Dortmund

Mit Königstransfer Philipp: Neuer BVB will sich vom alten Image frei machen

Daniel Berg
Borussia Dortmunds bisher teuerster Sommereinkauf: Maximilian Philipp.
Borussia Dortmunds bisher teuerster Sommereinkauf: Maximilian Philipp.
Foto: Imago

Dortmund. Singen ist schlimm. Zumindest für den einen oder anderen Fußballer.

Aber es gehört mittlerweile zu den geschätzten Aufnahmeritualen verschiedener Klubs, das jene, die neu im Verein sind, zum Einstand ein Liedchen trällern. Oder wenigstens brummen. Maximilian Philipp, Neuzugang von Borussia Dortmund, brummte eher.

Größere Freude bereitete ihm der Abend im Kreise der Mannschaft im Trainingslager in Bad Ragaz/Schweiz nur so lang, bis er selber aufgerufen war. Er trug einen Song des österreichischen Schlagersängers Andreas Gabalier vor.

„Hulapalu“ – ein Fantasiewort. Eines, unter dem man sich nichts so recht vorstellen kann. Genau so geht es vielen Fans des DFB-Pokalsiegers mit jenem Maximilian Philipp auch.

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20-Millionen-Einkauf Maximilian Philipp als Königstransfer

Dabei ist der 23-Jährige gemessen an den Zahlen der schwarz-gelbe Königstransfer dieses Sommers. 20 Millionen Euro bezahlte der BVB an den SC Freiburg, um sich die Dienste des U21-Europameisters zu sichern.

Für niemanden gaben die Westfalen mehr aus. „Ich kann dafür nichts. Ich will eigentlich nur Fußball spielen“, sagt er.

Doch es ist exakt dieser Transfer und die Summe, die die Borussia im Wettstreit mit dem Vizemeister RB Leipzig zu zahlen bereit war, die dokumentieren, wie konsequent der Tabellendritte der Vorsaison seinen Weg als Talentförderungsfabrik und Spielerentwicklungsstation fortsetzt.

Borussia Dortmund setzt Weg konsequent fort

Neben Philipp kamen der Gladbacher Feingeist Mahmoud Dahoud (21) sowie die französische Innenverteidiger-Hoffnung Dan-Axel Zagadou (18/Paris Saint-Germain II). Nur Innenverteidiger Ömer Toprak (28/Leverkusen) ist das Alter betreffend etwas aus der Art geschlagen.

Philipp gehört nun einer der beachtlichsten Angriffsreihen Europas an. Der Freistoßspezialist kann auf jeder Position in der Offensive eingesetzt werden. Er ist potenzieller Ersatz Pierre-Emerick Aubameyangs, des Torjägers, der den Wunsch geäußert hatte, den Verein zu verlassen, um seinen Titel als Torschützenkönig der Bundesliga gegen Gold aufwiegen zu lassen.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er nun doch bleiben.

Reus fällt bis Februar 2018 aus

Um Aubameyang herum wirbeln der in beachtlicher Frühform befindliche Ousmane Dembélé, An­dré Schürrle, Christian Pulisic, Shinji Kagawa, der nach Monaten des krankheitsbedingten Fehlens viel versprechend zurückgekehrte Mario Götze und mutmaßlich ab Februar auch wieder Marco Reus.

„Respekt ist da, keine Frage. Aber ich will spielen, ich bin kein ganz Schlechter“, sagt Maximilian Philipp. Den Ausfall von Reus, der sich im DFB-Pokalfinale einen Kreuzbandteilriss zuzog, soll er kompensieren helfen.

„Klar, es gibt Ähnlichkeiten, aber ich denke, unsere Spielweisen unterscheiden sich auch. Marco kommt lieber über die Außen mit seiner Schnelligkeit, ich fühle mich im Zentrum wohler.“

Bosz Verfechter der 4-3-3-Ordnung

Jene Lieblingsposition in der offensiven Mitte wird es aber gar nicht mehr geben. Das Spielsystem des neuen Trainers Peter Bosz sieht die Planstelle eines Spielmachers nicht vor, da der Niederländer ein vehementer Verfechter einer 4-3-3-Ordnung ist.

In dieser ist kultiviertes Ballbesitzspiel das Ziel, wie es unter Bosz’ Vorgänger Thomas Tuchel, der wegen allerhand atmosphärischer Störungen entlassen wurde, auch war.

Geht der Ball verloren, soll das Spektakel beginnen: Binnen fünf Sekunden soll der Ball zurückerobert sein. Es beginnt dann eine abenteuerliche Jagd.

Der Stil erinnert an Klopp

In diesen Augenblicken erinnert das BVB-Spiel an die Zeit unter Jürgen Klopp. Aggressiv und früh soll der Gegner unter Druck gesetzt werden. Die Fehlertoleranz ist dabei gering.

„Es wird wichtig sein, dass die ganze Mannschaft das gemeinsam umsetzt. Wenn man diese aggressive Spielweise mit viel Druck nicht gemeinsam umsetzt, dann gibt es Probleme“, sagt Bosz.

Er sagt, dass es dauern kann, dieses System stabil zu bekommen. Bislang erweist sich die Defensive noch als wacklig. Derzeit ist Bosz Tag für Tag dabei, seinen Profis zu zeigen, wie es besser geht.

„Ich weiß, wo ich hin will, und da kommen wir auch hin, aber Schritt für Schritt“, sagt Bosz.

Neuer BVB will sich vom alten frei machen

Natürlich weiß auch er, dass Zeit ein rares Gut ist bei einem Klub, dessen Erwartungshaltung Siege sind, der sich wieder für die Champions League qualifizieren, den DFB-Pokal gewinnen, in der Königsklasse überwintern will.

Die Menschen werden genau hinschauen, wie es bei diesem Klub weitergeht, der in der vergangenen Saison durch öffentliche Streits auffiel. Am liebsten will sich der neue BVB vom alten frei machen.

Und einfach nur spielen. Wie Maximilian Philipp.

Prognose: Um die Bayern im Meisterrennen herauszufordern, dürfte dem BVB noch ein bisschen was fehlen. Reichlich Potenzial ist vorhanden. Entscheidend ist, wie Bosz es auf den Platz bekommt.