Augsburgs Felix Götze: Das Tor ist für Mario

Maik Rosner
Felix Götze
Felix Götze
Foto: Getty

Augsburg. Ganz am Ende, als Felix Götze noch immer in der Münchener Arena ausgiebig Rede und Antwort stand zu seinem ersten Bundesligator, wurde er von einem lauten Klatschen und Rufen unterbrochen. „Abfahren“, rief Augsburgs Torwarttrainer Zdenko Miletic, der noch einmal aus dem Mannschaftsbus in die Katakomben gekommen war, um den Mann des Tages zum Einsteigen zu animieren. Felix Götze entschuldigte sich bei seinen Zuhörern und eilte zu den wartenden Kollegen.

Felix Götze denkt an Mario

Es war das Ende eines Dienstagabends, an dem ihm jene Aufmerksamkeit zuteil geworden war, die sich sonst auf seinen älteren Bruder Mario Götze, 26, konzentriert. Und auch Felix, der Glückliche, dachte nun an Mario, den Weltmeister, der seit seinem Siegtor im WM-Finale 2014 meist betrübliche Zeiten erlebt und darunter leidet, wie der Dortmunder jüngst kundtat. „Der erste Anruf geht an ihn. Ich wäre nicht hier ohne ihn, ohne seine Tipps“, sagte Felix über Mario Götze, „das Tor ist für ihn.“

Erzielt hatte der eingewechselte Felix Götze, 20, seinen Premierentreffer in der höchsten Spielklasse in der 87. Minute. Bayern Münchens Nationaltorwart Manuel Neuer war ein Eckball von Philipp Max aus den Händen geglitten, nachdem er mit Niklas Süle kollidiert war. Der Querschläger des Augsburgers Jeffrey Gouweleeuw fand über die Brust von Götze den Weg zum 1:1-Endstand ins Tor. Oder wie es Götze formulierte, der von Mario umgehend Glückwünsche erhielt: „Ich habe versucht, alle Körperteile reinzuwerfen.“

Augsburgs Trainer Manuel Baum hatte erst gar nicht erkannt, wem der überraschende Ausgleich nach Arjen Robbens Führung (48.) zum ersten Punktverlust der Bayern in dieser Saison geglückt war. „Dann habe ich einen hochroten Kopf in der Traube gesehen. Dann wusste ich: Der Felix hat das Tor geschossen“, sagte Baum. Und er sah ebenso, dass Götze nach seinem ersten Bundesligator im zweiten Bundesligaeinsatz nur verhalten jubelte.

Bis letzten Sommer ein Münchener

„Es war schon ein kleines Dilemma“, begründete Götze seine Zurückhaltung. Nach solch einer Torpremiere müsste man „ausrasten, andererseits habe ich dem Verein viel zu verdanken.“ Gemeint war der FC Bayern, bei dem er von 2014 bis zum vergangenen Sommer unter Vertrag stand und in der Vorsaison ein paar Mal auf der Bank saß, ehe er sich dem kleinen Nachbarn FCA ablösefrei anschloss.

Zurückgelassen hatte er nun enttäuschte Münchener, die mit der Erkenntnis aus dem Spiel gingen, dass auch sie nicht ohne Qualitätsverlust umfangreich rotieren können. Trainer Niko Kovac hatte die Schonung seiner hauptamtlichen Kräfte allerdings auch auf die Spitze getrieben. Statt Robert Lewandowski begann erstmals Sandro Wagner im Sturm, statt David Alaba durfte sich der eigentliche Achter Leon Goretzka mit mäßigem Erfolg eine Halbzeit lang als Linksverteidiger versuchen und trug dabei noch einen geschwollenen Knöchel davon, der seinen Einsatz am Freitag (20.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC gefährden könnte. „Wir haben nicht so gut gespielt wie in den letzten Wochen“, sagte Kovac, der nebenbei den Startrekord seines Vorvorgängers Carlo Ancelotti verpasste, der 2016 seine ersten acht Pflichtspiele mit dem FC Bayern gewonnen hatte.

Hummels freut sich für Felix Götze mit

Doch auch das konnten die Münchener am Ende verkraften, einige von ihnen freuten sich sogar für den Augsburger Torschützen für dessen bisher größten Karrieremoment mit. „Felix ist ein echt guter Typ“, befand Weltmeister Mats Hummels. „Ich freue mich für ihn, dass er in Augsburg so gut angekommen ist“, sagte Joshua Kimmich. Nur Manuel Neuer tat sich in der Tat schwer, über seinen Fauxpas hinwegzusehen, der zu Götzes Tor geführt hatte. Fast entschuldigend ließ er wissen: „Ich kann nicht sagen, dass ich mich für ihn freue.“ Ein bisschen lächelte aber auch Neuer dabei.