Dank Mitch Langerak hat beim BVB niemand schlaflose Nächte

Daniel Berg
Mitch Langerak steht normalerweise in der zweiten Reihe - zum Bundesliga_Auftakt aber im BVB-Tor.
Mitch Langerak steht normalerweise in der zweiten Reihe - zum Bundesliga_Auftakt aber im BVB-Tor.
Foto: dpa
Der zentrale Vorsatz von Borussia Dortmund für die neue Saison ist, in den Spielen gegen vermeintlich schlagbare Gegner keine Punkte zu verschenken. Im ersten Spiel am Samstag beim FC Augsburg soll dieses Versprechen eingelöst werden. Und Torwart Mitch Langerak soll dabei helfen.

Dortmund. Jürgen Klopp legt die Stirn in Falten und beginnt, seinem Gedächtnis ein paar Informationen abzufordern. Es geht um die Namen der Spieler, die ihm am kommenden Samstag, wenn sich der Vorhang für eine neue schwarz-gelbe Fußball-Saison in Augsburg hebt, sicher nicht oder möglicherweise nicht zur Verfügung stehen werden. Henrikh Mkhitaryan fällt ihm ein, der Neuzugang, der sich noch mit den Folgen seiner Sprunggelenksverletzung herumplagt. Und dessen Mittelfeldkollege Ilkay Gündogan, der am Donnerstagnachmittag wegen Rückenschmerzen wiederholt nicht am Training teilnehmen konnte. „Ansonsten“, sagt der Trainer von Borussia Dortmund, „haben wir alle Mann zur Verfügung.“

Zehn Spiele, zehn Siege

Dass Roman Weidenfeller nicht mitspielen wird, erwähnt er nicht. Vielleicht weil er seit mehr als zwei Monaten die Gewissheit hat, da der Torwart im letzten Bundesligaspiel der vergangenen Saison die Rote Karte sah und für ein Spiel gesperrt wurde. Vielleicht aber auch, weil Klopp jetzt schon weiß, dass auch so ein guter Torwart zwischen den Pfosten stehen und somit kein signifikanter Qualitätsverlust festzustellen sein wird. Der Name des Stellvertreters: Mitch Langerak (24). Seine Referenz beim BVB: zehn Siege in zehn Einsätzen. Darunter brisante wie die gegen Bayern München: Das 3:1 in der Liga führte 2011 wenig später zur Meisterschaft, das 5:2 im DFB-Pokalfinale zum Doublesieg 2012.

Auftritte, gegen die die Aufgabe beim Fast-Absteiger FC Augsburg fast schon banal wirkt. Dabei ist sie eminent wichtig. Nicht, weil die Borussen den Spielbetrieb im Falle einer Niederlage mit sofortiger Wirkung einstellen müssten. Doch das große herbeigesehnte, herbeigeredete Fernduell mit dem FC Bayern München beginnt nun einmal schon an diesem Wochenende. In der vergangenen Saison gewann der BVB von den ersten acht Bundesligaspielen nur drei.

„Wir haben Druck“

„Wir haben Druck und uns hohe Ziele gesetzt“, sagt Klopp, „Punkte verschenken können wir nicht.“ Denn gerade gegen die vermeintlichen Leichtgewichte der Liga ließ Schwarz-Gelb absurd viele Punkte uneingesammelt. 25 Zähler Rückstand waren es am Ende der Saison. Klopp verspricht, dass sich diese Fehler nicht wiederholen werden. Zumindest nicht in der Regelmäßigkeit. Und schon gar nicht in der Frühphase der Saison, in der das von Startrainer Pep Guardiola durcheinandergewirbelte bayerische Ensemble durchaus noch mit Bagatellschäden im Ergebnisbereich zu rechnen hat. Dem BVB und Mitch Langerak wäre das durchaus recht.

Am Ende seines ersten Jahres stand die Meisterschaft, dann kamen Meisterschaft und Pokalsieg, in der vergangenen Saison das Champions-League-Finale. Triumphe, zu denen Langerak, wenn es gut lief, ein paar ausgezeichnete Spiele und ein harmonisches Verhältnis zur Nummer 1 beigesteuert hat. Die vielen Titel sind fein, aber Langeraks Problem ist die Perspektive: Weidenfeller, gerade 33 geworden, wird zwar immer älter, aber irgendwie auch immer besser.

Keine schlaflosen Nächte

„Wir sind derzeit in der komfortablen Situation, dass einer wie Roman Weidenfeller ausfallen kann und wirklich niemand im Umfeld schlaflose Nächte haben muss“, sagt Jürgen Klopp, „aber es ist keine Frage, dass ein außergewöhnlicher Torwart wie Mitch irgendwann auch die Nummer 1 sein möchte.“ In diesem Jahr bekleidet Langerak, der tiefenentspannte Australier, den Aushilfsjob definitiv noch. Auch weil ihm der Trainer Spiele zugesagt hat, idealerweise Spiele von jeder Güteklasse.

Augsburg befindet sich nach dem neuen Dortmunder Verständnis in der Kategorie: sehr wichtig.