Borussia Dortmund will jetzt auch international glänzen

Die Borussen jubeln in der Bundesliga, wie zuletzt beim 6:2-Sieg gegen den HSV, gegen Neapel soll es am Mittwoch so weitergehen.
Die Borussen jubeln in der Bundesliga, wie zuletzt beim 6:2-Sieg gegen den HSV, gegen Neapel soll es am Mittwoch so weitergehen.
Foto: AFP
Borussia Dortmund führt mit fünf Siegen aus fünf Spielen die Bundesliga-Tabelle an. Am Mittwoch im ersten Spiel der Champions League beim SSC Neapel will der BVB zeigen, dass die Mannschaft auch international beeindrucken kann. Die Partie ist ein Fingerzeig, was geht in diesem Jahr − und was vielleicht nicht.

Neapel. Der heftige Wind weht die vereinzelten Regentropfen gegen die Fassade der Nobelherberge „Grande Alberge Vesuvio“ inmitten Neapels. Vor der Tür liegt ein kleiner Hafen. Yachten schunkeln in den Wellen, die der Golf von Neapel heranträgt, als der Dortmunder Mannschaftsbus eskortiert von drei Polizeiwagen heranrollt und seine Fracht entlässt. Die Borussen tragen schwarze Anzüge, weiße Hemden und schwarze Krawatten. Sie ziehen kleine schwarze Rollkoffer hinter sich her. Köfferchen, die so klein sind, dass nur das Nötigste hinein passt, keinesfalls aber die großen Erwartungen, die das Team von Jürgen Klopp zum ersten Spiel der neuen Champions-League-Saison am Mittwoch (20.45 Uhr/live im ZDF und in unserem Ticker) beim SSC Neapel begleiten.

Es ist die erste größere Reise der neuen Saison. Die bis dahin letzte endete in einem Londoner Museum, in dem der BVB im Mai seinen Triumph in der Königsklasse feiern wollte, tatsächlich aber seinen Schmerz über die 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München mit lauter Musik und viel Alkohol zu verdrängen suchte. An jenem Abend herrschte Trauer. Und Ungewissheit. Weil das kreative Zentrum Mario Götze gehen würde, weil Torproduzent Robert Lewandowski zu gehen drohte, weil die Zukunft ungewiss schien.

Der BVB ist in Europa ein Thema

Fast vier Monate sind seither vergangenen und von der Ungewissheit und der Trauer ist so viel geblieben wie von der Gegenwehr des Hamburger SV am vergangenen Wochenende in der Bundesliga. Borussia Dortmund hatte eine weitere Show hingelegt, ein Spektakel, hatte sechs von grob geschätzt 15 möglichen Toren erzielt und die Tabellenführung verteidigt.

In England fragte man sich daher Anfang der Woche, warum die Elf des Spieltages nicht mindestens aus neun Dortmundern bestand, und in Italien schustern die Macher des SSC Neapel den Westfalen die Favoritenrolle zu. Der Respekt vor dem Fußball schwarz-gelber Prägung ist beeindruckend. Und neu. „Natürlich hat sich etwas verändert. So autistisch kann niemand veranlagt sein, das nicht zu bemerken“, sagt BVB-Boss Hans Joachim Watzke vor dem Abflug nach Neapel. „Wir genießen als Champions-League-Finalist der vergangenen Saison eine ganz andere Aufmerksamkeit. Aber das berührt uns weniger. Wir sind die Gleichen geblieben.“

Was nicht ganz korrekt ist, weil eben Götze ging. Und Henrikh Mkhitaryan kam. Mit ihm scheint dieser BVB noch besser, noch entschlossener zu sein. Zusammen mit Marco Reus, Robert Lewandowski und entweder Jakub Blaszczykowski oder Pierre-Emerick Aubameyang bildet er ein Quartett, das in Sachen Tempo und Spielfreude national Maßstäbe setzt.

An diesem Abend nun steht die neue Eleganz erstmals europäisch auf dem Prüfstand. Vor zwei Jahren wurde der BVB Meister und blamierte sich in der Champions League, im vergangenen Jahr brillierte er in Europa, schenkte aber Punkte in der Liga ab. In diesem Jahr sind die Ziele die denkbar größten – national und international. Es wäre der nächste Schritt der Dortmunder Evolution zur europäischen Nobel-Adresse.

Hitzige Atmosphäre im Stadion von Neapel

Das Spiel gegen Neapel ist ein Fingerzeig, was geht in diesem Jahr und was vielleicht nicht. Der einstige Klub Diego Armando Maradonas gilt nach Jahren der Konsolidierung als Geheimfavorit auf den italienischen Titel. Er hat Stars in seinen Reihen wie Marek Hamsik, wie die früheren Madrilenen Gonzalo Higuain und Jose Callejon. Die Atmosphäre im Stadion wird hitzig sein, was vermutlich nur eine unzureichende Beschreibung ist. Neapel dürstet nach Spielen wie diesem gegen den BVB. Die Stimmung ist vergleichbar mit der die in Dortmund herrschte, als sich der Klub vor drei, vier Jahren aufmachte, wieder etwas zu werden.

Doch nicht nur die Erwartungshaltung hat sich bei Borussia Dortmund verändert, sondern auch der Umgang damit. Die Erfolge machen den BVB selbstsicher, auch auf der größten aller denkbaren Bühnen. „Wir“, sagt Watzke lässig „können auch ein bisschen kicken.“ Was in Neapel erstmals auch europäisch zu beweisen wäre.

 
 

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