Bei Flutlicht fehlt Bayer Leverkusen oft der Durchblick

Daniel Theweleit
Es ist zum Heulen: Auch Torjäger Stefan Kießling kommt 2014 bisher nicht richtig in Tritt.
Es ist zum Heulen: Auch Torjäger Stefan Kießling kommt 2014 bisher nicht richtig in Tritt.
Foto: dpa
Fußball-Bundesligist Bayer 04 Leverkusen macht sich Sorgen vor dem schweren Champions-League-Spiel gegen den Favoriten Paris St. Germain. Das 0:5 gegen Manchester United ist noch in guter Erinnerung, und auch die Pokalniederlage gegen Kaiserslautern wirkt nach.

Leverkusen. Nicht erst seit dem vergangenen Mittwoch, als Bayer Leverkusen im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern ausgeschieden ist, wittern die Verantwortlichen des Werksklubs Gefahr, wenn das Flutlicht angeht und unter der Woche gespielt wird. An solchen Abenden besteht am Rhein akute Gefahr, in irgendeine Peinlichkeit hineinzugeraten. Vor dem 0:1 gegen Kaiserslautern gab es ja schon das 0:5 gegen Manchester United, die vergangene Saison in der Europa League war wenig ruhmreich, und vor zwei Jahren erlebte Bayer eine 1:4-Demütigung vor eigenem Publikum gegen den FC Barcelona, dem dann im Rückspiel ein 1:7 in Spanien folgte. Am heutigen Abend (20.45 Uhr/Sky live) ist nun das Starensemble von Paris St. Germain zu Gast, was den Geschäftsführer Michael Schade dazu veranlasst hat, eine kleine Rede vor der Mannschaft zu halten.

Ibrahimovic im Mittelpunkt des Interesses

Gegen diesen Gegner könne man durchaus ausscheiden, habe er dem Team gesagt, „aber ich möchte nicht, dass ihr euch abschlachten lasst. Ich hoffe, dass die Leute im Falle eines Misserfolges sagen: Bayer 04 ist nach großem Kampf gegen einen besseren Gegner ausgeschieden“. Schließlich stehen die Partien gegen die Mannschaft um den Starstürmer Zlatan Ibrahimovic im Mittelpunkt des Interesses, das Rückspiel ist live im öffentlich-rechtlichen TV zu sehen, und Schade, der vor seinem Wechsel in die Fußballabteilung PR-Mann im Bayer-Konzern war, hat gelernt, welche Deformationen da entstehen können.

Blamable Niederlagen „bleiben haften“, sagt er, Leute, die nur selten ganze Spiele des Werksklubs sehen und dann von den peinlichen Niederlagen hören, gelangten leicht zu der Ansicht: „Die gehören doch da oben gar nicht hin, die haben nur Glück, die können es nicht. Das ist bedauerlich, das tut weh, aber das ist nachvollziehbar, so lange man solche Aussetzer hat.“ Und dieser Eindruck wäre gerade jetzt fatal, denn Bayer 04 ist dabei, neue Fanpotenziale zu erschließen, damit nicht Woche für Woche solch große Lücken im Stadion klaffen.

Werben um Zuschauer intensiviert

Gegen den FC Schalke am Samstagabend war die 30 200 Zuschauer fassende Arena trotz beachtlicher Erfolge erst zum zweiten Mal in dieser Bundesligasaison ausverkauft. „Ich bin der Meinung, dass die Mannschaft aufgrund dieser Leistung eine größere Zuschauerzahl verdient hätte“, sagt Schade, der gleich nach seinem Amtsantritt im vorigen September ermittelt hat, woher die fehlenden Fans kommen könnten. Das Rheinland sei zwischen Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach aufgeteilt, im Ruhrgebiet sind ganz andere Vereine von Interesse, „bleibt der gesamte Osten, und das ist das Bergische Land, eine Region mit großer Fußballtradition „mit ehemaligen Erst- und Zweitligisten, wo es aber keinen Spitzenfußball mehr vor Ort gibt“, sagt Schade.

Städte wie Solingen, Gummersbach, Remscheid und Wuppertal liegen in diesen Gebiet, dort wird nun mit Plakaten, Radio und Kinospots für Bayer Leverkusen geworben. Man wolle „den Leuten in Erinnerung rufen, dass es da eine bergische Mannschaft gibt, die sogar den bergischen Löwen im Wappen hat, die nur 20 Kilometer entfernt spielt, wo es Bundesliga und internationalen Spitzenfußball zu sehen gibt“. In Wuppertal wurde sogar eine Schwebebahn „gebrandet“, was die Ultras des heimischen WSV als Affront empfanden.

Die Kampagne, die Schade zu einem zentralen Projekt seines ersten Jahres an der Klubspitze erklärt hat, birgt also nicht nur das Risiko, durch schlechte Spiele der Mannschaft beschädigt zu werden. Schades Leidenschaft für den Fußball sei zwar „authentisch“, aber „vor allem warenorientiert“, hat der Kölner Stadtanzeiger gerade kritisiert, und genau das ist das Problem von Bayer Leverkusen: Hier sind die Besucher mehrheitlich Kunde statt Fan, und Kunden lieben ihren Klub nicht, sie wollen sich von ihm unterhalten lassen.