13 Jahre ein echter Borusse - Kehl vor dem letzten BVB-Spiel

Er lebe hoch: Mit Sebastian Kehl geht am Samstag ein großer Borusse von der BVB-Bühne.
Er lebe hoch: Mit Sebastian Kehl geht am Samstag ein großer Borusse von der BVB-Bühne.
Foto: Imago
Eine Karriere zwischen Beinahahe-Insolvenz des Vereins und Meisterschaften: Am Samstag macht Sebastian Kehl sein letztes Spiel für Borussia Dortmund.

Dortmund. Jürgen Klopp neigt zur Übertreibung, doch in diesem Fall hat er die richtigen Worte gefunden. „Ein richtig, richtig großer Borusse“ sei nun gegangen, sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem Spiel gegen Bremen und lenkte an diesem Tag der Abschiede das Augenmerk auf Sebastian Kehl. Die Bundesliga hat er bereits hinter sich gelassen, in seinem letzten Spiel will der 35-Jährige am Samstag gegen den VfL Wolfsburg noch einmal den DFB-Pokal gewinnen. „Das wäre ein gutes Ende meiner Karriere“, sagt Sebastian Kehl vor seinem letzten Highlight in 13 schwarz-gelben Jahren.

Der Wechsel zum BVB

„Charakterschwach“ – das bleibt bei Kehls Wechsel aus Freiburg in der Winterpause der Saison 2001/02 hängen. Uli Hoeneß nennt ihn später so, der Bayern-Manager hat die mündliche Zusage des jungen Mittelfeldantreibers. Doch Kehl entscheidet sich anders, zahlt das bereits geflossene Handgeld für den Wechsel zurück und geht zum BVB. In München hätte der junge Mann aus der Rhön im Laufe der Jahre sicherlich mehr Titel holen können, doch: „Ich bin im Nachhinein sehr dankbar für die Zeit in Dortmund.“

Die Anfänge in Schwarzgelb

Am 27. Januar 2002 steht Sebastian Kehl erstmals an der Seite von Jens Lehmann, Christian Wörns, Tomas Rosicky und Jan Koller auf dem Platz, der BVB besiegt Hertha BSC mit 3:1. „Meine Karriere ging phänomenal los“, erinnert sich Kehl, der im Sommer gleich die Meisterschale in der Hand hält. Kehl wird zudem Vize-Weltmeister in Japan und Südkorea.

Seine schwierigste Zeit

Kehl-Abschied Die teuer erkauften Kluberfolge der vergangenen Jahre haben ihren Preis: 2005 schliddert der BVB beinahe in die Insolvenz. Kehl: „Die Finanzkrise konnte kein Einzelner von uns beeinflussen.“ Schwarzgelb bekommt im letzten Moment wirtschaftlich die Kurve. „So ein Auf und Ab mitzuerleben, habe ich auch als Geschenk betrachtet.“ Genau wie die Phase, in der seine Karriere am seidenen Faden hängt: 2006 droht Kehl nach einem Foul von Hasan Salihamidzic nicht zurückkehren zu können, weil sich eine Fleischwunde entzündet. In seiner Karriere kommt Kehl auf 347 Bundesligaeinsätze, es hätten noch viele mehr werden können ohne all’ die Verletzungen. „Ich bin froh, dass ich heute körperlich in einem guten Zustand bin.“

Der Neustart unter Klopp

2008 heuert Klopp beim BVB an. „Er hat Borussia den Erfolg zurückgebracht“, so Kehl. Klopp gibt ihm die Kapitänsbinde, die Kehl bis zu seiner vorletzten Saison behält.

Die besonderen Momente

Das Double 2012? Die Champions-League-Nächte gegen Real Madrid und Malaga? Das Finale von Wembley 2013? Kehl denkt anders, ihm bleibt am meisten die erste Meisterschaft im Gedächtnis: „Es ist wie bei allem, was man das erste Mal tut.“ 2002, Saisonfinale gegen Bremen, Dortmund muss gewinnen, und kurz vor dem Ende macht Ewerthon den 2:1-Siegtreffer. Kehl stolz: „Es gibt es nicht so viele Spieler, die dreimal mit dem BVB Meister geworden sind.“

Was „Kehli“ vermissen wird

„Es gibt viele Momente, in denen ich an die Mannschaft zurückdenken werde“, ist sich der 35-Jährige sicher. Das Gefühl, jeden Samstag alles für den Erfolg geben zu wollen, das Auslaufen am Sonntag danach – „ich muss jetzt ja auch erst einmal lernen, aus dem Rhythmus herauszukommen“.

Was die Zukunft bringt

Am Samstag haben die Fans auf der Südtribüne noch einmal seinen Namen gebrüllt. „Es geht einem nicht unbedingt die ganze Karriere durch den Kopf, aber man verfällt schon ein bisschen in Demut.“ Im nächsten Jahr will Kehl, der mit seiner Familie weiter in Dortmund wohnen wird, in einer noch zu bestimmenden Position angreifen: „Ich habe immer versucht, wachsam durchs Leben zu gehen. Die Erfahrungen daraus werden mir helfen – ob auf Vereinsebene, mit Spielern oder Unternehmen.“

Rücktritt vom Rücktritt?

In seiner letzten Saison nimmt Kehl noch einmal an Wichtigkeit fürs Team zu. Er gehe nun aber zum richtigen Zeitpunkt auf einem hohen Niveau, „mit einem Drehbuch, das wie für mich geschrieben ist mit dem Pokalfinale in Berlin“. Ob er trotzdem noch seinen Reisepass abgibt für den bevorstehenden Asien-Trip des BVB im Juli? „Das werde ich nicht, denn zu dem Zeitpunkt sitze ich mit meinen Kids im Flieger in die USA.“ Das ist dann der Start ins neue Leben.

 
 

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