BVB ist vor dem Endspiel in Marseille um gute Laune bemüht

„Wir sind sehr glücklich, es in der eigenen Hand zu haben:“ BVB-Trainer Jürgen Klopp gibt sich vor dem Champions-League-Spiel in Marseille guter Dinge.
„Wir sind sehr glücklich, es in der eigenen Hand zu haben:“ BVB-Trainer Jürgen Klopp gibt sich vor dem Champions-League-Spiel in Marseille guter Dinge.
Foto: AFP
Borussia Dortmund kämpft am Mittwoch bei Olympique Marseille um das sportliche Überleben in der Champions League. Und obwohl die Stammelf mal wieder eine neue sein wird, womöglich mit Kevin Großkreutz in der Innenverteidigung, versucht BVB-Trainer Klopp das Positive an der Situation hervorzuheben.

Marseille.. Im Hafen von Marseille liegen dicht an dicht die weißen Schiffchen im wellenlosen Wasser. Am Ufer dreht sich ein Riesenrad, darunter blinken die abendlichen Lichter des Weihnachtsmarktes. Diese kleine Party-Kulisse ist eigentlich wie gemacht für die Reisegruppe, die sich seit dem Nachmittag in der Stadt befindet und unweit des Hafens ihr Quartier bezogen hat: die Fußballspieler von Borussia Dortmund.

Doch die Zeiten haben sich ein wenig geändert. „Wir haben drei unfassbare Jahre gehabt, in denen eine Party die nächste gejagt hat“, sagt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke auf seiner Reise nach Südfrankreich. Meister, Meister, Pokalsieger, Champions-League-Finalist. „Dass das nicht 20 Jahre lang so bleiben würde, war klar. Aber ich bin zuversichtlich.“

Zuversichtlich, dass am Mittwochabend (20.45 Uhr/live in unserem Ticker), wenn Schwarz-Gelb bei Olympique Marseille zum letzten und entscheidenden Gruppenspiel der Champions League antritt, nicht die vielen schönen Millionen der kommenden Runden und das in der vergangenen Saison eingespielte internationale Renommee im Mittelmeer versenkt werden. Darum geht es an diesem Abend. Es ist richtungweisender Abend.

Nur ein Sieg garantiert das Weiterkommen

Zwischen all den schönen und teuren europäischen Yachten war die Borussia im vergangenen Jahr so etwas wie das Liebhaberstück schlechthin. Der Preis: unermesslich. Bis ins Finale von London schaffte es das Sportboot unter den Augen der versammelten Fußball-Welt. Etwas mehr als ein halbes Jahr später hat der schwarz-gelbe Kutter bisweilen an Geschwindigkeit und Ästhetik eingebüßt. In der Liga hatte er zuletzt bedenkliche Schlagseite, in der Königsklasse könnte er vollends kentern. Nur ein Sieg in Marseille garantiert den Einzug ins Achtelfinale. Reicht es dazu nicht, darf gleichzeitig Neapel im Spiel gegen London nicht mehr Punkte holen als der BVB. „Das ist eine gefährliche Situation“, sagt Sebastian Kehl.

Kehl ist der Kapitän dieser Mannschaft und einer der wenigen, die sich zur Stunde bester Gesundheit erfreuen. Das Abwehrzentrum mit Mats Hummels und Neven Subotic? Verletzt. Die gestaltenden und zerstörenden Kräfte des zentralen Mittelfelds wie Ilkay Gündogan und Sven Bender? Verletzt. Nuri Sahin trat den Weg nach Marseille trotz seines Außenbandteilanrisses im rechten Sprunggelenk erwartungsgemäß mit an, zog sein Rollköfferchen auf der Reise ohne zu humpeln hinter sich her. Ob er spielen kann wird erst in den Stunden vor dem Spiel entschieden werden. Das Abschlusstraining absolvierte er. „Noch ist keine Entscheidung gefallen. Wir werden nichts riskieren, aber wenn es bei ihm geht, wäre es gut“, sagt Jürgen Klopp. Der Trainer hofft auf Sahin und muss ansonsten die Probleme lösen, die ihm das Verletzungspech sonst so eingebracht hat.

Besonders in der Verteidigung sind ihm die Spieler abhanden gekommen, da Sven Bender, der Not-Ersatz für den Ersatz, ausfällt. Damit dürfte Kevin Großkreutz erster Anwärter auf den Platz neben dem Zweikampfungetüm Sokratis sein, da die Alternative die unerfahrenen Jungspunde Marian Sarr und Koray Günter sind. Lukasz Piszczek könnte dann wieder auf seine angestammte rechte Abwehrseite.

Watze verbreitet Zuversicht

Fernab aller personeller Rochaden sagt Hans-Joachim Watzke: „Wir werden schon noch ein paar Jungs finden, die ganz gut kicken können.“ Und wenn es doch schiefgeht gegen den Tabellenletzten, dem ebenfalls vier Stammkräfte fehlen werden? „Der FC Chelsea ist im vergangenen Jahr sogar als Titelverteidiger in der Vorrunde ausgeschieden und hat das Fußballspielen trotzdem nicht eingestellt“, sagt Watzke. Der Londoner Klub stieg aus der Königsklasse in die Europa League ab – und gewann diese im vergangenen Mai. Im schlechtesten Fall ist das eine Vorstellung, an die sich der schwarz-gelbe Amüsierbetrieb in Marseille klammern kann.

EURE FAVORITEN