Barrios bleibt beim BVB der Joker

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Weil sich der Busfahrer verspätete, wäre der BVB fast zu spät am Dortmunder Flughafen angekommen. Doch die Borussia landete noch rechtzeitig in Marseille und dürfte am Mittwoch im Champions-League-Spiel auf eine gefestigte Defensive setzen.

Marseille.. Als Lucas Barrios in der Bundesligapartie in Mainz in der 75. Minute für Robert Lewandowski eingewechselt wurde, hat er seine Kurzarbeit abgeleistet, ohne am Ende das Produkt abzuliefern, das von ihm erwartet wird. Das Tor. Aber die pure Anwesenheit des Stürmers im Spiel von Borussia Dortmund ist nicht zu unterschätzen. Als Trainer Jürgen Klopp es wagte, diesen Barrios nach mehr als zweimonatiger Verletzungspause erstmals wieder zumindest für Minuten auf den Rasen zu schicken, wurde die Hoffnung gestärkt, die Hoffnung der Mannschaft, die in der deutschen Eliteklasse ihre Chancen am schlechtesten ausnutzt. Der Toptorjäger der vergangenen Meistersaison ist eben für einen Treffer gut. Das weiß man. Das hängt fest im Hinterkopf.

Lewandowski, der Barrios-Ersatz, gehört zu den feinen Fußballern. Wie fein der Pole mit dem Ball unterwegs ist, konnte vor allem in Danzig, in der freundschaftlichen Begegnung der deutschen Nationalelf mit seiner Heimatauswahl besichtigt werden. Ihm geht es aber wie dem Spätabend-Entertainer Harald Schmidt. Die Quote stimmt nicht, in diesem Fall: die Trefferquote (in sieben Ligaspielen: zwei). Deshalb war es wichtig, dass Barrios um Punkt elf Uhr und fünf Minuten im Flugzeug Richtung Marseille seinen Platz besetzen konnte. Er ist eine Alternative, eine Alternative, auf die Klopp zurückgreifen kann, wenn es in der Champions-League-Partie bei Olympique Marseille am Mittwochabend (20.45 Uhr, Sat1 und im DerWesten-Ticker) eng werden sollte.

Zunächst aber wird Barrios wieder sitzen müssen. Kurz nach der Landung in Südfrankreich reagierte der Trainer auf die Fragen der Journalisten nach seinem Einsatz von Beginn an belustigt: „Wenn wir Fußball spielen könnten, ohne zu trainieren, was meint ihr: Warum machen wir das dann nicht?“ Wahrscheinlich, weil Übung im Leben immer von Bedeutung ist.

Großkreutz hat keinen Stammplatz mehr

Beinahe wäre der BVB-Tross ja nicht einmal am Dortmunder Airport angekommen. Ein Busfahrer, der nicht geübt war im Transportieren der Schwarzgelben, hatte erst das Trainingsgelände im Stadtteil Brackel nicht gefunden, an dem er die Mannschaft einsammeln sollte. Dann war er Richtung Flughafen Düsseldorf gefahren. Die verlorene Zeit versuchte er, wieder einzufangen. Der Bus wurde in einer Tempo-30-Zone geblitzt, angehalten.

Irgendwie ist der BVB wohl ständig fix unterwegs. Das hat auch Marseille-Trainer Didier Deschamps festgestellt. „Jung, athletisch, schnell“ sei der Gegner, erklärte er dem „Kicker“. Den ersten Auftritt in der Königsklasse könnte Deschamps im Sinn gehabt haben, bei dem sich die Borussen trotz Jugendlichkeit und Mangel an Erfahrung mit dem FC Arsenal auf Augenhöhe bewegten. Ivan Perisic sorgte für den Treffer zum finalen 1:1. In der Folge hat der Kroate sich hineingespielt in die Dreierkette hinter dem einzigen Stürmer. Aus der Kette heraus hat Dortmund in der Liga die meisten Tore erzielt (sechs von neun). Mario Götze traf gegen den Hamburger SV. Shinji Kagawa vollendete gegen Hannover 96. Perisic traf gegen Mainz. Der statistisch gefährlichste Mann jedoch wird gegen Marseille wohl neben Barrios auf der Bank sitzen. Kevin Großkreutz (3), der zwar nach der Titelrasur wieder über einen Haarschnitt verfügt, nicht mehr jedoch über einen Stammplatz.

Schmelzer kehrt in die Startelf zurück

Gegen die Franzosen dürfte der BVB allerdings trotz gegenteiliger Deschamps-Einschätzung auf eine gefestigte Defensive setzen. „Schwierig, schwierig“, meinte Klopp, sei Marseille zu bewerten, dieses teure Team, das gerade erst aus der Abstiegszone herausgekrabbelt ist (Platz 13). Fünf Partien des Kontrahenten habe er analysiert, verkündete Klopp. Erkenntnisgewinn? „Die suchen noch ein bisschen. Wir wissen nicht genau, was auf uns zukommt. Ein Überraschungspaket.“ In Empfang genommen wird das ganz sicher von Marcel Schmelzer. Dem zwischenzeitlich verletzten Linksverteidiger ist die Rückkehr auf den Linksverteidigerposten garantiert. Sven Bender hat sich ebenfalls fit zurückgemeldet. Ob Ilkay Gündogan noch die Zentrale vor der Defensivkette neben Kapitän Sebastian Kehl übernehmen wird, ist dadurch in Frage gestellt. Wahrscheinlich ist, dass der Trainer befindet, der Sven habe doch schon genug geübt. Gündogan hat nämlich gegen Mainz nicht überzeugt. Und einen Stabilisator neben Kapitän Kehl braucht man in der Fremde vielleicht noch mehr als jemanden, der die Hoffnung stärkt.

 
 

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