Dortmund

Ein Jahr nach Anschlag auf BVB-Bus: Das hat sich bei Borussia Dortmund seitdem verändert

Der BVB-Bus war am 11. April Ziel eines Anschlags.
Der BVB-Bus war am 11. April Ziel eines Anschlags.
Foto: imago/Nordphoto

Dortmund. Genau ein Jahr ist es her, dass Sergej W. einen Anschlag auf den BVB-Bus verübt hat. Eine Tat, die sowohl den Verein als auch die Stadt schwer getroffen hat. Nicht erst im Prozess gegen den mutmaßlichen Bombenleger Sergej W. wurde klar, welche Narben das feige Attentat hinterlassen hat. Auch sportlich läuft es für den BVB seitdem alles andere als rund.

Zum Jahrestag des Bombenangriffs haben wir die Geschehnisse noch einmal zusammengefasst.

Hier eine Chronologie der Ereignisse seit dem 11. April 2017:

  • 11. April 2017: Um 19.15 Uhr explodieren vor einem Dortmunder Hotel drei Sprengsätze neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. Das Team befindet sich auf dem Weg zum Champions-League-Heimspiel gegen AS Monaco. BVB-Profi Marc Bartra und ein Polizist werden verletzt.
  • 11. April: Eine Viertelstunde vor dem für 20.45 Uhr geplanten Anpfiff teilt der BVB mit, dass die Partie abgesagt wird. Die Zuschauer verlassen ruhig das ausverkaufte Stadion.
  • 11. April: Die UEFA entscheidet noch am Abend nach Rücksprache mit beiden Vereinen, dass die Partie bereits am kommenden Tag um 18.45 Uhr nachgeholt wird. Laut BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gab es "keine Alternative". Es sei eine "sehr, sehr unglückliche Situation".
  • 11. April: Die Dortmunder Polizei spricht auf einer nächtlichen Pressekonferenz von einem "gezielten Angriff" auf das Team und ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes. Zudem gibt sie bekannt, dass in der Nähe des Tatorts ein mögliches Bekennerschreiben gefunden wurde.
  • 12. April: Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen. Der Generalbundesanwalt leitet die Ermittlungen zu schweren Straftaten gegen die innere Sicherheit. Die Ermittler prüfen die Authentizität von zwei Bekennerschreiben. In dem in der Nähe des Tatorts aufgefundenen Schreiben gibt es Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Ein zweites, im Internet veröffentlichtes Schreiben könnte aus der antifaschistischen Szene kommen.
  • 12. April: Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilt den Anschlag als "widerwärtige Tat" und telefoniert mit Watzke.
  • 12. April: Die Polizei nimmt in Wuppertal einen Islamisten als Tatverdächtigen fest. Bei dem Mann und einem ebenfalls aus dem islamistischen Umfeld stammenden weiteren Verdächtigen werden die Wohnungen durchsucht.
  • 12. April: Die Partie wird unter starkem Polizeischutz nachgeholt. Der BVB unterliegt mit 2:3. Vor dem Anpfiff äußerte BVB-Coach Thomas Tuchel Kritik an der schnellen Ansetzung: "Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht, damit umzugehen."

BVB-Bomber Sergej W. wird festgenommen

  • 21. April: Die Polizei nimmt im Raum Tübingen einen 28 Jahre alten Deutsch-Russen als Tatverdächtigen fest. Laut Bundesanwaltschaft hat der mutmaßliche Täter auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt, um dadurch einen Millionengewinn erzielen zu können. Watzke bringt sein Befremden über das Motiv zum Ausdruck: "Dass man offensichtlich versucht hat, durch den Anschlag Kursgewinne zu realisieren - das ist natürlich Wahnsinn."
  • 28. April: Der mutmaßliche BVB-Attentäter bestreitet nach Angaben seines Anwalts, für den Anschlag verantwortlich zu sein.
  • 6. Mai: Watzke räumt einen Dissens mit Trainer Thomas Tuchel bei der Frage ein, ob die Partie gegen AS Monaco nur einen Tag nach dem Anschlag hätte ausgetragen werden dürfen.
  • 12. Mai: Gegen den mutmaßlichen Attentäter tauchen belastende Beweise auf. Ermittler stellen in der Wohnung des 28-Jährigen in Rottenburg am Neckar handschriftliche Notizen zur Planung des Sprengstoffanschlags sicher.
  • 16. Mai: Die Bundesanwaltschaft gibt die Ermittlungen ab. Von nun an ist die Staatsanwaltschaft Dortmund für das Verfahren zuständig.
  • 30 Mai: Der BVB trennt sich nur drei Tage nach dem Pokalsieg von Trainer Thomas Tuchel.
  • 29. August: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den 28-jährigen Tatverdächtigen wegen versuchten Mordes.
  • 10. November: Das Dortmunder Landgericht lässt die Anklage gegen den Tatverdächtigen zu.

Prozess gegen Sergej W. startet in Dortmund

  • 21. Dezember: Unter großem Medienandrang beginnt der Prozess im Dortmunder Landgericht gegen Sergej W., den mutmaßlichen Attentäter. Die Anklage wirft ihm 28-fachen Mordversuch und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Der Angeklagte schweigt. Sein Verteidiger sagt, von einem gezielten Attentat könne keine Rede sein.
  • 8. Januar 2018: Der Angeklagte gesteht vor Gericht die Tat, bestreitet aber jeden Tötungsplan: "Ich bedauere mein Verhalten zutiefst."
  • 29. Januar: Die Fußballprofis Bartra und Pierre-Emerick Aubameyang sind im Prozess als Zeugen geladen. "Ich hatte Todesangst. Ich fürchtete, meine Familie nie wieder zu sehen", lässt Bartra über einen Anwalt erklären. Dagegen erscheint Aubameyang nicht als Zeuge. In einer ärztlichen Bescheinigung wird dem Stürmer aus medizinischen Gründen Verhandlungsunfähigkeit attestiert.

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• Mehr zum BVB-Bomber-Prozess:

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  • 2. Februar: Der mutmaßliche Attentäter Sergej W. bietet den beiden Verletzten des Anschlags Schmerzensgeld an. Ein Täter-Opfer-Ausgleich wird bei der Urteilsfindung in der Regel strafmildernd gewertet.
 
 

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