Borussia Dortmund in einer kleinen Ergebnis-Krise

Thorsten Schabelon
Nach dem 0:1 in Hoffenheim vor einer Woche spielte der Tabellenführer am Samstag im eigenen Stadion nur 1:1 gegen FSV Mainz. Das Tor von Mats Hummels glich Petar Sliskovic kurz vor Schluss aus.

Dortmund. Borussia Dortmund befindet sich in einer kleinen Ergebnis-Krise. Nach dem 0:1 in Hoffenheim vor einer Woche spielte der Tabellenführer am Samstag im eigenen Stadion nur 1:1 gegen FSV Mainz. Mats Hummels hatte den BVB in der 8. Minute in Führung gebracht. Minuten später vergab Nuri Sahin einen Foulelfmeter und damit die Vorentscheidung. Kurz vor Abpfiff gelang dem eingewechselten Petra Sliskovic das 1:1 für die Gäste - Dortmunds Verteidiger lag beim Gegentor verletzt am Boden - eine Szene, über die noch länger diskutiert werden wird. "Ich habe mich darüber aufgeregt, dass draußen gejubelt wurde. Ihr habt Subotic liegen sehen und alle haben gejubelt und es war euch scheißegal, dass da einer liegt" ärgerte sich Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. "Ich wäre leicht beschämt. Die Bank draußen hat alles gesehen und es war euch scheißegal." Mit dem 1:1 verschenkte der BVB, wie schon beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart, in der Schlussphase einen Heimsieg. Leverkusen kann am Sonntag den Abstand auf die Borussen auf sieben Punkte verkürzen.

Klopp hatte im Duell gegen seinen Ex-Klub zwei personelle Änderungen vorgenommen. Mats Hummels ersetzte, wie erwartet, Felipe Santana. Für Robert Lewandowski rückte überraschend Jakub Blaszczykowski in die Startelf. Klopp hatte gegen das unbequeme Spielsystem der Mainzer taktisch umgestellt und ließ einen Tannenbaum spielen. Kevin Großkreutz flankierte mit Sven Bender Nuri Sahin. Hinter Lucas Barrios agierten Blaszczykowski und Mario Götze. Das Duell der Taktik-Füchse Klopp und Thomas Tuchel endete unentschieden, denn der Mainzer Trainer hatte ebenfalls auf einen Tannenbaum umgestellt. Eine Dreier-Reihe im defensiven Mittelfeld sollte den Dortmunder Offensivwirbel bremsen. Hinter der einzigen Spitze Sami Allagui spielten die Schalker Leihgabe Lewis Holtby und der emsige Andre Schürrle. Es war Nationalspieler Schürrle, der nach sechs Minuten den ersten Warnschuss des Frühabends abgab. Roman Weidenfeller sah das Geschoss spät, konnte aber noch reagieren. Im Gegenzug zog Dortmunds Marcel Schmelzer aus gut 35 Metern ab, der Ball ging knapp über das Tor. Ein unterhaltsamer Abend deutete sich im abermals ausverkauften Sigal Iduna Park an.

Der BVB legte auch gleich nach und durfte nach nur acht Minuten das 1:0 bejubeln. Eine Freistoß-Flanke von Mario Götze rollte Mats Hummels im Strafraum über Hinterkopf und Rücken. Mainz-Torwart Christian Wetklo kam zwar noch an die Kugel, die landete aber hinter der Linie. Was für ein Comeback für Hummels, der zuletzt zwei Spiele mit Bauchmuskelbeschwerden pausiert hatte. Zehn Minuten später stand die Vorentscheidung des Abendspiels an: Mit einem genialen Lupfer überlistete Nuri Sahin die gesamte Mainzer Abwehr und spielte im Strafraum Lucas Barrios frei. Der wollte den Ball über den heraneilenden Wetklo spielen und wurde von dem Torwart böse umgerannt. Schiedsrichter Felix Brych entschied auf Elfmeter und beließ es bei einer Verwarnung für Weltklo. Nuri Sahin trat an und der Mainzer Torwart parierte zum Schrecken der BVB-Fans den mäßigen Schuss. Es war der vierte Strafstoß in Serie, den Dortmunds Mittelfeldspieler vergeben hatte. Doppeltes Unglück für den BVB: Barrios musste zehn Minuten später mit Unterleibschmerzen ausgewechselt werden.

Nach dem vergebenen Elfmeter gab es einen Bruch im Dortmunder Spiel. Den Gastgebern unterliefen plötzlich ungewöhnlich und unerklärlich viele Fehler. Den Mainzern gelang es dagegen zwischenzeitlich, den BVB in der eigenen Hälfte festzusetzen. Ein Novum in dieser Saison. Vor allem das schnelle Umschaltspiel, vor dem Jürgen Klopp gewarnt hatte, sorgte immer wieder für unruhige Momente. Und die Einzelkönner Andre Schürrle und Lewis Holtby glänzten als Gefahrenbringer.

In der zweiten Hälfte verlief das Duell im Signal Iduna Park ausgeglichen. Mit besseren Chancen für die Gastgeber. Jakub Blaszczykowski hatte bereits in der 51. Minute das 2:0 auf dem Fuß, knallte den Ball aber im Strafraum freistehend weit über das Tor. Es war rund um die 70. Minute, als die Dortmunder mehr und mehr Druck aufbauten und die Vorentscheidung erzwingen wollten. Allerdings hielt Mainz dagegen und kombinierte sich immer wieder schnell durchs Mittelfeld. Klare Torchancen konnten sich die Gäste dabei lange nicht erspielen. Kevin Großkreutz und Nuri Sahin vergaben beim BVB Möglichkeiten zu einem zweiten Treffer. Es waren die Gäste, die, wie schon beim Besuch des VfB Stuttgart in Dortmund, ein spätes Tor bejubeln durften. In der 89. Minute landete ein Flankenball des eingewechselten Marcel Risse beim ebenfalls eingewechselten Petar Sliskovic. Der schob den Ball aus sechs Metern ins Tor. Die Dortmunder protestierten: Neven Subotic hatte kurz zuvor einen Ball in den Unterleib bekommen, krümmte sich vor Schmerzen auf dem Boden. Die Gäste spielten aber weiter. Schiedsrichter Brych unterbrach die Partie nicht.

An der Linie gerieten Jürgen Klopp und Thomas Tuchel lautstark aneinander. Es blieb beim 1:1, doch auch nach dem Abpfiff hatten sich die Gemüter nicht beruhigt. Vor allem nachdem Mainz-Torwart Christian Wetklo die BVB-Fans mit überflüssigen Kraft-Gesten provozierte. „Es ist eine Unterstellung, zu sagen, dass wir den Spieler sehen und absichtlich weiterspielen. Keinem meiner Spieler kann nachgewiesen werden, dass er wissentlich weiterspielt", versuchte Mainz-Trainer Tuchel die Wogen zu glätten. Trotzdem wird diese Szene die Fußballwelt noch beschäftigen.