Borussia Dortmund hat in der Offensive auch ein Reus-Problem

Auch BVB-Kapitän Reus hatte zuletzt Luft nach oben.
Auch BVB-Kapitän Reus hatte zuletzt Luft nach oben.
Foto: firo
Solange Stürmer Alcacer dem BVB fehlt, muss auch Reus aushelfen. Das kostet den BVB offensive Wucht und den Nationalspieler die Spielroutine.

Dortmund..  Die Frage, wann Gegenwart aufhört und Zukunft anfängt, ist ja durchaus eine, die sich philosophisch betrachten ließe. Für die etwas banaleren Angelegenheiten, die der Bundesliga-Betrieb bereit hält, ist das aber auch nicht unwichtig. Vor allem für die Berufsfußballer von Borussia Dortmund hat das derzeit übergeordnete Bedeutung.

„Wir stehen noch am Anfang“, sagt Kapitän Marco Reus über den Prozess des Sich-Findens und Zusammenwachsens, „aber ich denke, wir werden in Zukunft besseren Fußball zeigen“.

Borussia Dortmund: Spielerische Freude gesucht

Fraglich, ob die Zukunft dann schon am Mittwochabend (20.30 Uhr/live in unserem Ticker) ­beginnt, wenn der BVB am fünften Spieltag der Saison den 1. FC Nürnberg empfängt und es für Schwarz-Gelb darum gehen wird, der schon gezeigten defensiven Stabilität eine offensive Wucht ­hinzuzufügen.

Eine, die helfen würde, Erfolge außerordentlicher Schmeichelhaftigkeit in solche großer spielerischer Freude zu verwandeln. Vieles hängt dabei von Marco Reus ab. Dem Mann, der sich derzeit einem Problem des BVB unterordnen muss.

Das Problem lautet, dass Trainer Lucien Favre noch keine verlässliche Besetzung für die Sturmspitze besitzt. Als der neu verpflichtete Stürmer Paco Alcacer noch nicht da war, versuchte sich Maximilian Philipp erfolglos als Stürmer. Dem Experiment mit Marius Wolf – zuletzt nötig geworden wegen der Verletzung Alcacers – war auch kein großes Glück beschieden. Als Ausdruck amtlicher Verzweiflung ist es dann immer wieder auch Reus, der in vorderster Reihe eingesetzt werden muss. Doch dort kann er seine Stärken nicht ausspielen, dort fühlt er sich auch nicht ausreichend wohl.

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„Man muss sich für die Mannschaft opfern. Und das mache ich, auch wenn ich persönlich und mein Spiel dann etwas mehr leiden. Aber das ist nicht wichtig. Entscheidend ist, dass die Mannschaft Erfolg hat“, sagt Reus über die bisherige Konstellation.

Er und der BVB hoffen auf eine baldige Rückkehr Alcacers (vielleicht schon gegen Nürnberg), der seit fast zwei Wochen mit muskulären Problemen fehlt. Ansonsten bleibt die Sturm-Problematik bestehen. Und mit ihr die Reus-Problematik. Denn: Spielt Reus Stürmer, fehlt dem BVB nicht nur ein Stürmer von Format, sondern auch ein internationaler Klassemann dahinter: Reus eben.

Der gebürtige Dortmunder ist gefährlicher, wenn er den Raum vor sich hat. Im Sturm aber wirkt er ein bisschen wie verschenkt. Das musste zuletzt auch Bundestrainer Joachim Löw einsehen, der Reus ebenfalls als Sturmspitze ausprobierte – mit ähnlich mäßigem Erfolg. Auf die Position zentral hinter den Spitzen hat es Reus nach dem Rücktritt von Mesut Özil in der Nationalelf abgesehen. Und auch in Dortmund wäre das eine Position, die ihm liegen würde. Wer wüsste das besser als Favre, der ihn einst in Gladbach genau in jener Rolle groß machte.

Keine feste Position

„Wir müssen uns im Spiel nach vorn noch steigern“, sagt Reus. Er weiß, dass er zuletzt ebenfalls nicht unbedingt wie ein belebendes ­Element wirkte. Weil er ­Lücken füllen muss und auf dem Platz von Position zu Position verschoben wird. „Man wünscht sich immer, fest auf einer Position zu spielen, aber der Fußball ist heute nicht mehr so. Man muss flexibel spielen“, sagt der Profi. Aber die fehlende Spiel-Routine bekommt seinen Aktionen nicht. ­Selbst wenn er wie gewohnt auf der linken Seite spielte, wirkte er etwas träge.

Gegen Hoffenheim lieferte er auf verschiedenen Positionen eine Leistung zum Abhaken. Doch dann zog er das Tempo an, ging in den Strafraum, bereitete den 1:1-Ausgleichstreffer vor (seine zweite Vorlage in der Liga, dazu gesellt sich ein Tor in die Bilanz). Ein wichtiger Punkt war gesichert, der BVB steht weiterhin ungeschlagen da. „Tatsächlich zweifeln wir nie an uns, geben nie auf“, sagt Reus. Eine Haltung, die offenbar unabhängig von der Position ist.

 
 

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