BVB-Trainer Tuchel ist ein Fan von Henrikh Mkhitaryan

Daniel Berg
Dreifacher Torschütze für den BVB: Henrikh Mkhitaryan.
Dreifacher Torschütze für den BVB: Henrikh Mkhitaryan.
Foto: imago
Henrikh Mkhitaryan hat die Veränderung auf dem Trainerposten bei Borussia Dortmund gut getan. Das zeigte er beim 5:0 gegen den Wolfsberger AC.

Dortmund. Die Männer in den schwarz-gelben Trikots kamen nach dem Spiel alle zu ihm. Sie tätschelten ihm den Kopf, klopften ihm auf die Schultern und nahmen ihn in den Arm. Und der Mann, um den es geht, der lächelte. Unbeschwert. Glücklich. Henrikh Mkhitaryan hatte beim 5:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen den Wolfsberger AC einen wirklich feinen Abend erlebt.

Über allem stand, dass sich der BVB mit diesem Sieg für die finale Qualifikationsrunde für die Europa League qualifizierte. Das war die Pflicht. Und Mkhitaryan lieferte die Kür auf dem Rasen. Innerhalb von 13 Minuten schraubte er das Ergebnis zwischen der 73. und der 86. Minute von 2:0 auf 5:0. Und Thomas Tuchel, der Trainer, freute sich über jedes einzelne, weil er um das sensible Gemüt des armenischen Mittelfeldspielers weiß.

Niemals zuvor hatte Mkhitaryan drei Tore in einem Pflichtspiel für den BVB erzielt. Im Gegenteil: In seinen zwei Jahren beim BVB war er als der Spieler aufgefallen, der viel richtig macht, aber im entscheidenden Moment doch wieder alles falsch. Weil er zu spät abspielt, weil er Chancen vergab. Weil er den Ball aus fünf Metern nicht im Tor von Real Madrid unterbrachte, als der Riese des europäischen Fußballs im Champions-League-Rückspiel in Dortmund bedrohlich wankte und seinen komfortablen Vorsprung aus dem Hinspiel zu verspielen drohte.

Diese Szene wird Mkhitaryan vermutlich immer anhaften. Sie ist für manche zu einer Art Symbol geworden, wie ein talentierter junger Mann trotz redlichen Bemühens am Ende doch wieder scheitert. Aber ebenso wie diese Szene begleiten den 26-Jährigen die Hoffnungen der schwarz-gelben Fan-Gemeinde, dass er seinen Durchbruch schafft. Und wer weiß, vielleicht war dieser Abend der Beginn genau dieses Prozesses.

Denn auch für Mkhitaryan begann in diesem Sommer alles bei Null. Jürgen Klopp, der Mann, der ihn nach Dortmund holte, verließ Westfalen und Thomas Tuchel trat an seine Stelle. Zu sagen, er wirke wie ausgewechselt, würde Klopp nicht gerecht. Aber es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass auch Mkhitaryan die Veränderung auf dem Trainerposten gut getan hat. Tuchel ist jedenfalls Micki-Fan. "Ich möchte sehr gern etwas über Micki sagen, aber das klingt dann zu sehr so, als hätte ich das allein in ihm bewirkt. Das stimmt nicht. Das, was wir gesehen haben, steckt in ihm und die Mannschaft lässt sein Talent strahlen", meinte Tuchel und setzte seine Eloge über weiter fort: "Es ist eine große Freude, sein Trainer zu sein. Mit seiner Offenheit, seiner Höflichkeit und seinem Respekt gegenüber seinem Talent ist er ein echter Musterprofi. Ich freue mich, dass das heute so offensichtlich zu sehen war, weil ihm das hilft. Kreative Menschen sind manchmal eher zurückhaltend und sensibel."

Mkhitaryan kam 2013 für 27 Millionen Euro zum BVB

Auf dem Platz hatte sich der Profi, der 2013 für 27 Millionen Euro nach Dortmund gekommen war, gegen Ende des Spiels nicht mehr zurückgehalten. Entschlossen donnerte er einen Schuss nach dem anderen ins Tor. Dass ihm dies nach einer eher missratenen ersten Halbzeit gelang, freute den Trainer umso mehr. Zudem lieferte der Armenier die Vorlage zum 1:0. "Es ist das dritte Mal in Serie, dass er das 1:0 vorbereitet. Das sind so Zwischentöne, die mir so gut gefallen", lobte Tuchel.

Hätte Mkhitaryan all dies hören können, dann wäre er vermutlich verlegen geworden. Doch er stand derweil im Kellergeschoss des Dortmunder Stadions. Und lächelte noch immer. "Der Trainer hat sehr viel mit mir gesprochen und mir Selbstvertrauen gegeben. Das will ich gern mit Leistung zurückzahlen", sagt der Mann mit der Rückennummer 10. "Ich weiß, dass meine erste Saison nicht schlecht war und die zweite nicht gut. Ich hoffe aber, dass die dritte sehr gut wird", meint er. Und geht.

Mehr als ein Anfang ist gemacht. Zugegeben, gegen Wolfsberg fällt das Toreschießen leichter als gegen Wolfsburg, aber zumindest hat Henrikh Mkhitaryan jetzt schon drei Pflichtspieltore zu Buche stehen. In der gesamten vergangenen Saison waren es vier.