BVB-Profi Sancho ist Dortmunds Super-Joker

Ist von der Bank eine echte Waffe: BVB-Joker Jadon Sancho (2. v. r.).
Ist von der Bank eine echte Waffe: BVB-Joker Jadon Sancho (2. v. r.).
Foto: imago

Leverkusen. Jadon Sancho grinste breit, als er vom Rasen in die Katakomben des Leverkusener Stadions kam. Und das Grinsen wurde noch ein wenig breiter, als der Angreifer von Borussia Dortmund gebeten wurde, dieses Tor noch einmal zu beschreiben. „Welches denn?“, fragte er. „Die waren doch alle schön.“ Aber natürlich wusste auch der 18-Jährige ganz genau, welcher Treffer gemeint war: das Ausgleichstor zum 2:2, bei dem Sancho die ganze Palette seines Könnens zeigte.

Tief im eigenen Strafraum nahm er den Ball mit dem Rücken zum gegnerischen Tor an, drehte sich mit einer Körpertäuschung um Wendell herum. Ein schneller Antritt, ein Pass auf Marco Reus, dann lief er Dominik Kohr davon, bekam den Ball zurück, nahm ihn mit dem ersten Kontakt mit, legte ihn mit dem zweiten zurück auf den Kapitän, der ihn unhaltbar ins Tor drosch. „Es war ein Konter“, erklärte der Torschütze. „Ich habe Marco Reus gesehen. Wir verstehen uns sehr gut, also habe ich ihm vertraut und er mir. Ich bin am ersten Spieler vorbei, dann haben wir Doppelpass gespielt und dann“ – das Grinsen wurde noch ein wenig breiter – „war es ein leichtes Tor für Marco.“

Noch leichter wurde es später für Paco Alcácer, der nach Sanchos langem Pass frei auf das Tor zulief und das 4:2 machte. In gut 20 Minuten Spielzeit hatte der junge Engländer also zwei Treffer vorbereitet. Eine starke Bilanz – aber nicht ungewohnt für Sancho. In 124 Bundesliga-Minuten hat er ein Tor geschossen und fünf vorbereitet, was ihn zum besten Torvorbereiter der Bundesliga macht – ohne einen Startelf-Einsatz. Im DFB-Pokal kam ein weiterer Assist nach einer Einwechslung hinzu. Nur im Champions-League-Spiel beim Club Brügge, als Sancho von Beginn an spielte, gelang ihm nichts Zählbares, lieferte er eine schwache Partie. Wenn er allerdings in der letzten halben Stunde gegen dann müder werdende Gegner aufs Feld gelassen wird, „bringe ich eine menge Energie ins Spiel“, wie er selbst sagt – auch gegen Leverkusen, als er Christian Pulisic ersetzte. „Christian war natürlich etwas müde, und ich kam, um der Mannschaft zu helfen“, so Sancho.

Sancho ist so etwas wie der Super-Joker der Bundesliga, was sich auch in den Zahlen zeigt: Ohne ihn hat der BVB in 416 Bundesliga-Minuten neun Tore erzielt. Mit ihm sind es zehn in nur 124 Minuten. Ist er also als Joker zu gut, um von Beginn an zu spielen? Da muss der junge Engländer selbst ein wenig lachen: „Natürlich will ich kein Einwechselspieler sein“, sagt er. „Ich muss weiter hart arbeiten und werde dann hoffentlich in die Startelf kommen.“

Dabei helfen kann ihm auch Reus, mit dem das Zusammenspiel so auffällig gut funktionierte. „Wir haben auf und neben dem Platz eine besondere Verbindung“, sagt Sancho. „Ich lese ihn, er liest mich.“ Und der Kapitän bringt seinem neuen Kollegen einiges bei: „Er hat mir gezeigt, wie man reif mit dem Ball spielt“, erklärt der 18-Jährige. „Das konnte ich nicht, als ich kam. Er bringt mir bei, ruhig zu bleiben und mein Spiel zu spielen. Das hilft sehr.“ Ein großartiger Spieler sei dieser Reus, „und ich bin froh mit ihm zusammen zu spielen“.

Umgekehrt allerdings gilt dies genauso: „Er ist eine Waffe“, hatte Reus schon vor dem Spiel geschwärmt. Diese Meinung dürfte sich kaum geändert.

 
 

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