Borussia Dortmund: BVB-Talent Alexander Isak – spielt er auch am Samstag von Beginn an?

Daniel Berg
Isak gewinnt das Kopfballduell gegen Erdmann.
Isak gewinnt das Kopfballduell gegen Erdmann.
Foto: firo

Magdeburg/Dortmund. Die Menschen erzählen sich die wildesten Sachen. Und je länger sie sich solche Geschichten erzählen, desto mehr geht die Fantasie mit ihnen durch. So scheint das jedenfalls Alexander Isak zu sehen. Er lacht. Nein, dazu will er nichts sagen, wirklich nicht. Der Schwede kann ja auch nichts dafür, dass man ihn in der Heimat den „neuen Zlatan“ nennt. Dass sie also in dem Talent den potenziellen Nachfolger ihres Volkshelden Zlatan Ibrahimovic sehen. Stürmer-Legende, Exzentriker. Isak ist 18 Jahre alt, keine Legende, kein Exzentriker. Beinamen, die tonnenschwer wiegen, braucht er nicht bei dem Versuch, sich als der bei Borussia Dortmund zu etablieren, der er ist: der Alex. Der Dienstagabend half auf diesem Wege ungemein.

Es war nur die zweite Runde im DFB-Pokal und der Gegner mit dem Drittligisten 1. FC Magdeburg nun nicht gerade ein Schwergewicht des nationalen Fußball-Geschäfts. Aber jener Alexander Isak, vor kurzem erst volljährig geworden, nutzte die Gelegenheit, die sich vor ihm auftat. Beim 5:0-Sieg schoss er ein Tor, bereitete ein weiteres vor und wirkte auch sonst selbstbewusst wie selten.

Die gesundheitliche Unpässlichkeit von Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang spülte ihn ins Team. Und weil der Gabuner auch am Mittwoch noch wegen Muskelbeschwerden mit dem Mannschaftstraining aussetzte, könnte das am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Gastspiel des BVB in Hannover erneut der Fall sein. Isak, das weiß man nun, ist bereit, da zu sein, wenn man ihn braucht.

Ein Geschäft mit Perspektive

Danach hatte es nicht immer ausgesehen. Im Januar verpflichtete der BVB für zehn Millionen Euro das Talent vom schwedischen Klub AIK Solna, das offenbar schon fast zu Real Madrid transferiert war, als es sich doch noch umentschied. Ein Geschäft mit Perspektive. Doch wenn davon in der Gegenwart kaum etwas zu sehen ist, dann schleichen sich auch schon mal Zweifel ein. Michael Zorc hatte die nicht. „Man darf nicht ungeduldig werden, gerade bei so jungen Spielern“, sagte der Sportdirektor im Sommer im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wenn ich ihn im Training sehe, dann weiß ich: Wir haben Zeit, er ist noch am Anfang seiner Entwicklung.“

Eine Entwicklung, die Zeit brauchte. „Als er zu uns kam, musste er – ich sage mal – ein bisschen aus dem Schlappen kommen. Er hat Zeit gebraucht, sich an Männerfußball zu gewöhnen“, sagt Mannschaftskollege und inoffizieller Integrationsbeauftragter Nuri Sahin und konkretisiert am Beispiel des immer zu allem entschlossenen Abwehrchefs Sokratis, den alle nur Papa nennen: „Wenn so ein Ochse wie Papa vor dir steht, dann tut’s auch mal weh im Training. Aber seit der Vorbereitung hat Alex einen Schritt nach vorn gemacht. Er hat Mega-Potenzial.“

Der Mann, dem die Zukunft gehört

Der Alex spricht leise. Klar, sagt er, habe er Zeit gebraucht. Mit 17 kam er in der Fremde an, nicht einmal Auto fahren darf man in diesem Alter alleine. Also darf man auch fußballerisch ein paar Ausfahrten auslassen, die man hätte nehmen können. „Manchmal braucht es eben Zeit“, sagt er. Die Vorbereitung habe ihm gutgetan. Alles, was neu war, nämlich alles, ist nun nicht mehr so neu.

„Wenn Alex seine Chance bekommt, muss er sie nutzen. Das hat er getan“, lobte Trainer Peter Bosz den Mann, dem – wenn mal Aubameyang weg seien sollte – die Zukunft gehören könnte. Aber das sind große Worte. Groß wie Zlatan. Alexander Isak denkt kleiner. „Ich hoffe, in Zukunft mehr Einsatzzeit zu bekommen“, sagt er. Er will spielen. Und die Leute sollen reden.