BVB-Neuling Milos Jojic mit verheißungsvollem Auftritt gegen VfL Wolfsburg

Milos Jojic von Borussia Dortmund (r.) und Junior Malanda (l.) vom VfL Wolfsburg kämpfen um den Ball.
Milos Jojic von Borussia Dortmund (r.) und Junior Malanda (l.) vom VfL Wolfsburg kämpfen um den Ball.
Foto: imago
Milos Jojic, im Winter gekommen, wurde während des Spiels von Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg (2:1) eingewechselt - und zeigte, dass der BVB mittelfristig viel Freude an ihm haben könnte. Deutlich weniger Freude hatte aus Dortmunder abermals die Anfangsphase des Spiels gemacht.

Dortmund.. Nuri Sahin verließ das Dortmunder Stadion wie ein geprügelter Boxer, leicht humpelnd und mit einem Veilchen am Auge - die Erinnerung an ein Luftduell mit dem Ex-Mannschaftskameraden Ivan Perisic, der aber auf der anderen Seite stand, als Borussia Dortmund den VfL Wolfsburg mit 2:1 besiegte.

Wenig später strebte Milos Jojic schnellen Schrittes dem Ausgang entgegen, im Gesicht ein breites Grinsen. Nur mit den wartenden Journalisten sprechen wollte der 22-jährige Serbe nicht, sein Deutsch sei noch nicht gut genug.

So wechselhaft wie die beiden zentralen Mittelfeldspieler hatte sich der gesamte BVB am Samstagabend präsentiert. In den ersten 45 Minuten, als Sahin auf dem Platz stand, präsentierte sich der BVB äußerst zerfahren, im Offensivspiel lief wenig zusammen und defensiv wurden den Wölfen erschreckend große Räume geboten.

Doppel-Lattentreffer von Wolfsburgs Ivica Olic

"Das war keine gute Halbzeit von uns und wir haben natürlich Glück gehabt, dass Wolfsburg nicht 2:0 oder 3:0 zur Halbzeit führt", schimpfte Marco Reus. Denn die Gäste waren mit ihren Torchancen überaus schludrig umgegangen, allen voran Stürmer Ivica Olic - trotz seines Führungstreffers in der 34. Minute. In der 10. Minute brachte er den Ball aus knapp einem Meter nicht im leeren Tor unter und eine halbe Stunde wurde es noch grotesker, als der Kroate den Ball aus kürzester Distanz an die Latte bugsierte, von wo aus die Kugel an Olic' Oberschenkel und dann wieder an die Latte sprang.

"Heute war es richtig schwer", klagte Erik Durm. "Denn die Wolfsburger, egal ob de Bruyne oder Perisic, ich glaube nicht, dass da irgend einer kein Fußball spielen kann. Die sind alle überragend." Sebastian Kehl dehnte das Lob noch auf den defensiven Teil des Mittelfelds aus: "Luis Gustavo ist von Bayern München gekommen, er hat wahnsinnige Qualität, sagte der BVB-Kapitän."Und Malanda habe ich heute auch das erste Mal hautnah erlebt. Der steht schon seinen Mann."

Das bekam neben Sebastian Kehl auch Nuri Sahin zu spüren, der sich gegen die beiden athletisch ungeheuer starken Abräumer sichtlich schwer tat. Weil ihm die Antrittstärke fehlte, sich deren Druck zu entziehen, ließ sich der türkische Nationalspieler immer wieder weit nach hinten fallen - und fand sich teilweise noch hinter den Manndeckern wieder. Darunter litt das Aufbauspiel des BVB erkennbar - wie auch unter der Tatsache, dass sich Kehl und Sahin auch mit den Defensivzweikämpfen schwer taten.

Hummels über Klopps Umstellung - "Der Trainer hat ein bisschen was verändert"

BVB-Trainer Jürgen Klopp konnte die erste Halbzeit nicht gefallen haben, dementsprechend dürfte es zur Halbzeit in der Kabine ein wenig lebhafter zugegangen sein. "Er hat uns einfach nur gesagt, dass wir uns den Arsch aufreißen sollen", verriet Linksverteidiger Erik Durm. "Laufen, laufen, laufen und defensiv arbeiten." Doch Klopp nahm auch einige Änderungen vor, brachte Jojic für den blass gebliebenen Sahin und Durm für den komplett enttäuschenden Pierre-Emerick Aubameyang.

"Natürlich hat der Trainer mit der Systemumstellung ein bisschen was verändert, wir sind mehr ins Risiko gegangen mit nur einem Sechser", erklärte Innenverteidiger Mats Hummels. "Aber das Wichtigste war, dass uns einfach als Mannschaft klar wurde, dass wir einfach komplett Vollgas geben müssen. Das haben wir auch sehr gut umgesetzt." Und Reus ergänzte: "Wir wussten, dass wir einfach unseren BVB-Fußball zeigen müssen, mit Leidenschaft, Kampf und Selbstbewusstsein."

Und diese Tugenden wurden dieses Mal vom eingewechselten Jojic brillant verkörpert. Der Winterneuzugang tat dem BVB-Spiel mit seiner Dynamik erkennbar gut, seine Vorstöße belebten das Dortmunder Spiel deutlich. Es war nicht nur, aber auch ihm zu verdanken, dass das Dortmunder Spiel deutlich energischer und wieder wie jenes Heavy Metal daherkam, mit dem Trainer Klopp den Stil seiner Mannschaft so gerne vergleicht - schwungvoll, aggressiv, hin und wieder etwas wild, aber stets mit vollem Einsatz.

Es war eine mehr als ordentliche Vorstellung auf jener Position, auf der der langzeitverletzte Ilkay Gündogan in dieser Saison so schmerzlich vermisst wird - auch weil Sahin dessen Abwesenheit nie vollständig kompensieren konnte, ihm fehlt es an der Schnelligkeit und Unberechenbarkeit des deutschen Nationalspielers. Jojic bewies am Samstagabend das Potenzial, zumindest mittelfristig in diese Rolle hineinzuwachsen.

BVB-Kapitän Sebastian Kehl fehlt im Rückspiel gegen Real Madrid

Auch kurzfristig allerdings gibt es eine Vakanz im BVB-Zentrum, Kapitän Kehl ist nach der dritten Gelben Karte in der Champions League für das Viertelfinalrückspiel am Dienstagabend gegen Real Madrid (20.45 Uhr, live in unserem Ticker) gesperrt und allzu viele Alternativen gibt es neben Jojic nicht. Allerdings steht zu vermuten, dass Trainer Klopp gegen als Ersatz für den defensiv orientierten Kehl statt auf den jugendlichen Sturm und Drang eines Jojic lieber auf die Erfahrung eines Oliver Kirch setzt.

Doch auch wenn er am Dienstag nicht zum Zug kommen sollte - es wird mit Sicherheit nicht der letzte Auftritt Jojic' im schwarz-gelben Trikot gewesen sein. Und auch mit den Interviews wird es bald sicher besser klappen.

 
 

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