

Nach sechs Spieltagen hat die Borussia nun schon zwei Saisonniederlagen im Leistungsbüchlein stehen. Die in Leverkusen wirkte wie ein Duplikat von jener, die gegen RB Leipzig zu beklagen war. Beide auswärts, beide gegen Mannschaften, die mit zwei lauffreudig verteidigenden Stürmern agieren und sich auch sonst über Frontalverteidigung definieren. Die Philosophie, die Roger Schmidt und Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick einst bei RB Salzburg einte, bringt den BVB nun schon zum zweiten Mal zu Fall. „Gegen solche Mannschaften ist es immer schwer, weil sie viel Unruhe reinbringen und wir nicht unser Spiel machen können“, sagte Gonzalo Castro, „dagegen muss man dann ankämpfen. Das haben wir heute nicht geschafft.“

22 Spiele in 7 Tagen – auch bei Bayer

Borussia muss das Kämpfen lernen. Laut Tuchel habe man der Mannschaft „die körperliche und mentale Müdigkeit angemerkt“. Doch Leverkusen, ebenfalls Champions-League-Teilnehmer, spielte in den vergangenen 22 Tagen auch sieben Mal. Hat es also doch an den Fouls gelegen? Hat Bayer Leverkusen zu hart gespielt? Die Frage ging an Gonzalo Castro. Er lachte einmal laut auf.

 
 

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