BVB erhält 37 Millionen Euro für Götze - aber wer geht noch?

Thorsten Schabelon
Zwei Meistertitel feierte Mario Götze mit Borussia Dortmund.
Zwei Meistertitel feierte Mario Götze mit Borussia Dortmund.
Foto: Federico Gambarini / afp
Der FC Bayern trifft seinen Rivalen Borussia Dortmund mit der spektakulären Verpflichtung von Fußball-Juwel Mario Götze zur Unzeit mitten ins Herz. Einen Tag vor dem Champions-League-Halbfinale des BVB gegen Madrid sickerte der Coup durch. BVB-Geschäftsführer Watzke ist „über alle Maßen enttäuscht“.

Dortmund. Opa Willi im Allgäudörfchen Günzach ahnte was: „Der Mario hat früher in Bayern-Bettwäsche geschlafen“, hat der Großvater von Mario Götze mal verraten. Den plötzlichen Wechsel zu Bayern München konnte aber auch der Senior nicht vorausgesehen. „Was soll er da? Auf der Bank sitzen?“, fragte Opa Willi. Nun ja, sein Enkel ist mit gerade 20 Jahren gestandener Bundesliga-Profi, Nationalspieler und eines der größten Fußballtalente der Welt. Und vor allem der Wunschspieler des neuen Bayern-Trainers Pep Guardiola. Das intensivierte Interesse aus dem Süden war den Verantwortlichen von Borussia Dortmund in den letzten Wochen keineswegs verborgen geblieben. Die Umstimmungsversuche zeigten aber keine Wirkung. „Wir sind über alle Maßen enttäuscht“, sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der einen Spieler abgeben muss, der aus der eigenen Jugend kommt und eine Weltkarriere vor sich hat.

Götze-Berater wird in der Szene „Mister Klausel“ genannt

Letzte Woche hatten Götze und sein in der Szene „Mister Klausel“ genannter Berater Volker Struth den BVB informiert, dass der 20-Jährige im Sommer zu Bayern München wechseln werde. Für 37 Millionen Euro Ablöse. Eine Ausstiegsklausel im bis 2016 datierten BVB-Vertrag macht das möglich. „Hätten wir die Klausel 2012 nicht akzeptiert, hätte Mario nicht vorzeitig verlängert“, verriet ein BVB-Offizieller. Damals waren die Verhandlungen fast schon gescheitert.

Ein im Fußball alles andere als ungewöhnliches Geschäft, ein Transfer zwischen zwei Klubs. „Es ist schade, aber es war seine Entscheidung“, sagte gestern ein Mitspieler von Mario Götze.

Was irritiert, sind die Nebenwirkungen. „Von Bayern München hat sich bis zum heutigen Tag in dieser Angelegenheit kein Offizieller bei Borussia Dortmund gemeldet“, monierte der BVB gestern in einer Pressemitteilung. Das Prozedere hatten die Dortmunder beim Millionen-Ankauf von Marco Reus vor einem Jahr anders gehandhabt und die Gladbacher kurz nach der Zusage des Spielers informiert.

Noch ärgerlicher ist für den BVB der Zeitpunkt der Veröffentlichung: Am Tag vor dem wichtigen Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid. „Vier Stunden vor dem Anpfiff wäre noch ärgerlicher gewesen“, sagte am Dienstag Jürgen Klopp betont sarkastisch.

„Mit Rücksicht auf das Halbfinale wollte der FC Bayern dies erst nach dieser Begegnung gegenüber dem BVB anzeigen“, versuchten die Bayern zu erklären. Ohne Erfolg.

Götze-Schlagzeilen lenken von den Steuerproblemen von Uli Hoeneß ab

In Dortmund wird vermutet, ja unterstellt, dass Uli Hoeneß die Finger im Spiel hatte. Ein Intimus des Bayern-Präsidenten schrieb die Geschichte für die Bild-Zeitung. Und die Götze-Schlagzeilen lassen nicht nur die Bayern-Fans jubeln, sondern lenken auch von den Steuerproblemen von Uli Hoeneß ab. Zudem bringt die Personalie Unruhe in die Spielvorbereitung der Dortmunder, die sich als neuer Rivale der Bayern etabliert haben. Gerade erst hatte Hoeneß vor spanischen Verhältnissen mit zwei dominanten Spitzenklubs gewarnt und betont, andere Klubs nicht mehr schwächen zu wollen. Jetzt macht der FC Bayern den „FC Buy-ern“ und kauft groß beim Konkurrenten ein.

„Die Bayern sind und bleiben der größte Trickserklub unter der Sonne“, sagte einer, der beim BVB sehr viel zu sagen hat, gestern dieser Zeitung.

Jürgen Klopp versuchte, den Fokus aufs Spiel zu drehen. „Wer uns stören wollte, soll damit keinen Erfolg haben. Ich wünsche mir eine „Jetzt-erst-Recht“-Stimmung“, forderte der BVB-Trainer für Mittwochabend die bedingungslose Unterstützung der Fans ein.

„Super Mario“ Götze dürfte durch den Wechsel und den neuen Fünfjahresvertrag sein Gehalt auf zehn Millionen Euro verdoppeln. Besonders reizvoll wird für den Mittelfeldspieler die Chance sein, als zentraler Baustein im Konzept von Ex-Barca-Trainer Pep Guardiola eine Ära mitbegründen zu können: Als deutscher Messi des spanischen Erfolgstrainers.

BVB wird Lewandowski 2013 wohl nicht an die Bayern verkaufen

Die Dortmunder erhalten 37 Millionen Euro, mit denen sie ihren Kader verstärken können. Ein Kandidat soll der Däne Christian Eriksen (21) von Ajax Amsterdam sein. Beim BVB muss man aber erst mal schauen, wer noch wechselt. Einer der begehrtesten Leistungsträger, so erfuhr unsere Zeitung, soll mit dem Gedanken spielen, dem Werben eines spanischen Spitzenklubs nachzugeben. Bei Robert Lewandowski deutet sich dagegen an, dass er bis Vertragsende 2014 bleibt. „Für den können die Bayern 100 Millionen bieten. Den geben wir ihn im Sommer nicht“, stellte ein BVB-Offizieller klar.