Bender und Götze für Piräus-Spiel fraglich

Frank Lamers
Jürgen Klopp kennt zwei unterschiedliche Gesichter seiner Mannschaft. Der BVB will aber diesmal sein Ligagesicht zeigen. Foto: imago
Jürgen Klopp kennt zwei unterschiedliche Gesichter seiner Mannschaft. Der BVB will aber diesmal sein Ligagesicht zeigen. Foto: imago
Im entscheidenden Spiel in der Champions League muss Borussia Dortmund aller Voraussicht auf die beiden Leistungsträger Sven Bender und Mario Götze verzichten. Gegen die Griechen will Klopp mit einer defensiven Ausrichtung einen Sieg einfahren.

Dortmund. Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hat entdeckt, dass seine Mannschaft über zwei Gesichter verfügt. Das eine, das schöne, ist das Alltagsgesicht. Das Gesicht, mit dem der BVB in der Bundesliga auftaucht. Vier Siege feierte der Meister in Folge, bevor er in Stuttgart zuletzt ein Remis in die Statistik eintragen musste. Aber was für ein Remis. Ein 1:1, das eine Demonstration der Stärke war. Bei dem auf der einen Seite der VfB auftrumpfte. Und bei dem auf der anderen Seite der BVB behaupten durfte, trotzdem noch einen Tick besser gewesen zu sein.

Klopp mit Sorgenfalten

Darauf wurde Hoffnung aufgebaut. Daraus sollte Selbstbewusstsein gezogen werden für den Wettbewerb, in dem die Borussia bisher ihr zweites Gesicht gezeigt hat, das Gesicht, das gewöhnlich für Feiertage mit traurigem Anlass reserviert ist. Von Spieltag zu Spieltag entglitten in der Königsklasse die Züge mehr und mehr. 1:1 gegen Arsenal. Ein 0:3 bei Olympique Marseille, das als unglücklich eingestuft werden konnte. Und dann eine 0:3-Niederlage bei Olympiakos Piräus nach der eingestanden werden musste: Wir haben gegen einen Gegner von Europas mittlerer Leistungsetage versagt und uns das Überwintern unter Champs selbst sehr schwer gemacht.

Am Dienstagabend liegt sie nun in der eigenen Riesenarena an, die entscheidende Partie, die Partie, die mit einem Sieg beendet werden muss, wenn die Chance auf einen Verbleib in der Champions League gewahrt werden soll. Es geht wieder gegen Piräus. Und schon am Tag vor dem Anpfiff hat sich das Borussen-Gesicht verändert. Diesmal trägt es Sorgenfalten. Sven Bender hatte beim Pokalerfolg gegen Dynamo Dresden einen Tritt gegen den Knöchel abbekommen. In Stuttgart konstatierte er ein Taubheitsgefühl im Fuß. Der gesetzte Sechser, „der Manni“, der die Ab- und Aufräumarbeiten vor der Abwehr so zuverlässig zu bewältigen pflegt, fällt nun mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit gegen die Griechen aus.

Götze nur im Lauftraining

Bender leidet unter einer Überdehnung und Reizung der Bänder im Sprunggelenk. Klopp hat am späten Montag gesagt: „Wenn wir heute spielen müssten, dann ginge es nicht.“ Tief eingegraben haben sich die Sorgenfalten aber, weil das Verletzungspech einen Doppelschlag gelandet hat. Auch der Name Mario Götze könnte auf dem Aufstellungsbogen fehlen. Auch der 19-Jährige mit dem Dauer-Lauf, der Jungnationalspieler, der sogar in Piräus seine Klasse aufblitzen ließ, könnte dem BVB ausgerechnet in der Partie fehlen, die Innenverteidiger Neven Subotic als „die wichtigste bis dato“ bezeichnet hat.

Am Montag konnte Götze nur ein leichtes Lauftraining absolvieren. Seine Adduktoren sind verhärtet. Er selbst hat die vom Trainer angeordnete Abwesenheit vom Mannschaftstraining als „eine reine Vorsichtsmaßnahme“ gedeutet. Klopp jedoch ist weder dafür bekannt, dass er Angeschlagene gern aufs Grün schickt, noch dafür, mit der Gesundheit seiner Talente zu jonglieren.

Klopp setzt gegen Piräus auf stabile Defensive

Umbauarbeiten bedeutenderen Ausmaßes stehen also wohl für Dortmund an. Für Bender dürfte Moritz Leitner an der Seite von Kapitän Sebastian Kehl auflaufen. Der erst 18-Jährige strahlt momentan mehr Ruhe aus als Ilkay Gündogan, der ebenfalls erst 20-Jährige, der eigentlich geholt wurde, um die Rolle zu übernehmen, die in der Titelsaison noch der zu Real Madrid abgewanderte Nuri Sahin ausfüllte. In der Dreierkette hinter der Spitze hat Klopp diverse Optionen. Wählt er eine konservative, ersetzt er Götze rechts durch Kevin Großkreutz oder Jakub Blaszczykowski. Progressivere Offensivarianten sind wenig wahrscheinlich. Denn es gilt für Allerheiligen dieses Trainerwort: „Ein Spiel, das man unbedingt gewinnen muss, muss man zunächst einmal gut verteidigen.“ Und wichtig ist es auch, ein nicht zum Feiertag passendes Gesicht mitzubringen.