BVB verliert mit 1:2 - und erreicht doch das Viertelfinale

Frank Lamers
Erleichtert: Kevin Großkreutz und BVB-Trainer Jürgen Klopp.
Erleichtert: Kevin Großkreutz und BVB-Trainer Jürgen Klopp.
Foto: Ina Fassbender / Reuters
Zum ersten Mal seit 16 Jahren zog Borussia Dortmund zum zweiten Mal in Folge in das Viertelfinale der Champions League ein. Im Rückspiel gegen Zenit St. Petersburg konnten sich die Dortmunder eine 1:2 (1:1)-Niederlage leisten. Das Hinspiel hatten sie mit 4:2 für sich entschieden.

Dortmund. Im 200. Europapokalspiel des BVB gab es zwar nicht den 100. Sieg zu feiern. Doch das war am Ende dieses Königsklassen-Abends auch nicht von Bedeutung. Trotz einer 1:2 (1:1)-Niederlage gegen Zenit St. Petersburg zog Borussia Dortmund das erste Mal seit 16 Jahren zum zweiten Mal in Folge in das Viertelfinale ein, das auf Europas höchster Fußballebene ausgetragen wird. Ein schweres Stück Arbeit war das. Doch unter dem Strich wegen des furiosen 4:2-Erfolges im Hinspiel dennoch keine Überraschung.

Dass auf dem Rasen Überraschungen ausbleiben würden, war aber beinahe zu erwarten. Noch nie seit Gründung der Champions League im Jahre 1992 verspielte schließlich eine Mannschaft einen Zwei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel noch im eigenen Stadion. Dass auf dem Aufstellungbogen Überraschungen ausbleiben würden, hätte der BVB dem Gast allerdings schon vor dem Anpfiff in die Hand garantieren können. Gündogan, Blaszczykowski, Subotic, Bender fehlen langzeitverletzt. Für Marco Reus kam der Einsatz noch einen Tick zu früh. Es kehrte also im Vergleich zum Ensemble, das am vergangenen Samstag in der Bundesliga eine empfindliche 1:2-Niederlage erlitt, lediglich der in dieser Partie gelbgesperrte Henrikh Mkhitaryan zurück und übernahm den Regieposten hinter Alleinspitze Robert Lewandowski.

Der polnische Ausnahmestürmer mit bayerischer Zukunft wird die erste Begegnung im Viertelfinale mit der dritten Gelben Karte gesperrt versäumen. In der 19. Minute sprang er im gegnerischen Strafraum hoch und berührte den Ball mit der Hand. Schiedsrichter Undiano Mallenco aus Spanien zückte den Karton. Zu diesem Zeitpunkt stand die Borussenreise durch Europa allerdings bereits auf der Kippe. In der fünften Minute hatte Mats Hummels nach einem couragierten Vorstoß Kevin Großkreutz bedient. Der passte zu Marcel Schmelzer. Der Linksverteidiger brachte den Ball Richtung Pierre-Emerick Aubameyang. Doch der verpasste vor dem Tor von Vycheslav Malafeev.

Erste Chance für Dortmund. Dann aber demonstrierten die Russen, dass ihr spielerisches Vermögen weitaus größer ist, als sie es im Hinspiel, absolviert ohne im Ligaalltag zu sein, vorzeigen konnten. Lewandowski hatte nach einem Dutzend Minuten noch eine Einschussmöglichkeit. Davor musste in Minute sieben allerdings BVB-Keeper Roman Weidenfeller nach einem Distanzschuss von Axel Witsel nachfassen. Und in Minute 16 hatte der unglaubliche Givanildo Vieira de Souza, Künstlername: Hulk, seinen Auftritt. Von der rechten Seite tankte der Brasilianer sich an einer schwarzgelben Phalanx vorbei -- und dann wuchtete er den Ball aus 25 Metern zum 1:0 für Zenit ins Netz.

Sebastian Kehl traf für den BVB nach einer Flanke von Marcel Schmelzer

Lewandowski stand ein zweites Mal im Mittelpunkt. In der 42. Minute stürmte Malafeev aus seinem Tor und mähte den BVB-Mann um. Schiedsrichter Mallencos Pfiff blieb aus. Ball gespielt. Doch der Schrecken bei den Dortmundern war gewaltig. Lewandowski jedoch musste nur kurz an der Seitenlinie behandelt werden. Und ergebnistechnisch sah es in diesem Moment schon erheblich besser aus. Vier Minuten zuvor hatte Schmelzer eine Flanke von der linken Seite geschlagen. Kapitän Sebastian Kehl war da. Mit dem Kopf. 1:1. Ein Remis, das die Pause weniger aufgeregt gestaltete.

Drei weitere Treffer hätte die internationale Multimillionenauswahl aus St. Petersburg benötigt. Der Borussia gelang es allerdings in Halbzeit zwei, die Vorstellung von Trainer Jürgen Klopp mit Leben zu füllen, einigermaßen sicher zu stehen und gleichzeitig “nicht doof” zu sein und nur zu verteidigen. Und den Russen war anzumerken, dass die Hoffnungen auf ein Weiterkommen nicht mehr im Zenit standen. Zum Auswärtssieg reichte es aber. In der 73. Minute traf Jose Rondon zum 2:1. Ehre gerettet.