BVB, Schalke und Co.: Warum der Markt in Asien für die Bundesliga lukrativ ist

Jochen Rotthaus ist Direktor Marketing und Kommunikation bei Bayer Leverkusen.
Jochen Rotthaus ist Direktor Marketing und Kommunikation bei Bayer Leverkusen.
Foto: Lars Heidrich
  • Sponsorengelder außerhalb von Deutschland werden immer wichtiger
  • Leverkusens Marketingchef Jochen Rotthaus sieht in Asien großes Potenzial

Schon mal über Indonesien nachgedacht? Es dürfte nicht viele Sportdirektoren, Aufsichtsräte oder Cheftrainer im deutschen Profifußball geben, die sofort zustimmend nicken. Dabei bietet der ostasiatische Staat mit seinen 17 000 Inseln, 261 Millionen Einwohnern und interessierten Millionären, wie auch Thailand und Malaysia, eine Menge Potenzial. Indonesien gilt – auch wenn sich bisher niemand so recht auf dieses Terrain traut – hinter China, den USA und Indien als viertwertvollster und vor allem noch kaum beackerter Fußballmarkt für Top-Fußballvereine.

Kurzbesuch in Australien

Das sieht auch Jochen Rotthaus so. Der Direktor Marketing und Kommunikation bei Bayer Leverkusen sagt: „Das Thema Sponsoring in Deutschland ist limitiert – selbst im Fußball. Deshalb kommt niemand, der vorn mitspielen will, daran vorbei, Einnahmequellen jenseits der Bundesliga zu beschaffen. Die Internationalisierung wird deutlich zunehmen.“

Vermutlich werden auch Bundesligisten ähnlich aufwändige Stipvisiten unternehmen wie im Sommer der FC Liverpool. Jürgen Klopps Klub verlängerte die Saison in Australien, um dort für einige Tage die starke Fangemeinde zu beglücken. 72 000 Zuschauer waren beim Testspiel in Sydney.

Auf dem dicksten Fußballmarkt des Planeten tummeln sich bereits die Großen, auch aus Deutschland. In China steht die Bundesliga in direkter Konkurrenz zur Premier League. Borussia Dortmund, Schalke 04, Bayern München und der VfL Wolfsburg waren schon da und bauten in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein starkes Grundgerüst für Interesse.

Bayer Leverkusen und auch Borussia Mönchengladbach, das im vergangenen Jahr einen chinesischen Mobiltelefon-Sponsor an Land gezogen hatte, stehen dazu in den Startlöchern.

BVB steuert Ambitionen von Singapur aus

Die Bayern besitzen ein Büro in Shanghai, Chinas Wirtschaftsme­tropole. Der BVB steuert seine Ambitionen in Asien vom Handelsplatz Singapur aus, hat dazu eine Kooperation mit dem malaysischen Erstligisten Johor Bahru aus Singapurs Nachbarstadt. Dortmund investiert, ebenso wie die Bayern, in die Zukunft. Es geht um Markenpräsenz, auch der Bundesliga, um Trikotverkäufe, um neue potente Sponsoren, um Asiens Toptalente. Aber auch simpel darum, seine Strategie der Kultur vor Ort anzupassen. Was in Deutschland beliebt und erfolgreich ist, muss in Asien noch lange nicht ankommen. Und umgekehrt.

Erfolge für die Bundesliga gibt es bereits. In den sozialen Netzwerken liegt die Liga bei rund 500 Millionen chinesischen Fußballfans vor England – wegen einer eigenen chinesischen Liga-Webseite. Live-Spiele im frei empfangbaren Fernsehen stärken zudem die Position der Bundesliga.

Die Premier League konterte im vergangenen Sommer unter anderem mit einem Viererturnier in Hong Kong, angeführt vom FC Liverpool und West Bromwich Albion, das dem chinesischen Unternehmer Guochuan Lai gehört.

Potenzial zeigt die Regierung der Volksrepublik, die bis 2030 rund 40 Milliarden Euro in den Fußball investieren wird. Das Reich der Mitte besitzt aber kaum Know-how, was die Talente-Ausbildung betrifft.

Wertvoller Wissenstransfer

„Wissenstransfer ist ein Hebel, den die Bundesliga und ihre Vereine nutzen können“, sagt Leverkusens Jochen Rotthaus. „Das wird hier und dort bereits in Form von Kooperationen mit Vereinen oder regionalen Organisationen umgesetzt und bietet finanzielle Anreize, die für Vereine interessant sind.“

Das gilt auch für Indien, wo Cricket die Nummer-eins-Sportart ist, sowie Indonesien. Beide Länder haben mit neuen Profiligen das Interesse für Fußball vor Ort aktiviert. Eine Chance für die Bundesliga? Vor allem nach der WM wird es im Jahr 2018 darum gehen, Märkte jenseits von China zu erobern.

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen