Bundestrainer Löw lässt seine Jungen los

Im Länderspiel gegen Australien am Dienstag in Mönchengladbach probiert Bundestrainer Joachim Löw den zweiten Anzug aus. Die noch jüngeren Spieler werden getestet. Und Arne Friedrich.

Düsseldorf. Jens Nowotny hat den Sonnenmontag genutzt, um der in Düsseldorfs Nobelhotel Hyatt logierenden Nationalelf einen Besuch abzustatten. Angesichts der Jugend des Ensembles von Bundestrainer Joachim Löw könnten solche spontanen Stippvisiten auch peinlich enden. Doch Nowotny spielte ja 2006 noch bei der WM. Dieser Herr mit dem lichten Haar war sogar den Vertretern der Generation Milchbart bekannt. Gefreut hat sich aber vor allem Arne Friedrich „über das Hallo“ des 37-jährigen Ex-Verteidigerkollegen: „Es war schön, mal wieder einen etwas älteren Spieler zu treffen.“

Friedrich wird bald 32. Und weil dem Wolfsburger und dem 29-jährigen Bremer Torhüter Tim Wiese für die Testpartie am Dienstag in Mönchengladbachs Borussia-Park gegen Australien der Einsatz garantiert ist, steigt der Altersschnitt der zu erwartenden Auswahl Löws dramatisch an. Auf circa 23,5 Jahre. Die Madrilenen Mesut Özil und Sami Khedira werden ebenso nicht am Spiel teilnehmen wie der Bayer Philipp Lahm. Den Etablierten wurde eine Pause geschenkt. Jerome Boateng hat sich beim Warmmachen vor der EM-Qualifikationspartie gegen die Kasachen eine Meniskusverletzung zugezogen. Der Mann von Manchester City soll demnächst am rechten Knie operiert werden. Und überhaupt: Testspiele sind für den Bundestrainer das, was für den kleinen Forscher der Experimentierkasten ist. Es wird also die Stunde des Nachwuchses schlagen.

Zur Erinnerung: Im Jahr 2000 hat Jens Nowotny, der moderne Kettenakteur von Bayer Leverkusen, unter Erich Ribbeck den Konkurrenzkampf um die Rolle des Abwehrchefs bei der EM gegen den seinerzeit 39-jährigen Libero Lothar Matthäus verloren. 39. Sollte Mario Götze so lange durchhalten, könnte er 2032 zu seiner letzten WM reisen. Gegen Australien ist der 18-jährige Dortmunder wahrscheinlich von Anfang an dabei, hinter Miroslav-Klose-Ersatzkraft Mario Gomez, als Stellvertreter des Kreativdirektors Özil. Zugesagt ist Götze die Teilnahme anders als den BVB-Kollegen Mats Hummels und Marcel Schmelzer aber noch nicht. Der Mainzer Andre Schürrle soll sich präsentieren. Bastian Schweinsteiger und Bayern-Kamerad Toni Kroos werden wohl als Sechser starten. Thomas Müller dürfte rechts offensiv mitmachen. Doch allein die Defensivkette ist ganz offiziell bereits fest zusammengefügt: Christian Träsch, rechts, Hummels und Friedrich in der Mitte, Schmelzer links.

Links. Das ist die Problemposition für Löw. „Es gibt einfach sehr wenige, die einen starken linken Fuß haben und auch noch defensiv spielen“, hat sich Schmelzer an die Analyse der Misere gewagt. Der aktuellen. Weil der im Verein und in der Nationalelf von der linken auf die rechte Seite abgewanderte Lahm von Bayern-Präsident Uli Hoeneß eher in der Rolle des Linken gesehen wird, könnte es bald eine Miserenverlagerung geben. Lahm dürfte sich im Klubwechselfall wünschen, auch in Adlertrikot wieder links zu spielen. Mit der Folge, dass Schmelzers und Dennis Aogos Chancen hinsiechen würden und ein neuer Rechter gesucht werden müsste.

Friedrich, die ehemalige Aushilfe, wird es nicht sein. Er wird nach starker WM-Leistung und anschließender langer Verletzungspause vom Bundestrainer langsam wieder herangeführt an die erste Elf. Nach einem behutsamen Aufbauplan. Wie weit Noch-immer-Kapitän Michael Ballack vom Team entfernt ist, kann man daran ablesen. Sportlich ein paar Meter. Emotional eine längere Flugstrecke. Dabei: Unter Ribbeck hätte der 34-Jährige noch fünf tolle Jahre vor sich gehabt.

 
 

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