BVB profitiert vom stotternden Magath-Motor

Rutger Koch
Nach dem 3:0 von Sven Bender (Mitte) feiern Lukasz Piszczek und Mats Hummels den Torschützen. Foto: Bodo Goeke
Nach dem 3:0 von Sven Bender (Mitte) feiern Lukasz Piszczek und Mats Hummels den Torschützen. Foto: Bodo Goeke
Mit einem beeindruckenden Auftritt vor heimischer Kulisse hat Borussia Dortmund Magaths Wölfe deklassiert. Auch, weil der Motor der VW-Truppe in dieser Spielzeit noch stottert. Fast das ganze Stadion hat’s gefreut, denn Gästefans waren wenige auszumachen.

Dortmund. Vor dem Duell mit der Sportabteilung der Volkswagen AG hatte die Fanabteilung der B.V. Borussia 09 e.V. Dortmunds Gäste zu Treffen und Austausch im Biergarten der altehrwürdigen „Roten Erde“ geladen. Dem Ruf sind nicht nur einige VFL-Fans gefolgt, sondern auch der Autor dieser Zeilen. An einem grünweiß-gelbschwarz-gemischten Tisch stimmte man sich gemeinsam auf das Spiel ein.

Wie wird man eigentlich Wolfsburg-Fan?

„Sagt mal, wie wird man denn Wolfsburg-Fan? Arbeitet ihr bei VW?“ eröffne ich augenzwinkernd das Gespräch. Stille, etwas Rumdrucksen und ein kleinlautes „Ja“. So schnell kann aus einem Scherz ein Volltreffer werden. Dass der Werksclub trotz aller Geldmittel kein Volltreffer für die Bundesliga ist, bewies dann auch schon vor dem Spiel ein Blick auf die Ränge. Trotz ausverkauftem Fußballtempel blieben viele der für die Mangels Kartennachfrage in die Nord-Ost-Ecke verfrachteten Wolfsburger vorgesehenen Plätze verwaist. Ein Schelm, wer jetzt glaubt, die Karten könne mal wieder VW gekauft und trotzdem nicht an den reisewilligen Mann gebracht haben.

Ein Schelm auch, wer sich freut, dass Wölfe-Dompteur Magath noch ca. 100 Spielertransfers von der nächsten Geister-Meisterschaft entfernt ist. Soll heißen: dass der VFL grade beweist, dass nur Geld dann doch nicht immer ausreicht. Noch vor zwei Jahren hatte man ein nahezu unschlagbares Kicker-Kollektiv zusammengekauft.

Der Magath-Motor stottert

Der hochgezüchtete Volkswagen lief zwar auch damals schon mangels ernst zu nehmendem Zuschauerzuspruch auf nur 11 Zylindern, diese brachten aber eine Unmenge an Pferdestärken auf den Rasen. Vor Airbag Benaglio und den Bremskraftverstärkern Barzagli und Madlung sorgten Riether, Hasebe, Gentner und Misimovic für die richtige Übersetzung im Getriebe. Die Kotflügel der Karosse bestanden aus Pekarik und Schäfer. Ein Tritt aufs Gaspedal führte zur vollen Kraftentfaltung von Dzeko und Grafite.

Anno 2011 stottert der Wolfsburger Motor. Unter der Haube herrscht etwas Chaos, weil Magath noch nicht alle Bauteile für das neue VFL-Rennaggregat gefunden hat. Beim neuerlichen Auftritt zu Gast bei Borussia, die einen vollkommen anderen Überraschungs-Meister darstellt, als es seinerzeit die Wölfe waren, schraubte „Quälix“ den Altersdurchschnitt seines Teams in ungeahnte Höhen, indem er in der Vierkette Salihamidzic, Chris und Kyrgiakos ins Rennen schickte.

Klopps Truppe fand schnell die richtigen Mittel

Von Anfang an sollte den in die Jahre gekommenen Herren klar werden: Im Westfalenstadion wird Fußball gespielt, nicht Polo™ oder Golf™. Und im Rahmen dieses Sports ist der Ballspielverein Borussia eine stärkere Marke als VW. Klopps Truppe fand schnell das richtige Mittel im Rennen gegen den Autokonzern. Die beste Taktik, ein potentiell schnelles Auto zu schlagen, ist, ein paar formschöne Dellen reinzutreten, bevor es auf Touren kommt. Delle Nr. 1 setzte es nach gut zehn Minuten durch Mario Götze, weitere fügten Kagawa, Bender, Lewandowski und abermals Götze hinzu. Völlig verbeult tuckerte Magaths Fußball-Karosse vom Platz. In den kommenden Tagen werden wohl einige Strafrunden auf dem Werksgelände gedreht werden.

Seinen Fans hat Borussia somit am Samstag einen perfekten Fußball-Tag geschenkt. Und zwar nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Im Gegenteil: Kantersiege vor heimischer Kulisse scheinen dem Team Spaß zu machen. Wolfsburg hätte sich da im Vorfeld schon bei Augsburg oder Köln erkundigen können.

Die Woche der Wahrheit steht an

Dass es in den anstehenden Spielen zu Kantersiegen reichen wird, darf jedoch als sehr unrealistisch angesehen werden. Nach äußerst erfolgreich gestalteten englischen Wochen und einer kurzen Länderspiel-Verschnaufpause beginnt die „Woche der Wahrheit“, wenn Borussia innerhalb von nur sieben Tagen in München und London, sowie daheim zum Revier-Derby antritt.

Es bleibt also zu hoffen, dass die Länderspielreisen nicht weniger Dortmunder kein zu großes Loch in den Rhythmus reißen, den man sich in den letzten Wochen so hart erarbeitet hat. Und es bleibt zu hoffen, dass alle Schwarzgelben wohlbehalten zum Verein zurückkehren. Das Abwehr-Star Subotic der Borussia ausgerechnet in dieser Phase fehlst, ist ohnehin schon alles andere als vorteilhaft. Gute Besserung, Neven!

07.11.2011, Rutger Koch, Gib mich DIE KIRSCHE