BVB blickt zufrieden zurück und kämpferisch nach vorne

Foto: Bongarts/Getty Images
0:2 gegen den FC Bayern München, ein reguläres Tor aberkannt - der Frust saß tief bei Spielern und Verantwortlichen von Borussia Dortmund. Und doch betonten sie ihre Zufriedenheit mit der abgelaufenen Saison - und schickten eine Kampfansage gen Süden.

Berlin. Es war nur ein kleiner Lapsus, der den Veranstaltern unterlaufen war: "Ballsportverein Borussia" prangte in großen weißen Lettern auf einigen der Säulen im Kraftwerk, jener Location in Berlin Kreuzberg, in der Borussia Dortmund am Samstagabend feierte - und nicht Ballspielverein, wie es richtigerweise hätte heißen müssen.

Ansonsten aber war der Veranstaltungsort eine erstklassige Wahl, mit stimmiger Dekoration, gutem Catering und hervorragender Musik. Ausgelassene Stimmung wollte dennoch nicht aufkommen, zu sehr drückte die vorangegangene 0:2-Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen den gegen den FC Bayern München auf die Stimmung der anwesenden Spieler und geladenen Gäste.

"Hätten wir in Topform gespielt, hätten wir gewonnen, da bin ich sicher", trauerte etwa Mats Hummels der verpassten Gelegenheit noch im Stadion nach. "Das war leider zu einem schlechten Zeitpunkt eine etwas schwächere Leistung, auch wenn es keine schlechte war."

Die BVB-Verantwortlichen mühten sich schon kurz nach Abpfiff, die Saisonbilanz nicht durch die Niederlage zum Abschluss verhageln zu lassen. "Ich habe schon vorher gesagt, dass wir mit der Saison, mit all den Problemen, die wir im Laufe des Jahres hatten, sehr zufrieden sind", sagte Manager Michael Zorc in den Katakomben des Münchner Olympiastadions. "Der zweite Tabellenplatz und die dritte Finalteilnahme nacheinander, immer gegen Bayern München, das ist in Ordnung. Auch in der Champions League haben wir uns gut verkauft."

BVB-Trainer Jürgen Klopp lobt Saisonentspurt seines Teams

Tatsächlich war es keine einfache Saison aus Dortmunder Sicht, vor allem im Herbst 2013 kam es für den BVB knüppeldick: Kurz nacheinander mussten sich Jakub Blaszczykowski (Kreuzbandriss), Neven Subotic (Kreuz- und Innenbandriss) und Mats Hummels (knöcherner Sehnenabsriss am rechten Fersenbein) und Marcel Schmelzer (Muskelfaserriss) längerfristig vom Spielbetrieb abmelden. Lukasz Piszczek erholte sich von seiner Hüftoperation, Ilkay Gündogan plagte sich seit Wochen mit einer rätselhaften Rückenverletzung, die ihn für nahezu die komplette Saison außer Gefecht setzen sollte. Inklusive des zu Bayern München gewechselten Mario Götze fehlten dem BVB so sieben Stammspieler, die im Sommer das Champions-League-Finale gestritten hatte.

In der Bundesliga war der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München nach dem 0:3 im eigenen Stadion schon auf sieben Punkte angewachsen. Und auch in der Champions-League drohte nach Niederlagen gegen den SSC Neapel (1:2) und den FC Arsenal (0:1) das Aus in der Gruppenphase. Auf der letzten Rille trudelte die Mannschaft in die Winterpause - aus der sie aber in beeindruckender Form zurückkehrte. "Diese Mannschaft ist ohne sieben aus dem letztjährigen Finale ins Viertelfinale der Champions League eingezogen", betonte Trainer Jürgen Klopp auf der abendlichen Feier. "Diese Mannschaft hat Platz zwei in der Bundesliga erreicht, überragend souverän nach hinten raus, weil sie mit allen Problemen hervorragend umgegangen ist."

Borussia Dortmund "ist so charakterstark"

Weil Neuverpflichtung Sokratis den verletzten Subotic in der Innenverteidigung nach einigen "Anpassungsmomenten" (Klopp) mit resoluter Verlässlichkeit vertrat. "Er ist in der Mannschaft sehr beliebt, und letzte Woche hat er sogar zweimal gelächelt", freute sich Klopp.

Oder weil Kevin Großkreutz zunächst als Vertreter von Rechtsverteidiger Piszczk und dann auf allen anderen Positionen, auf denen er gebraucht wurde, eine starke Saison spielte. Weil Robert Lewandowski sich nach seinem geplatzten Wechsel zum FC Bayern nicht hängen ließ, sondern stets Vollgas gab und sich zum Lohn die Torjägerkrone holte. Weil Torwart Roman Weidenfeller und Marco Reus eine überragende Saison spielte, weil sich Winterneuzugang Milos Jojic in rasender Geschwindigkeit integrierte und weil mit Oliver Kirch ein fast schon in Vergessenheit geratener Spieler plötzlich groß aufspielte.

"In der Liga und der Champions League ist alles in Ordnung", war denn auch Mats Hummels versöhnlich gestimmt. "71 Punkte mit den Problemen, die wir hatten, sind sehr gut, Champions-League-Viertelfinale auch." Und Jürgen Klopp garnierte seine Ansprache auf der abendlichen Feier mit einer Kampfansage: "Wir kommen definitiv wieder, diese Mannschaft ist so charakterstark", versprach er. "Egal, wer uns weggenommen wird, wir holen neue Jungs dazu. Alles wird gut."

 
 

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