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Borussia Dortmund – Kommentar: BVB-Coach Favre vor dem Aus? Sagt mal, geht's noch?

Bei Borussia Dortmund leistet Lucien Favre großartige Arbeit. Und dennoch geriet er zuletzt in die Kritik.
Bei Borussia Dortmund leistet Lucien Favre großartige Arbeit. Und dennoch geriet er zuletzt in die Kritik.
Foto: imago images / Sven Simon

Dortmund. Rund um Borussia Dortmund entfachte sich in den vergangenen Tagen eine unsägliche Debatte. Einige Fans und sogenannte Experten stellten allen Ernstes die Frage, ob Lucien Favre beim BVB noch tragbar sei. Erschreckend viele von ihnen kamen zu der Erkenntnis: Nein, der Verein sollte sich von dem Trainer trennen.

Ausschlaggebend für die Diskussionen war eine Antwort des BVB-Coaches in einem Interview nach der Derby-Pleite gegen Schalke. Auf die Frage eines Sky-Reporters, ob die Meisterschaft gelaufen sei, hatte Favre gesagt: „Ja, klar.“

Borussia Dortmund: Diskussion um BVB-Coach Favre

Die Berufsempörten schossen daraufhin aus allen Rohren: Wie kann Favre sowas sagen? Warum gibt er denn schon die Meisterschaft auf? Was ist das für eine Mentalität des Aufgebens? Ist Favre mit seinen Taktik-Experimenten nicht ohnehin der Hauptschuldige an der womöglich verpassten Meisterschaft des BVB? Warum schenkt die Borussia einem solchen Trainer noch das Vertrauen? Müsse Favre nicht eigentlich beim Verpassen der Meisterschaft seinen Hut nehmen?

Die Debatte führte so weit, dass Sportdirektor Michael Zorc im Gespräch mit dem „kicker“ doch tatsächlich klarstellen muss, dass Borussia Dortmund mit Favre in die kommende Saison geht - ganz egal, ob der BVB Meister oder „nur“ Vizemeister wird.

Dass der BVB bis zum Saisonende um die Meisterschaft spielen würde, war im vergangenen Sommer noch undenkbar. Und plötzlich soll eine Vizemeisterschaft eine Enttäuschung sein, in dessen Folge Favre bei der Borussia womöglich sogar aufhören soll?

Sagt mal, Leute, geht’s noch?

Keine Resignation, sondern realistische Einschätzung

In diesem Interview war Favre unmittelbar nach Abpfiff des dramatischen Derbys noch sehr stark emotional aufgewühlt. Vor lauter Enttäuschung hatte der Schweizer dann genau das gesagt, was wohl jeder Fußballfan in Deutschland in diesem Moment dachte: Die Bayern würden ja wohl am nächsten Tag beim Kellerkind in Nürnberg gewinnen und auf vier Punkte davonziehen. Und erst Recht ohne den gesperrten Topscorer Marco Reus wäre es für den BVB wohl nahezu unmöglich, in den verbleibenden drei Spielen diesen Rückstand noch aufzuholen - auch weil die Münchner derzeit bärenstark aufspielen und wohl kaum noch Federn lassen würden.

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Favres Aussage war keine Resignation, sondern eine realistische Einschätzung der Lage. Die Vereinsverantwortlichen stellten daher am Tag nach dem 2:4 gegen Schalke unmissverständlich klar, dass der BVB auch nach der bitteren Derby-Pleite zwar noch nicht die Meisterschaft herschenkt, aber sehr wohl weiß, dass die Bayern sich nun in einer besonders guten Ausgangslage befinden.

Favre-Kritik lächerlich

Dass Favre wegen einer solchen Kleinigkeit an den Pranger und seine Fähigkeiten in Frage gestellt werden, ist einfach nur lächerlich. Dass manch ein Experte ein Favre-Aus im Falle einer Vizemeisterschaft fordert, setzt der Albernheit die Krone auf.

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Der Trainer hat beim BVB in dieser Saison Großartiges geleistet. Favre übernahm im vergangenen Sommer eine verunsicherte Mannschaft, die an vielen Stellen grundlegend umgebaut wurde.

Bei Borussia Dortmund hatten die Vereinsbosse immer wieder betont, dass Favre einen Neuaufbau in die Wege leiten wolle, der sicher zwei Jahre dauern könne. Doch Favre brauchte keine zwei Jahre. Innerhalb kürzester Zeit formte er aus der Chaos-Truppe der Vorsaison eine funktionierende Mannschaft, die phasenweise einen Fußball spielte, der ganz Europa beeindruckte.

Starke BVB-Saison

Der BVB ist auf Kurs, in dieser Saison 75 Punkte zu holen – eine äußerst starke Ausbeute. Mit 75 Punkten wurde die Borussia 2011 unter Jürgen Klopp deutscher Meister.

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Gewiss: In der Rückrunde kann der BVB nicht immer das unglaubliche Spektakel bieten, das die Fans im Herbst noch im Wochenrhythmus erlebt hatten. Und auch die irrwitzige Punkteausbeute der Hinrunde kann die Borussia nicht ganz bestätigen. Mit 27 Zählern aus 14 Rückrundenspielen punktet der BVB nicht zwingend meisterlich, sondern „nur“ wie ein Champions-League-Teilnehmer.

Doch sind das wirklich Vorwürfe, die man dieser jungen und vor der Saison neu zusammengestellten Mannschaft machen kann? Wohl kaum.

Unter Favre hat die Mannschaft einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Und unter Favre kann diese Mannschaft auch in Zukunft weitere Schritte nach vorne machen. Vielleicht werden dann auch die aktuellen Kritiker einsehen, dass das Dortmunder Festhalten an Favre richtig war.

 
 

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