BVB hatte gegen Arsenal ein Déjà-vu mit Mini-Happy-End

Kollektiver Jubel nach dem späten Ausgleich: Fans und Mitspieler von Borussia Dortmund feierten Ivan Perisic nach seinem herrlichen Treffer zum 1:1 gegen Arsenal London. Foto: Getty Images
Kollektiver Jubel nach dem späten Ausgleich: Fans und Mitspieler von Borussia Dortmund feierten Ivan Perisic nach seinem herrlichen Treffer zum 1:1 gegen Arsenal London. Foto: Getty Images
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Dortmund.. Auch wenn sich am Ende alle glückselig in den Armen lagen: Das hochverdiente Remis der Borussen gegen Arsenal London hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn BVB-Anhänger fühlten sich am Dienstagabend zu Beginn der Champions League an die Dortmunder Europapokalspiele aus dem Vorjahr erinnert.

89 Minuten lang lieferte die Borussia bei der Rückkehr in die Champions League eine Dublette ihrer letztjährigen Auftritte in der Euroleague ab. Ein international hochgewetteter Gegner wurde phasenweise beherrscht, mit ein wenig mehr Cleverness und etwas Glück hätte der BVB 2 oder 3 zu Null führen können. Der Kontrahent jedoch wartet kühl auf seine Chance, die ihm ein Dortmunder mit einem unfassbaren Fehlpass auf dem Silbertablett serviert, macht sein Törchen und stellt in aller Seelenruhe den Spielverlauf auf den Kopf.

Das kannten wir bereits, davon hatten wir die Nase voll. Es gibt Déjà-vus, die braucht kein Mensch. Und der Fußballgott hatte tatsächlich ein Einsehen, vermutlich dachte er sich: „Das kannst du nicht schon wieder machen.“ So bescherte er Borussia Dortmund und seinen Anhängern ein Happy End in Gestalt von Ivan Perisic, der mit einem Hammer-Tor kurz vor Schluss den mehr als verdienten Ausgleich erzielte. Wahnsinn, überschäumende Freude auf dem Rasen, auf den Rängen wurde gefeiert wie einst im Mai.

Friede, Freude, Eierkuchen also? Ich finde nicht, denn unterm Strich hat der BVB ganz klar zwei Punkte verloren, die in der Endabrechnung bitter fehlen könnten. Unbenommen ist Arsenal London eine Topmannschaft, nicht umsonst seit Jahren Stammgast in der Champions League. Ungeachtet der Ausfälle und Abgänge sind die ‘Gunners’ gespickt mit phantastischen Individualisten, die einen wirklich feinen Fußball auf den Rasen bringen. Und doch sind sie ein ganzes Stück entfernt von jenem Arsenal London, das im Februar den großen FC Barcelona mit 2:1 entzauberte. Nein, das Arsenal vom Dienstag war ein anderes und es war schlagbar. Und der BVB versäumte es, diesen Umstand auszunutzen. Es könnte gut sein, dass wir Arsenal „so günstig“ nicht mehr kriegen und dieser verpassten Chance noch nachtrauern werden.

Ungeachtet der phasenweise wirklich ansprechenden Leistung der Borussen muss sich der Betrachter nach Ablegen der schwarz-gelben Brille eingestehen, dass diese Mannschaft im Moment ein gutes Stück von dem entfernt ist, was sie noch vor wenigen Monaten zu leisten imstande war. Die ehedem so stabile Defensive erlaubt sich eindeutig zu viele Schnitzer, auch wenn sie gegen Arsenal London bis auf einen keine Folgen hatte. Was Neven Subotic und Mats Hummels derzeit im Aufbauspiel an haarsträubenden Abspielfehlern produzieren, geht langsam auf keine Kuhhaut mehr. Linksverteidiger Marcel Schmelzer müht sich zwar redlich, doch seinen Vorstößen fehlt jede Präzision, seine Flanken mag man nur mit viel Wohlwollen als solche bezeichnen. Symptomatisch jene Szene knapp zehn Minuten vor Ende, als er aus guter Position im Strafraum weder Tor noch Mitspieler anvisierte, sondern einen Mondball ins Nirwana trat. Das tat weh.

Ebenso wie der Auftritt unseres Mannschaftskapitäns. Zwanzig Minuten lang sah es so aus, als würde Sebastian Kehl als Häuptling seine Indianer in eine famose Schlacht führen können, ehe sich kleine Patzer einschlichen, die in einem großen mündeten. Sein mitleiderregendes Pässchen wurde umgehend bestraft, die Borussia durch diesen Aussetzer um den verdienten Lohn gebracht und mit einem Rückstand bestraft, der komplett unnötig war.

Damit war auch der Schwung der Anfangsphase dahin, in dem sich der BVB wieder einmal als Großmeister im Auslassen erstklassiger Torchancen präsentierte. Lewandowski vergab eine, hatte jedoch schlichtweg Pech, dass seine nahezu perfekte Aktion von Arsenal-Verteidiger Sagna im letzten Moment zerstört wurde, der den Ball von der Torlinie kratzte. Aber wie leichtfertig Großkreutz und Kagawa ihre Einschussmöglichkeiten in den Nachthimmel jagten, ist auf diesem Niveau einfach zu wenig. Nein, dass mussten natürlich keine Tore sein, aber etwas mehr hätte schon herausspringen dürfen.

Bei näherer Betrachtung der Offensivleistung muss man sich langsam die Frage stellen, ob unser geschätzter Trainer nicht unbewusst einigen Akteuren eine Vorzugsbehandlung einräumt. Kevin Großkreutz beispielsweise bewarb sich wie schon gegen Hertha BSC nachdrücklich um einen Platz auf der Bank, ehe ihn Jürgen Klopp nach 69 Minuten mit der Auswechslung erlöste. Großkreutz steckt eindeutig in einem Formtief, es muss die Frage erlaubt sein, ob er unbedingt auf dem Platz und als Stammspieler aus diesem Loch herausfinden muss. Ivan Perisic hätte längst eine Chance von Beginn an verdient gehabt, und das nicht wegen seines herrlichen Treffers gegen Arsenal. Sondern weil er das Angriffsspiel belebt, was man von Großkreutz momentan nicht behaupten kann.

Positiv festzuhalten bleibt, dass sich die Mannschaft unverdrossen gegen die drohende Niederlage stemmte. Das Remis hat sie sich nicht unbedingt erarbeitet, sondern am Ende eher ertrotzt. Immerhin. Dennoch bleibt für mich der fade Beigeschmack, dass mehr drin gewesen wäre. Und die Befürchtung, dass sich dieser eine Punkt unterm Strich als zu wenig erweist. Hoffentlich liege ich mit dieser Prognose mal so richtig daneben!

Uli Vonstein (www.gibmich-diekirsche.de), 14. September 2011

 
 

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