BVB auf dem Weg ins Finale - Lewandowski schießt Real ab

Thorsten Schabelon
Ein weiterer denkwürdiger Abend: Der BVB besiegte Real Madrid mit 4:1 - Jakub Blaszczykowski (v. l.), der vierfache Torschütze Robert Lewandowski und Neven Subotic feiern.
Ein weiterer denkwürdiger Abend: Der BVB besiegte Real Madrid mit 4:1 - Jakub Blaszczykowski (v. l.), der vierfache Torschütze Robert Lewandowski und Neven Subotic feiern.
Foto: Odd Andersen / afp
Der nächste historische Abend in der Champions League! Nach dem FC Bayern steht auch Borussia Dortmund mit einem Bein im Endspiel. Der BVB verprügelte Real Madrid mit 4:1 - Stürmer Robert Lewandowski erzielte alle vier Tore für die Borussia.

Dortmund. Borussia Dortmund ist in der Champions League weiter mit vollem Tempo auf der „Road to Wembley“, auf der Straße zum Finale der Königsklasse am 25. Mai in London, unterwegs. Mit einem unglaublichen Viererpack hat BVB-Torjäger Robert Lewandowski am Mittwochabend beim 4:1 im Halbfinal-Hinspiel Real Madrid allein erlegt.

Das zwischenzeitliche 1:1 gelang Cristiano Ronaldo. Mit dem Vorsprung im Gepäck und extrem viel Selbstbewusstsein nach der zweiten deutsch-spanischen Nacht in zwei Tagen reist der BVB zum Rückspiel am Dienstag in Madrid (Dienstag, 20.45 Uhr, live in unserem Ticker).

Mario Götze legt Robert Lewandowski das erste BVB-Tor auf

Die Fan-Choreographie, die die Spieler von Borussia Dortmund beim Einlaufen begrüßte, war am Mittwoch Wunsch und Befehl der zugleich. „Der Spieler rennt, das Stadion brennt“, stand da zu lesen. Und die schwarzgelben Fans gingen beim ersten Champions-League-Halbfinale des BVB seit 15 Jahren in Vorleistung, machten richtig Stimmung beim Abend mit Königsklassenwetter. Während die Luft angenehm warm war, ging es auf dem Rasen gleich heiß zu. Bissig, leidenschaftlich und intensiv wurden die Zweikämpfe geführt, wurde um jeden Meter gekämpft.

Siebte Minute: Bei einem harten, aber fairen Tackling legt Sven Bender seinen Nationalmannschaftskollegen Sami Khedira flach, erobert im Mittelfeld den Ball. Bundestrainer Joachim Löw hat auf der Tribüne seinen Spaß. Beim Konter ist Marco Reus allein durch, scheitert an Madrids Torwart Diego Lopez. Den Nachschuss vertüdelt Robert Lewandowski. Nur eine Minute später macht es die wandelnde Torgefahr aus Polen besser. Mario Götze lässt am Flügel, unbeeindruckt von den Ereignissen um seine Person, drei Gegenspieler stehen, flankt zielgenau in die Mitte. Lewandowski steht am Fünfmeterraum richtig, köpft entspannt ein. Das siebte Tor des Polen in dieser Königklasse. Und nicht das letzte an diesem Abend. Auch beim dritten Duell in der laufenden Champions League ist der BVB gegen die Königlichen in Führung gegangen.

Real Madrid sortiert sich erst einmal, versucht über sichere Pässe und Ballbesitz Ruhe ins Spiel zu bringen. Tückische, ja gefährliche Ruhe, denn die Spanier sind die torgefährlichste Mannschaft im Wettbewerb. Nur haben die Gäste diese Torgefahr in Spanien gelassen.

Die Dortmunder stören den Real-Aufbau früh wie energisch, attackieren immer wieder den defensiven Mittelfeldmann Xabi Alonso, lassen das individuell so starke Star-Ensemble nicht zur Entfaltung kommen. Beim einem 40-Meter-Freistoß von Cristiano Ronaldo greift Roman Weidenfeller zu den Fäusten (24.). Ein kurzer Aufreger.

Cristiano Ronaldo nutzt einen Fehler von Mats Hummels zum 1:1

Erst kurz vor der Pause verlagert sich das weiterhin intensive deutsch-spanische Duell, an dem auch die Millionen Fans vor den Fernsehern ihren Spaß haben, wieder in die Gefahrenzonen. Raphael Varane berührt im Strafraum Marco Reus am Arm. Der fällt. Eine strittige Szene, aber Schiedsrichter Björn Kuipers pfeift nicht.

Als die Dortmunder noch hadern, läuft der Konter. Und Mats Hummels unterläuft ein Monsterklops. Der Innenverteidiger will den Ball vor dem eigenen Strafraum zum Torwart zurückspielen, schiebt die Kugel aber nur einen Meter an. Gonzalo Higuain erläuft den Ball, passt in die Mitte, wo Cristiano Ronaldo nur einschieben muss. Das 50. Tor des Portugiesen in der Champions League. Das haben vorher nur Raul, Ruud van Nistelrooy, Thierry Henry und Lionel Messi geschafft.

Ein Schock für die Dortmunder. Und eine unmittelbare folgende Halbzeitpause, in der Trainer Jürgen Klopp die richtigen Worte findet. Seine Borussen legen erneut wie die Feuerwehr los. Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff gibt es Getümmel im Real-Strafraum vor der Südtribüne. Robert Lewandowski nimmt einen Reus-Pass in Tornähe an, spitzelt den Ball ins Netz.

Kaum ist die erste Begeisterung abgeklungen, sorgt der Pole erneut für Stimmung total. In der 55. Minute haut er aus zehn Metern die Kugel in den Winkel. Nicht genug: In der 66. Minute verwandelt er einen Elfmeter, nachdem Xabi Alonso Marco Reus gefoult hat.

Real Madrid dürfte in den Bieter-Wettbewerb um Lewandowski einsteigen

Spätestens jetzt dürfte auch Real Madrid in den millionenschweren Bieter-Wettbewerb um den Torjäger einsteigen. Die 65829 Zuschauer verbleiben minutenlang im ekstatischen Klatschrausch. Durchatmen ist bis zum Abpfiff nicht mehr erlaubt. Aber Träumen: „Finale“, singen die Fans. Mit dem sechsten Sieg im sechsten Champions-League-Heimspiel sind die Dortmunder mit Vollgas auf der „Road to Wembley“ unterwegs.