BVB-Sanierer Watzke gilt als Meister des Schuldenabbaus

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Dortmund. Den 17. Februar 2005 wird Hans-Joachim Watzke nie vergessen. Der Sauerländer, erst zwei Tage zuvor zum Geschäftsführer bei Borussia Dortmund berufen, musste verkünden, dass der BVB so gut wie pleite sei. So begann seine Arbeit als Klub-Sanierer.

Einhundertzweiundzwanzig Millionen Euro, in Ziffern: 122.000.000. Diese exorbitante Zahl begleitete die Mitglieder durch die Jahreshauptversammlung im November 2008. Hans-Joachim Watzke nannte sie immer wieder. Voller Stolz. Denn dem BVB ist in nur zwei Jahren das Kunststück gelungen, seine Schulden in exakt dieser Höhe abzubauen. Eine Meisterleistung, die maßgeblich die Handschrift des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KgaA trägt.

Watzke bekleidet diese Chef-Rolle seit dem 15. Februar 2005. Er übernahm Verantwortung in der schwersten wirtschaftlichen Krise des Fußball-Unternehmens. Zwei Tage später informierte er Aktionäre und Öffentlichkeit über die „Existenz bedrohende Ertrags- und Finanzsituation” des Traditionsklubs. Watzke wähnte den „Patienten BVB im Vorzimmer der Pathologie”. Heute, deutlich vor dem ursprünglichen Zeitplan, sieht er die Konsolidierung, die Reinhard Rauball einmal „einen Marathonlauf” nannte, abgeschlossen.

Vertrauensbildende Maßnahmen

Der Unternehmer aus dem sauerländischen Marsberg, der in der Nachbarschaft in Erlinghausen Fußball spielte, hat mit vertrauensbildenden Maßnahmen die Gläubiger auf seine Seite gezogen und erfolgreich um Unterstützung für die neue Führungsetage sowie eine „Politik der wirtschaftlichen Vernunft” geworben. Watzke sagt im Rückblick: „Wenn mir die Gläubiger nicht vertraut hätten, wäre der letzte Geschäftsführer in der Geschichte des BVB ein Insolvenzverwalter gewesen.”

Seine Lebensplanung, versichert er, habe diese verantwortungsvolle Funktion bei Borussia nicht vorgesehen. Selbst zu blühenden Zeiten nicht, als er erstmals „nähere Bekanntschaft” mit dem BVB machte.

Mit Sammer im Flieger nach München

Auf einem Flug von Dortmund nach München saß er unmittelbar neben Matthias Sammer, der in jenen Tagen wegen seines lädierten Knies regelmäßig Bayerns Vereinsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt konsultierte. Sie haben sich angeregt unterhalten, über Fußball natürlich. Davon versteht Watzke eine ganze Menge.

Denn der Vater leitete als Präsident den Heimatklub Rot-Weiß Erlinghausen, und Sohn Hans-Joachim, den alle nur „Aki” nannten, zog als Regisseur mit der Rückennummer 10 die Strippen der ersten Mannschaft. Er übernahm 1995 vom „Senior” den Vorsitz und stieg mit dem Verein aus dem 1000-Seelen-Dorf bis in die NRW-Liga auf. Watzke junior stand dazu bei den Spielen auch als Trainer seinen Mann.

Sammer berichtete Gerd Niebaum und Michael Meier von einem „wunderbaren Gesprächspartner mit großem Interesse an Borussia” und stellte ihn später den höchsten BVB-Funktionären vor. Watzke gewann schnell das Vertrauen.

Der Bund mit Niebaum zerbricht im Jahr 2004

Als Borussia im Jahr 2001 die vakante Position des Schatzmeisters neu besetzen musste, machte sich Niebaum für Watzke stark, ein für die Mitglieder bis dahin „unbeschriebenes Blatt”. Aber er wurde natürlich gewählt. Fast einstimmig.

Es ist bekannt, wie sich die wirtschaftliche Situation in den nächsten Jahren entwickelte. Aber selbst in der ersten kritischen Phase zum Jahreswechsel 2003/4, als publik wurde, dass sich der BVB um eine Anleihe von 100 Millionen Euro bemühen würde, stand Watzke fest an Niebaums Seite. Doch ein paar Wochen später kam es zum Bruch. Watzke begann mit einer „Opposition” zu paktieren, die sich gegen die in ihren Augen selbstherrliche Führung des Gespanns Niebaum/Meier zu formieren begann. Ihr gehörte auch Dr. Winfried Materna an, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, der entschieden einen Paradigmenwechsel forderte.

Mit Rauball an der Spitze

Und sie gewann Reinhard Rauball hinzu, den wichtigsten und entscheidenden Mann, um die Vereins- und Geschäftsführung der KgaA auszutauschen. Der gewiefte Jurist übernahm im Oktober 2004 zunächst kommissarisch, einen Monat später dann offiziell das Präsidenten-Amt. Und die „Ära Niebaum” endete endgültig im Februar 2005.

Watzke hat sich als neuer Borussia-Chef längst profiliert im Bundesliga-Geschäft und nicht allein bei der wirtschaftlichen Sanierung des maroden Unternehmens BVB Ausrufezeichen gesetzt. Im Nachhinein war es deshalb ein Glücksfall für den BVB, dass Matthias Sammer auf dem Flug nach München Hans-Joachim Watzke begegnete.

 
 

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