Bis zum Finale muss der BVB bessere Gegenmittel finden

Mkhitaryan im Duell mit Guilavogui
Mkhitaryan im Duell mit Guilavogui
Foto: Getty Images
Bei der 1:2-Niederlage in Wolfsburg patzte der BVB in den entscheidenden Momenten - offenbarte aber auch grundsätzlichere Schwächen.

Wolfsburg.. Es klang alles sehr ähnlich, was die Vertreter von Borussia Dortmund zu sagen hatten, nachdem sie beim VfL Wolfsburg 1:2 verloren hatten: Ein ordentliches Spiel habe man eigentlich gemacht, sei dem Tabellenzweiten auf Augenhöhe begegnet und habe nur aufgrund zweier unaufmerksamer Momente und fehlendem Schiedsrichterglück knapp verloren. Oder, wie es Kevin Kampl so inhaltlich richtig wie banal ausdrückte: "Wenn du die beiden Gegentore nicht bekommst, läuft das Spiel ganz anders."

Die 90 Minuten zuvor hatten durchaus Erkenntnisse geliefert, die diese Ansicht stützten. In Halbzeit eins lieferten sich beide Mannschaften ein intensives Spiel mit großem Offensivdrang, Pierre-Emerick Aubameyang vergab gar eine Großchance zur 2:1-Führung, als er per Kopf nach feiner Flanke von Henrikh Mkhitaryan aus kürzester Distanz das leere Tor nicht traf (36.). "Ich war überrascht, ich dachte, der Ball von Miki kommt flach", versuchte sich Aubameyang an einer Rechtfertigung. "Aber er kam halbhoch, da hat mir ein bisschen die Konzentration, die Klarheit gefehlt."

BVB-Verteidiger Durm hatte Mühe mit Wolfsburgs Caligiuri

Doch es waren nicht nur solche individuellen Unzulänglichkeiten in entscheidenden Momenten, die an diesem Nachmittag den Unterschied ausmachten zwischen dem Tabellenzweiten und dem noch amtierenden Vizemeister - das wurde vor allem in der zweiten Halbzeit deutlich, als Wolfsburg mehr und mehr die Kontrolle übernahm. Die Hausherren beherrschten das so wichtige Zentrum des Platzes und ließen dem BVB hier wenig Raum zur Entfaltung. Selbst fanden sie immer wieder Platz, um präzise Bälle in den Rücken der Dortmunder Abwehr zu spielen und die schnellen, dribbelstarken Außenspieler in Eins-gegen-Eins-Duelle mit den BVB-Außenverteidigern zu schicken - grade Erik Durm hatte mit Daniel Caligiuri erhebliche Mühe.

"Wir haben nach der Pause sicherlich nicht mehr so gut Fußball gespielt, die Räume nicht mehr so gut gefunden wie in der ersten Halbzeit", bemängelte Mittelfeldspieler Sebastian Kehl. "Das lag sicherlich auch daran, dass Wolfsburg noch kompakter stand und wir die Schnittstellen nicht mehr in dem Maße gefunden haben wie in der ersten Halbzeit." Wolfsburg dagegen konnte immer wieder schnell umschalten, spielte seine Kontergelegenheiten dann aber nicht gut zu Ende - ansonsten hätte durchaus auch ein deutlicherer Sieg herauskommen können.

Dabei begegnete der BVB den Wölfen durchaus mit einer guten Spielanlage, konnte immer wieder ein druckvolles Pressing aufziehen - doch oft konnten sich die Wolfsburger mit präzisem, schnellen Passspiel oder gut getimten Verlagerungen auf die andere Spielfeldseite befreien. Und war die erste Dortmunder Defensivreihe einmal überspielt, wurde es meist gefährlich. Die BVB-Defensive offenbarte Abstimmungsprobleme, Stellungsfehler und fehlendes Tempo - Bas Dost (18., 30.) und Ivan Perisic (22.) kamen zu hochkarätigen Chancen.

Wolfsburg-Fans singen: "Im Finale schießen wir euch ab"

Insgesamt wirkte das Wolfsburger Spiel strukturierter, das Umschalten von Defensive auf Offensive klappte flüssiger, die Abläufe wirkten besser aufeinander abgestimmt. "Wolfsburg spielt eine hervorragende Saison, dass haben sie heute auch phasenweise wieder gezeigt", lobte Kehl die Qualität des Gegners. "Sie haben hohe individuelle Klasse, auf den Außenbahnen sehr viel Qualität, sehr viel Schnelligkeit und hohe Qualität im Eins-gegen-Eins."

Den Wolfsburger Fans gefiel, was sie dort zu sehen bekamen. "Im Finale schießen wir euch ab", klang es von den Rängen - spätestens damit war allen Anwesenden wieder in Erinnerung gerufen, das hier ja so etwas wie eine Generalprobe zur Aufführung kam: In zwei Wochen treffen beide Mannschaften im DFB-Pokalfinale in Berlin wieder aufeinander.

Und so tauchte zwangsläufig die Frage auf nach den Erkenntnissen, die beide Seiten aus dieser Partie mitnehmen konnten. Beim BVB entschied man sich schon fast trotzig für die positive Sichtweise: "Man hat gesehen, dass wir auf Augenhöhe mitgespielt haben, dass Wolfsburg uns nicht überrannt hat", sagt Kampl. "Wolfsburg ist sicherlich schlagbar, auch wenn wir das Spiel heute verloren haben", ergänzte Kehl. "Wir haben ganz viele gute Ansätze gezeigt." Und auch Trainer Jürgen Klopp gab sich selbstbewusst. "Mit 25 Punkten in der Rückrunde sind wir nicht chancenlos im Finale", sagte er. "Wolfsburg hat nichts gezeigt, was wir vorher nicht vermutet hätten, dass sie es können."

Das allerdings reichte für einen verdienten Sieg über den BVB - und so bargen Klopps Worte auch eine Selbstverpflichtung: Bis zum Finale gilt es nun, bessere Gegenmittel für die doch so wohlbekannten Wolfsburger Stärken zu finden.

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