Das Stürmerduell Lewandowski gegen Barrios beim BVB

Daniel Berg
Hier feiern Robert Lewandowski und Lucas Barrios noch gemeinsam die Meisterschaft, jetzt kämpfen sie gegeneinander um einen Platz im Sturm beim BVB.
Hier feiern Robert Lewandowski und Lucas Barrios noch gemeinsam die Meisterschaft, jetzt kämpfen sie gegeneinander um einen Platz im Sturm beim BVB.

Dortmund. Vor wenigen Minuten erst hatte Robert Lewandowski (23) sein wunderbares Tor gegen den VfL Wolfsburg erzielt. Das 4:1 an einem perfekten schwarzgelben Fußball-Tag. Es gab keinen Grund, enttäuscht zu sein. Der Stürmer war es aber dennoch.

Die Menschen auf den Tribünen hatten sich gewiss sehr über sein Tor gefreut, sie hatten beglückt seinen Namen gebrüllt, aber etwas später schon begannen sie zu raunen und einen Namen zu rufen, nicht mehr Lewandowskis, sondern den eines anderen Mannes. Lucas Barrios war soeben zur Einwechslung kommandiert worden und auf seinem langen Weg dorthin jubelten ihm die BVB-Fans zu. Dann stand er bereit. Als Robert Lewandowski die rot leuchtende „9“ auf der Anzeigetafel sah, die signalisierte, dass er nun weichen müsste, ließ er den Kopf auf die Brust fallen. Er wollte nicht vom Platz, wollte seinem Konkurrenten nicht das Feld überlassen. Nicht für die letzten 20 Minuten dieses Spiels, nicht für die kommenden Spiele und womöglich schon gar nicht für den Rest der Saison. Doch genau danach sah das aus vor zwei Wochen. Eine Ablösung, für länger.

Komfortables Problem für Trainer Klopp

Lucas Barrios ist schließlich der, der bei Borussia Dortmund seit mehr als zwei Jahren fürs Toreschießen zuständig ist, der, dem die Herzen der Menschen auch deshalb zufliegen, weil er mit seinen Treffern die Meisterschale herbeigeschossen hat und der eigentlich nur deshalb nicht in der Mannschaft stand, weil er sich vor der Saison einen Muskelriss zuzog und ausfiel. Erst jetzt im Herbst ist er wieder fit, die zwei Wochen, die nach dem Wolfsburg-Spiel vergangen sind, haben seiner Fitness gut getan. Pünktlich zum erwarteten Spektakel zwischen Tabellenführer Bayern München und dem Fußball-Meister aus Westfalen (Samstag, 18.30 Uhr live im DerWesten-Ticker) könnte er also seinen angestammten Platz wieder einnehmen. Könnte. Denn spielen wird Lewandowski.

Es ist ein komfortables Problem, das Trainer Jürgen Klopp da hat, weil Robert Lewandowski plötzlich ein eigenständiger Bestandteil dieser Mannschaft ist, nicht mehr nur der Stellvertreter des verletzten Shinji Kagawa oder der Stellvertreter des verletzten Lucas Barrios. Mit starken Spielen, mit acht Toren und fünf Vorlagen hat der Pole die Rolle des Aushilfsbediensteten vorerst abgelegt. „Die Menschen würden mir doch den Vogel zeigen, wenn ich sagen würde, jetzt probiere ich für Samstag mal was ganz anderes“, sagt Klopp. „Robbie ist in einer richtig guten Verfassung. Ich kann leider nicht alle aufstellen, die von der Leistung her eigentlich in die Mannschaft gehören.“

"Robbie ist im Moment einen Tick vorne dran"

Für Lucas Barrios, gerade 27 Jahre alt geworden, ist das ein unbefriedigendes Szenario. Er gehört nicht zu den geduldigsten Profis, er kennt es nicht, draußen zu sitzen und zuschauen zu müssen, wie andere seine Tore schießen. Seit Wochen erträgt er innerlich murrend die 20-Minuten-Einsätze, mit denen Klopp den gebürtigen Argentinier zu alter Fitness führte. Nun könnte Barrios wieder, und darf nicht - zumindest nicht nach elf Tagen, in denen Klopp wegen der Länderspielreisen kaum Trainingseindrücke der Kontrahenten sammeln konnte.

„Dass Lucas mit der Situation nicht zufrieden ist, dass er mit den Hufen scharrt, ist nachvollziehbar. Er hat hier zwei Jahre lang alles getroffen, verletzt sich, kommt zurück und findet für den Moment keinen Weg in die Mannschaft“, sagt Klopp fast mitfühlend: „Ich kann es nicht ändern, Robbie ist im Moment einen Tick vorne dran.“

Das Glück eines Stürmers währt nicht immer lange - manchmal nur ein paar Minuten lang. Für Dortmunds Top-Stürmer ist das immer Ärger und Hoffnung zugleich. Für den BVB ist es vor dem Duell mit den Bayern der pure Luxus.