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Borussia Dortmund: BVB-Coach teilt vor WM 2022 gegen deutsche Katar-Kritiker aus – „Doppelmoral“

Er trainiert bei Borussia Dortmund und reist mit Ghana zur WM 2022. Jetzt spricht Otto Addo über Katar-Kritik und teilt aus.

© IMAGO/Kirchner-Media

Katar: Arbeitsmigranten beklagen Ausbeutung und Missbrauch

Das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft, Katar, steht wegen seines Umgangs mit Arbeitsmigranten international massiv in der Kritik. AFPTV hat sich auf die Spuren von ehemaligen Arbeitern aus Bangladesch und den Philippinen begeben.

Bei Borussia Dortmund ist Otto Addo als Trainer zuständig für die Toptalente. „Ganz nebenbei“ fährt er auch noch als Nationalcoach Ghanas mit zur WM 2022 nach Katar.

Wird in Ghana auch so heftig über die WM 2022 diskutiert? Überhaupt nicht, sagt der Toptalente-Trainer von Borussia Dortmund – und teilt gegen Deutschland aus.

Borussia Dortmund: Otto Addo attestiert deutschen Kritikern „Doppelmoral“

Seit über zehn Jahren steht die WM-Vergabe nach Katar heftig in der Kritik. In Europa zumindest. In Afrika sieht das offensichtlich ganz anders aus. Vor dem Start der Weltmeisterschaft verrät BVB- und Ghana-Trainer Otto Addo: „Das ist in Ghana null Thema.“

„Ich lebe ja in beiden Welten, wenn man das so formulieren kann, und ich erlaube mir zu sagen, dass diese Kritik eine eurozentrische Sicht offenbart“, erklärt Addo den „Ruhr Nachrichten“. Dann holt er zu einem Seitenhieb gegen Deutschland aus.

Addo: Europäer blenden eigene Missstände aus

Die Kritik an der WM 2022 und der Vergabe nach Katar findet Addo richtig und wichtig. „Aber die Afrikaner haben in den meisten Fällen genug mit ihrem Alltag und dem Überleben zu tun. Und ich erkenne da eine gewissen Doppelmoral, wenn ich das aus der afrikanischen Perspektive betrachte.“

„Wir Europäer sind beim Verbrauch unserer endlichen Ressourcen ganz weit vorne dabei. Und die kommen zum Teil auch aus der arabischen Region. In Afrika sterben täglich 25.000 Menschen an Hunger, hier leben wir im Überfluss und werfen tonnenweise Essen weg. Europäische Firmen kaufen Brunnen in Afrika und verkaufen dann den Einheimischen das Trinkwasser. Europäische Schiffe fischen vor Afrikas Küsten das Meer leer, und die einheimischen Fischer sind in ihrer Existenz bedroht“, zählt der Hamburger mit ghanaischen Wurzeln eklatante Missstände der „Ersten Welt“ auf.


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„Nochmal: Ich begrüße es, dass die berechtigte Kritik an Katar thematisiert wird. Aber es gibt noch mehr Probleme auf der Welt, und vielleicht sind wir Deutschen als Chefkritiker nicht immer in der geeigneten Position“, sagt der Trainer von Borussia Dortmund und Ghana den „Ruhr Nachrichten„. „Bei den Vorwürfen in Sachen Korruption bei der WM-Vergabe muss ja auch der Hinweis erlaubt sein: Wie Deutschland das Turnier 2006 zugesprochen bekommen hat, ist bis heute nicht geklärt. Und ich bin skeptisch, ob sich das in Zukunft noch ändern wird.“