BVB pulverisiert Uneinnehmbarkeit Münchens und ist gewappnet

Borussia kam aus Münchner Sicht als Punktelieferant nach Bayern. Doch stattdessen siegte der BVB, brach die Arroganz der Gastgeber und setzte 40 Jahre nach dem peinlichen 1:11 in München ein klares Zeichen. Die Borussia ist gewappnet.

Dortmund. Die ganze Republik starrte gebannt auf den Tatort München, schließlich waren ihre Bürger und die angrenzender deutschsprachiger Länder medial bereits bestens die ganze Woche auf den „Gipfel“ eingestimmt worden. Dazu eine Medienpräsenz wie bei europäischen Final- oder Länderspielen und zwei Trainerfüchse mit unterschiedlichen Philosophien und Strategien. Es war also angerichtet in der Arena, die am 19. Mai 2012 die Kulisse für das Endspiel der Königsklasse darstellt.

Ungeachtet dessen konnten sich die Anhänger des „Außenseiters“ aus Westfalen, die ja ohnehin nur kommen durften, um gefälligst vollkommen gedemütigt die Punkte da zu lassen, auf allen Kanälen ein Bild über ihre Chancenlosigkeit machen. Besonders die übermittelten Einblendungen von der Jahreshauptversammlung der Bayern am Abend vor den Spiel zeigten die Notwendigkeit einer neuerlichen Maßregelung schonungslos auf, denn Arroganz bricht man bekanntlich nur durch Demut.

Ja, sie scheuten ja nicht einmal davor, an die beinahe exakt 40 Jahre zurückliegende 11:1-Pleite aus dem Stadion an der Grünwalder Straße zu erinnern. Überall wurde (mal wieder) lediglich über die Höhe der Niederlage gemutmaßt, die auf jeden Fall derbe ausfallen werde. Das kannten wir doch alle schon aus dem Februar-Scharmützel, das ähnlich martialisch eingeläutet wurde. Nun, das Ergebnis und die anschließend erteilte Schmach hatte wohl so ziemlich jeder Borusse im Gedächtnis, der sich bester Laune auf den Weg nach Fröttmaning machte. Denn wenn es Jürgen Klopp vor wenigen Monaten vermochte, den „Großkopferten“ so trefflich die Suppe zu versalzen, warum sollte der frischgebackene Meistertrainer das eigentlich kein zweites Mal vollbringen können?

Er hat. Und zwar nachhaltig. Und er ist sogar im Begriff die Bajuwaren gehörig das Fürchten zu lehren. Der Rekordmeister hatte es ja nie so besonders mit „Understatement“, doch bis auf den formulierten Willen, den BVB auf Distanz halten zu wollen, vernahm man von Seiten der Offiziellen nichts (Hoeneß: „Die letzte Niederlage hat mir unheimlich gestunken, weil ich vorher ziemlich das Maul aufgerissen hatte“). Diesmal keine “Abteilung Attacke“ und diesmal auch kein Spruch vom sonst immer so schlau daherkommenden Philipp Lahm („die besten deutschen Spieler sollten beim besten deutschen Verein spielen, also auch Götze und Reus“). Nun, auch nach der neuerlichen Heimniederlage taten sie sich unglaublich schwer, die erstklassige taktische Leitung, die enorme Einsatzbereitschaft und die effiziente spielerische Anlage des Gastes anzuerkennen. Wie sagte es Hans-Joachim Watzke auf der Mitgliederversammlung des BVB so schön: „Seit gestern ist alles gesagt.“

Mund abputzen – weiter! Jetzt sollte Borussia mit nun großem Rückenwind ihr Herz in die Hand nehmen und im Londoner Bezirk Islington im Stadtteil Highbury ein weiteres Kapitel großartiger BVB-Geschichte schreiben. Mit einem Sieg gegen Arsenal – der ja nicht unmöglich ist – könnte die Tür zu einem echten Finale am Nikolaustag gegen die Olympioniken aus Marseille sperrangelweit aufgestoßen werden. Ein überwintern in diesem Wettbewerb würde nicht nur die Mannschaft für ihre Meistermühen belohnen, sie würde die Attraktivität des Clubs und die wirtschaftliche Situation erheblich mehren.

Apropos mehren. Zu mehren ist auch das Konto im immer brisanten Derby. Da hat gerade unser Club noch erheblichen Nachholbedarf. Von 91 Bundesligabegegnungen gewann der BVB gerade mal 30 und damit zwei weniger als der wenig geliebte Nachbar von der Emscher. Zeit, dass sich was dreht, sang Herbert Grönemeyer so schon 2006. Ihr könnt siegen, gegen wen Ihr wollt, aber es gibt nur einen einzigen Sieg, der wirklich wie ein Sieg schmeckt: DER DERBYSIEG! Was sollen wir da viele Worte verlieren. Ihr wisst ganz genau, was zu tun ist. Jürgen Klopp, da ist sich der Autor dieser Zeilen sicher, wird euch wieder optimal einstellen. Der Rest ist Schweiß und Fleiß. Optimaler Unterstützung für beide Spiele könnt ihr euch natürlich sicher sein. Wir wissen nämlich auch, was zu tun ist. Auf geht’s!

Holger W. Sitter, 21.11.2011, (www.die-kirsche.com)