Dortmund

Boykott des BVB-Montagsspiels: Sympathisch, aber falsch

Ein Teil der Dortmunder Fans will beim Montagsspiel nicht ins Stadion gehen.
Ein Teil der Dortmunder Fans will beim Montagsspiel nicht ins Stadion gehen.
Foto: firo

Dortmund. Der BVB schreibt am 26. Februar ein weiteres Kapitel in seiner Klubgeschichte und bestreitet, läuft alles wie geplant, sein allererstes Bundesliga-Spiel an einem Montagabend. Der FC Augsburg ist zu Gast.

Bundesliga und Montagabend – nicht nur für das Dortmunder "Bündnis Südtribüne" ist die Kombination dieser beiden Begriffe ein Verrat an Tradition und Vereinsliebe. Die, die ihrem Fansein mit dem Wort Ultra hohe Bedeutung beimessen, und zudem einige Fanclubs, die den Ultras nicht angehören, wollen das Montagsspiel boykottieren, heißt: nicht hingehen und Tickets einfach verfallen lassen. So steht’s in einem Boykott-Aufruf, der schon wie ein Manifest klingt: Bundesliga und Montagabend – nicht mit uns. Und damit: Basta.

In ihrem Aufruf zum Widerstand gegen den Spielplan betonen die Boykotteure zwar, dass sie nicht die eigene Mannschaft beeinträchtigen wollen, aber das genau tun sie ja: Auf die Unterstützung dieser Anhänger müssen die Spieler wohl verzichten. In der Abwägung von „Fanbelangen gegen Support“ hat der BVB offenbar das Nachsehen. Ist das echte Liebe?

Es ist nicht offensichtlich, warum ein Fußballspiel am Montagabend eine größere Herausforderung in der Terminplanung darstellt als, sagen wir mal, ein Spiel am Dienstag- oder Mittwochabend im Europapokal.

Wir reden von fünf Montagabendspielen

Hinzu kommt: Wir reden hier von fünf Montagabendspielen in einer Saison. Borussia Dortmund ist also bis 2021 einmal, maximal zweimal pro Jahr betroffen. Wenn diese zusätzliche Belastung den Untergang des Abendlandes bedeutet, ist es mit dem Abendland nicht weit her. Zumal: Die 2. Liga, seit Jahrzehnten an Montagabendspiele gewöhnt, spielt dann nicht und wird dadurch entlastet. Reicht die ach so beschworene Solidarität unter Ultras nicht bis ins Unterhaus? So nebenbei: Von den zusätzlichen Erlösen aus dem TV-Vertrag mit den Montagabend-Spielen profitieren ja alle Klubs. Auch die armen.

In anderen Sportarten, gerne von Leuten gefeiert, die Kommerz grundsätzlich ablehnen, gehört ein Spiel am Montagabend zum festen Ritual in der Wochenplanung. Zum Beispiel in der US-amerikanischen Football-Liga NFL. Im Vergleich zu anderen Top-Ligen denkt die Bundesliga bei der Gestaltung des Spieltags eher konservativ und nähert sich bei der Ausschreibung der Fernsehrechte erst langsam der Erkenntnis, dass die TV-Zuschauer in der Mehrheit sind und die Zahl der Ultra-Fans mindestens um den Faktor 100 relativieren. Fußball am Montagabend ist ein TV-Höhepunkt. Man kann das natürlich doof finden. Aber so ist die Realität.

Es gibt bessere Protestmöglichkeiten als den Boykott

Selbst wenn man unterschiedlicher Meinung über den Sinn und die Auswirkung von Montagabendspielen im Bundesliga-Geschäft sein sollte, so ist eines doch festzuhalten: Es gibt bessere Protestmöglichkeiten als den Boykott von einem Fußballspiel. Spontan drei Vorschläge:

(1) Plakate während des Spiels,

(2) Interviews mit Medien,

(3) Unterschriften-Aktion am Stadion.

Mit dem Boykott-Aufruf dokumentiert das "Bündnis Südtribüne" ihren Kritikern nur: Wir sind wichtiger als die Mannschaft. Und hier unterliegen die Fans einem Irrtum: Fußball gespielt wird trotzdem, und die Stimmung wird – abhängig von der Spielweise der Mannschaft, logisch - auch gut sein. Die Ultras gehen folglich ein Risiko ein: Vielleicht sind sie doch nicht so wichtig, wie sie immer behaupten. Der Boykott-Aufruf sieht eher wie ein letztes Aufbäumen auf und nicht wie eine durchdachte Aktion. Um es klar zu sagen: Den Ultras ist der Protest wichtig und verdient allein deswegen alle Sympathien. Aber die eigene Mannschaft nicht unterstützen? Nein, das tun echte Fans nicht.

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