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Champions League: BVB, Schalke und Bayern raus! Warum das deutsche Debakel die Bundesliga vor eine Zerreißprobe stellt

Der BVB, Schalke und Co. müssen in der Champions League ab dem Viertelfinale zuschauen.
Der BVB, Schalke und Co. müssen in der Champions League ab dem Viertelfinale zuschauen.
Foto: imago images / Jan Huebner

Dortmund. Mit dem BVB, Schalke 04 und dem FC Bayern sind die verbliebenen deutschen Vereine allesamt im Achtelfinale der Champions League gescheitert. Dieses deutsche Königsklassen-Debakel legt ein gewaltiges Problem der Bundesliga unbarmherzig offen.

BVB raus, Schalke raus, Bayern raus: kein deutscher Verein im Viertelfinale der Champions League - das gab es zuletzt vor 13 Jahren, als die Münchner im Achtelfinale am AC Mailand gescheitert waren.

Zur Einordnung: Damals waren Willy Sagnol und Bixente Lizarazu die Außenverteidiger beim FCB. Im Mittelfeld zog Sebastian Deisler die Fäden. Roy Makaay spielte im Sturm. Und Bastian Schweinsteiger saß mangels Erfahrung nur auf der Bank. Die Älteren werden sich erinnern.

Champions League: BVB, Schalke und Bayern besiegen deutsches Drama

Wenn's im Konzert der Großen ernst wird, muss die Bundesliga in diesem Jahr zuschauen. Die erschreckende Erkenntnis: Das alles ist keine zufällige Momentaufnahme, sondern eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat.

Denn wir müssen feststellen: Geld schießt eben doch Tore. Während Clubs in der Premier League mit ihren irrwitzigen TV-Verträgen immer reicher wurden, und auch die beiden spanischen Riesen Barca und Real sowie die nationalen Platzhirsche Juventus Turin und Paris Saint-Germain durch immense Finanzspritzen ihrer Investoren und globaler Marketingmaschinen gigantische Summen einnahmen, mussten sich die Topclubs der Bundesliga mit vergleichbar geringen Mitteln begnügen - auch der FC Bayern.

Die Gründe: Die Bundesliga verschlief in den vergangenen 20 Jahren die offensive Erschließung der asiatischen sowie nord- und südamerikanischen Märkte. Zudem versperrt die Bundesliga Investoren (in der Regel) die Möglichkeit zu einem intensiveren Einstieg in deutsche Vereine.

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Wozu führte das Ganze?

Die Münchner mögen in Deutschland immer noch der große Branchenprimus sein. Doch wenn ManCity, PSG und Co. den Geldbeutel weit aufmachen, kann der FC Bayern heutzutage nicht mehr mitbieten. Und so waren die Bayern in den vergangenen Jahren darauf angewiesen, junge Talente anstatt "fertiger" Stars zu verpflichten: Serge Gnabry, Kingsley Coman, Corentin Tolisso oder demnächst womöglich Callum Hudson-Odoi.

Das gilt demzufolge erst Recht für Borussia Dortmund, Schalke oder andere deutsche Vereine. Und dieses finanzielle Ungleichgewicht macht sich jetzt endgültig in Resultaten bemerkbar.

Im Vorzeigewettbewerb der UEFA treffen sich im Viertelfinale nun vier Vereine der steinreichen Premier League sowie der FC Barcelona, Juventus Turin und mit dem FC Porto und Ajax Amsterdam zwei obligatorische Überraschungsteams.

Wie kann die Bundesliga wieder in die Erfolgsspur finden?

In Zeiten, in denen plötzlich selbst die englischen Vereine ein Supertalent nach dem anderen hervorbringen, müssen die Bundesligaclubs sich nicht der Illusion hingeben, dass sie der Finanzkraft internationaler Topvereine durch eine gute eigene Jugendarbeit standhalten können. So traurig es aus der Sicht aller Fußball-Traditionalisten klingen mag: Wenn die Bundesliga auf Biegen und Brechen in diesem System mit den ganz Großen mitmischen will, muss sie sich unweigerlich den Gesetzen dieses Systems beugen.

Dazu würden unter anderem zählen:

  • Anstoßzeiten um 12 Uhr mittags (asiatische Prime Time)
  • Deutliche Erhöhung der Eintrittspreise in deutschen Stadien (Extrem-Beispiel Premier League)
  • Club-Übernahmen durch Investoren, die einen Verein als Spielball nutzen und wenig später finanziell marode zurücklassen können
  • Spiele der heimischen Liga oder des heimischen Pokalwettbewerbs auf anderen Kontinenten (wie z.B. der italienische Supercup in den Emiraten)

Wie geht's weiter mit der Bundesliga?

Fakt ist: Nur wenn die Bundesliga solche Maßnahmen durchsetzt, hat sie eine Chance, mit Premier League und Co. finanziell einigermaßen mithalten zu können.

Fakt ist aber auch: Solche Maßnahmen klingen wie der Alptraum eines jeden Liebhabers von Fußballromantik. Wenn deutsche Fans schon (zu Recht) wegen Montagsspielen auf die Barrikaden gehen: Was ist dann erst bei den deutschen Fans los, wenn plötzlich ein Investoren-Konsortium aus Fernost den Herzensverein übernimmt und erst mal die Vereinsfarben ändert? So geschehen bei Cardiff City.

Dieser Interessenskonflikt zeigt, welchen Herausforderungen die Bundesliga sich in naher Zukunft stellen muss. Die jüngsten Entwicklungen des modernen Fußballs lassen nichts Gutes erahnen.

 
 

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