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BVB-Attentäter wollte mit Put-Optionen Millionen machen - Das steckt hinter den Aktien-Deals

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Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Dortmund. Das Motiv für das Attentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist Ermittlern zufolge Habgier. Der festgenommene Verdächtige Sergej W. soll vor der Tat sogenannte Put-Optionen gekauft haben, um aus einem Kursverfall der BVB-Aktie Gewinn zu schlagen.

WAS SIND OPTIONEN?

Optionen gehören zu den sogenannten Derivaten. Dabei sichern sich Investoren das Recht, innerhalb einer gewissen Laufzeit eine Aktie, einen Index oder eine andere Anlage zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Derivate verfügen meist über einen Hebel - im Börsenjargon Leverage genannt.

Sie kosten üblicherweise deutlich weniger als der Basiswert. Außerdem kann eine Option nicht nur für eine, sondern mehrere Papiere stehen. Somit können Investoren mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz einen um ein Vielfaches höheren Gewinn einfahren - oder enorme Verluste anhäufen.

WAS SIND PUTS UND CALLS?

Über Put-Optionen erwirbt sich ein Anleger das Recht, einen Basiswert (Underlying) zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Bei einem Call sichert er sich für ein Underlying einen festgelegten Kaufpreis. Nach Reuters-Daten sind derzeit mehrere hundert unterschiedliche Optionsscheine auf BVB-Aktien im Umlauf. Bei Dax-Werten kommen schnell mehrere Tausend zusammen.

WIEVIEL GELD MUSS MAN FÜR 15.000 PUTS AUSGEBEN?

Den Behörden zufolge kaufte der mutmaßliche Attentäter am 11. April insgesamt 15.000 Put-Optionen mit einer Laufzeit bis zum 17. Juni. Damit kommen vier von der DZ Bank ausgegebene Papiere mit entsprechenden Tagesumsätzen in Frage. Eines davon hat einen Basispreis von 5,20 Euro. Das bedeutet, dass ein Anleger eine BVB-Aktie während der Laufzeit zu diesem Preis verkaufen darf - unabhängig vom Aktienkurs. Die sogenannten Strike-Preise der übrigen Puts liegen deutlich niedriger, bei bis zu vier Euro.

WIE VIEL GELD HÄTTE EIN ANLEGER MACHEN KÖNNEN?

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung unter Berufung auf das Bundeskriminalamt hätte der mutmaßliche Täter mit seinen Puts bis zu 3,9 Millionen Euro Gewinn machen können. Börsianer schütteln über solche Summen allerdings die Köpfe. Es sei völlig unklar, wie dieser Betrag zusammenkommen soll.Am Tag des Anschlags stieg der Kurs des Puts mit Basispreis 5,20 Euro auf 0,19 von 0,15 Euro.

Bei 15.000 gekauften Stücken ergibt sich daraus ein Einsatz von etwa 2500 Euro. "Wenn die BVB-Aktie auf vier Euro fällt, steigt der Kurs des Puts auf etwas mehr als ein Euro", rechnet ein Derivatehändler vor. "Damit hätte man also 15.000 Euro verdient." Fiele die BVB-Aktie auf ein Euro, würde dies den Put auf etwa vier Euro treiben.

GEWINN ODER VERLUST?

Der große Kurssturz blieb allerdings aus. Am Tag nach dem Anschlag rutschte die BVB-Aktie zunächst um zwei Prozent auf 5,50 Euro ab, drehte dann ins Plus und notierte zeitweise drei Prozent fester. Zum Börsenschluss lag sie 1,7 Prozent höher bei 5,71 Euro. Seither haben die Titel nie weniger als 5,36 Euro gekostet. Für Anleger ist ein Put mit einem Basispreis von 5,20 Euro also ein Verlustgeschäft. (Reuters)

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