Borussia Dortmund versenkt den Hamburger SV

Beim 5:1-Sieg zum Bundesliga-Rückrundenauftakt in Hamburg unterstreicht Borussia Dortmund erneut die Titelreife. Auch ohne Torwart Roman Weidenfeller und Mario Götze zeigte der BVB eine Fußball-Demonstration. Der BVB ist nun mit Bayern und Schalke punktgleich.

Hamburg. Das war ein Geburtstag. Am Sonntagmorgen, beim Spaziergang, hatten die Spieler von Borussia Dortmund für ihr Geburtstagskind Marcel Schmelzer gesungen. Am späten Nachmittag durfte sich der jetzt 24-Jährige inmitten des Meisterspieler­-Rudels von 5000 nach Hamburg gereisten BVB-Fans besingen und feiern lassen. 5:1 hatte die Dortmunder den HSV abgefertigt und waren wieder auf Tabellenplatz zwei geklettert. Schmelzer, kein Freund von zu euphorischen Äußerungen, gestand ein: „Das war schon ein schöner Geburtstag. Den werde ich in guter Erinnerung behalten. Sein Mitspieler Shinji Kagawa, als Japaner von Geburt an nicht gerade für ständige Gefühlsausbrüche bekannt, ließ seinen Emotionen nach der Demonstration der Dortmunder Stärke freieren Lauf. „Das war wunderbar“, fand der Mittelfeldspieler. Den Patzer der Bayern ausgenutzt. Nach Punkten zum Rekordmeister aufgeschlossen. Und auch noch den Rückstand auf den Tabellenführer bei der Tordifferenz auf ein erträgliches Maß reduziert. Besser kann man nicht in die Rückrunde starten.

Fink bis zum BVB-Spiel unbesiegt

Dabei hatten sich die Hamburger Großes für den ersten Fußballtag 2012 vorgenommen. Mit einem Befreiungsschlag wollten sie ins Mittelfeld der Tabelle vorstoßen. Das Vorhaben schien alles andere als abwegig. 2006 hatte der BVB zuletzt einen Erfolg beim HSV gefeiert. Und unter Trainer Thorsten Fink, einem gebürtigen Dortmunder, beendeten die Norddeutschen bis dato keines ihrer acht Liga-Spiele als Verlierer.

Allerdings war den 57 000 Zuschauern in der HSV-Arena schnell klar, wohin sich das Spiel entwickeln würde. Dortmunds Kevin Großkreutz eroberte in der 17. Minute den Ball an der Strafraumgrenze, legte auf Shinji Kagawa ab, wurde wieder in Szene gesetzt und schon stand es 1:0. Die Reaktion des Gastgeber: nicht erwähnenswert. HSV-Trainer Fink hatte seinen zweiten Stürmer auf der Bank gelassen und einen fünften Mittelfeldspieler aufgeboten, um den BVB-Spielaufbau besser stören zu können. Allerdings griffen seinen Planungen nicht. Die Hamburger waren selbst viel zu träge im Spielaufbau. Immer wieder wurde der Ball zu Torwart Jaroslav Drobny zurückgespielt. Die engagierten Dortmunder nahmen ihren Gegnern den Raum zum Spielen und die Luft zum Atmen. Unter diesem Druck häuften die Gastgeber Ungenauigkeiten an. „Wir haben sie immer wieder zu Fehlern gezwungen“, freute sich Jürgen Klopp. Und diese Fehler nutzten seine Spieler schamlos und mit Leidenschaft, Zweikampfdominanz und Pfiff aus. Robert Lewandowski erkämpfte sich in der 37. Minute in HSV-Strafraumnähe energisch den Ball, ließ Heiko Westermann, Dennis Aogo und Jaroslav Drobny stehen und erzielte das 2:0. Ein Treffer zum richtigen Zeitpunkt. Die Hamburger wurden mit einem deftigen Pfeifkonzert in die Pause verabschiedet.

Langerak erlebte einen ruhigen Nachmittag

Thorsten Fink stärkte nach Wiederanpfiff die Offensive, das allerdings erfolglos. BVB-Ersatztorwart Mitchell Langerak, der für den angeschlagenen Roman Weidenfeller spielte, verlebte einen verregnet-kalten, aber ruhigen Nachmittag. Die Dortmunder hatten weiter die Chancen und erzielten die Tore. Jakub Blaszczykowski, der auf der Position des verletzten Mario Götze spielte, gelang der erste Bundesliga-Doppelpack seiner Karriere (59./76. Minute per Foulelfmeter). Robert Lewandowski (82.) machte den Kantersieg perfekt. Danach hätten die Dortmunder ihre Führung ausbauen können. Der Meister blieb aber gnädig und gewährte Paolo Guerrero (86.) den Ehrentreffer.

„Der Fußball, den wir gespielt haben, war unglaublich“, fand Kevin Großkreutz, der sich besonders freute, wieder vor Schalke 04 zu stehen. Und der BVB sieht, Achtung Bundesliga, noch Luft nach oben. „Robert Lewandowski hätte allein fünf Tore machen können“, bremste Jürgen Klopp drohende Euphorie, nachdem sein polnischer Torjäger mit den Saisontoren 13 und 14 aufgefallen war. „Wir haben einige Chancen vergeben. Da müssen wir noch ne Schüppe drauflegen“, hatte auch der so schwärmerische Shinji Kagawa beobachtet.

In Dortmund träumen sie nicht, aber sie schauen in die Statistik. Und die bietet schöne Aussichten. Den letzten 5:1-Auswärtssieg gab es in der Saison 2001/2002, das letzte Auswärts-5:1 zum Rückrundenauftakt 1995/1996. In beiden Spielzeiten war der BVB am Ende Meister.

 
 

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